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Artikel vom Donnerstag, 16. Februar 2017

Als der Puck gegen Kanada auf der Linie liegen blieb

DeRaaf 25 Jahre nach dem Olympia-Drama: „Ich merkte an der Reaktion von Burke und Draisaitl, dass es sehr eng wird“

Helmut deRaaf heute (kleines Bild) und vor 25 Jahren nach dem Penalty-Schießen, als er mit Kanadas Goalie Sean Burke abklatscht.
Fotos: City-Press, imago

Peter Draisaitl und der Ort Meribel sind in Sachen deutsche Sportdramen eng miteinander verknüpft. So eng, dass Draisaitl schon vor etlichen Jahren den Autor dieser Zeilen warnte, er möge ihn doch bitte nicht mehr auf seinen Penalty bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville ansprechen.

Auf den Penalty an jenem 18. Februar, an dem Deutschland die Chance hatte, ins Halbfinale bei den Olympischen Spielen einzuziehen. Den Penalty, der durch die zusammengepressten Schoner von Kanadas Goalie Sean Burke irgendwie hindurchkam, danach aber kullerte und sich aufstellte, um dann auf der Linie liegen zu bleiben. Den Penalty, der letztlich das Aus für die in diesem Spiel furios aufspielende Mannschaft bedeutete.

Vor drei Jahren äußerte sich Draisaitl zuletzt in einem großen Interview im Rahmen der Sommerserie "Große Spiele - große Spieler" von Eishockey NEWS zu den Vorkommnissen damals und fand einen interessanten Ansatz. Nicht der sechste Penalty und Draisaitls zweiter in diesem Spiel sei entscheidend gewesen, sondern sein erster Versuch. "Ich hatte vor dem berühmten Penalty schon den ersten Penalty geschossen. Bei dem hatte ich Sean Burke schon ausgespielt, aber nur den Außenpfosten getroffen. Wenn der reingeht, kommt es vielleicht gar nicht mehr zum zweiten Penalty. Dieser Penalty ärgert mich viel mehr. Ich finde, es ist überhaupt ein Blödsinn, dass das alles immer wieder auf diese eine Situation reduziert wird."

Denn das Spiel des Tabellenersten der Gruppe B gegen den Tabellenvierten der Gruppe A bot viel mehr, als diesen einen Penalty. Klar, Kanada, das damals zwar nicht mit den großen NHL-Stars, dafür aber mit kommenden wie Eric Lindros und vielen späteren oder aktuellen Deutschland-Legionären wie Wally Schreiber (Schwenningen, München, Landshut, Hannover, spielte 1991 bereits in Deutschland), Gordy Hynes (Schwenningen, Mannheim, Berlin Capitals), Chris Lindberg (Krefeld), Patrick Lebeau (Düsseldorf, Frankfurt) oder Brad Schlegel (Hannover, Schwenningen, Köln) antrat, war der große Favorit. Doch der Favorit tat sich schwer. Deutschland führte zwischenzeitlich mit 2:1, hatte allerdings Glück, dass Schiedsrichter Mäkelä insgesamt drei Tore nicht gab und mit Helmut deRaaf ein Mann zwischen den Pfosten stand, der einen Sahnetag erwischte. Er parierte 33 Schüsse, war später mit einem Gegentorschnitt von 1,92 und einer Fangquote von 93,3 Prozent der zweitbeste Goalie des Turniers. Ernst Köpf war es zu verdanken, dass das Spiel in die Verlängerung ging, er erzielte 2:22 Minuten vor dem Ende des Spiels den Ausgleich. "Die Enttäuschung war riesengroß. Jeder hatte realisiert, dass wir gegen Kanada gewinnen konnten und mit diesem Sieg eine Medaille möglich gewesen wäre", sagte deRaaf.

Nach dem Ende der zehnminütigen Verlängerung kam es dann, das legendäre Penalty-Schießen. Jason Woolley und Wally Schreiber brachten die Kanadier mit 2:0 in Front, doch Michael Rumrich und Andreas Brockmann glichen mit den letzten beiden Versuchen aus. So ging auch der Shootout in die Verlängerung. Eric Lindros lief an und traf. Dann kam Draisaitls Drama-Versuch. "Ich war zu weit entfernt, um den Puck zu sehen oder die Situation zu erkennen", erinnert sich deRaaf. "Ich merkte nur an der Reaktion von Burke und Peter, dass es sehr eng wird." Seither war das Thema oft Gesprächsstoff für den heutigen Director of Development Academy in Salzburg. "Nach der Olympiade wurde ich unzählige Male auf das Penalty-Schießen angesprochen und habe diese Szenen so oft gesehen, dass ich es immer vor Augen habe und behalten werde."

Der Autor dieser Zeilen hat entschieden, Peter Draisaitl im Vorfeld dieses Datums - Jubiläum kann man es wohl nicht nennen - nicht anzurufen. Ob Draisaitl deshalb am Samstag an Meribel denkt oder nicht, ist unklar. Blickt er dieser Tage nach Nordamerika, wo zuletzt sein Sohn Leon vor rund zwei Wochen im Spiel der Edmonton Oilers gegen die Montreal Canadiens als einziger einen Penalty verwandeln und so seinem Team zu einem 1:0-Sieg verhelfen konnte, dürfte er mit Sicherheit beruhigt sein. Penaltys und der Name Draisaitl passen auch irgendwie zusammen.

Michael Bauer


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