Kanada demütigt Russland und zieht ins Halbfinale ein
Gegen Deutschland hatten sie sich warmgeschossen, gegen Russland brannten sie ein Eishockey-Feuerwerk der Extraklasse ab. Team Canada hat am Mittwoch im Viertelfinale des olympischen Eishockeyturniers dank einer der besten Leistungen in der jüngeren Eishockey-Geschichte nicht nur den Einzug in das Halbfinale geschafft, sondern auch die Verhältnisse bei den Spielen im Mutterland wieder zurechtgerückt. "Das war ein großartiger Sieg für unser Land", so Goalie Roberto Luongo.
Die 3:7-Niederlage war letztlich eine Demütigung für den Weltmeister der vergangenen beiden Jahre und die höchste Niederlage seit den Spielen 1960 in Squaw Valley – damals verlor die sowjetische Mannschaft mit 5:8. Das war auch gleichzeitig die letzte Niederlage gegen Kanada bei Olympischen Spielen.
Kanadier mit viel Druck auf russische Defensive
Denn die russische Mannschaft von Coach Slava Bykov, die vor dem Spiel aufgrund der bisherigen Ergebnisse beider Teams noch als leichter Favorit gegolten hatte – Kanada musste sich erst über die Qualifikationsrunde für das Viertelfinale qualifizieren – wusste von der ersten Sekunde an nicht, wie ihr geschah: Denn die Kanadier kannten nur ein Wort: Druck. Diesen übten sie in allen Situationen auf die Gegner aus: Durch überfallartige Angriffe, durch konsequentes Forechecking und durch jede Menge Checks gegen die russischen Stars – vor allem in der Anfangsphase.
Kanadas Coach Mike Babcock freute sich „zurück im Turnier“ zu sein. „Wir haben früh ins Spiel gefunden und den Schwung über das ganze Spiel hinweg transportiert. Außerdem haben wir viel Druck auf die russische Defensive ausgeübt, um deren Aufbaupässe zu unterbinden.“ Schon nach 13 Minuten hatten die Kanadier mit 3:0 geführt, was Russlands Coach Slava Bykov dazu bewog, eine Auszeit zu nehmen. Zwar gelang durch Dmitri Kalinin bald darauf das 1:3, doch Brenden Morrow erhöhte noch vor der Pause auf 4:1.
Bykov: „Müssen uns entschuldigen“
„Wir müssen uns für diese Leistung entschuldigen“, sagte ein sichtlich frustrierter Bykov. „Wir haben während des Spiels versucht, unser System umzustellen, aber alles, was wir auch versucht haben, hat nicht geklappt.“ Spätestens nach dem 1:6, das schon zu Beginn des zweiten Drittels fiel, war das Spiel entschieden. Danach verließ auch Evgeni Nabokov frustriert sein Tor. Er hatte bei zwei Toren nicht gut ausgesehen. „Wir wussten, dass die Kanadier mit jeder Menge Druck heute starten würden. Sie haben mit sehr viel Körpereinsatz gespielt, dem wir nicht standhalten konnten.“
Im Schlussdrittel hatte das Spiel dann etwas sein Feuer verloren. Beim Stande von 7:3 für die Kanadier hatten die Russen fast schon ein wenig resigniert. Superstar Alexander Ovechkin, dessen Duell mit Sidney Crosby keine Fortsetzung fand – beide hatten nicht einen Scorerpunkt – gab nur drei Torschüsse ab. „Man darf nicht von einem Spiel heute auf alle sehen“, sagte er. „Normalerweise sind wir auf einem Level. Leider waren wir heute nicht konzentriert genug. Wir sind immer noch eine starke Mannschaft.“