Frankreich bejubelt eine der größten Überraschungen der Eishockey-Geschichte.
Foto: CP 24
Es waren Szenen wie nach einem Spiel sieben in einem Finale: Frankreich warf die Ausrüstung weg, stürmte auf den überragenden Florian Hardy im Tor zu, lag sich in den Armen und tanzte über das Eis. Auf der Bank standen sämtliche Trainer, Physiotherapeuten, Verantwortliche und die überzähligen Spieler und umarmten sich immer wieder gegenseitig. Bei Trainer Dave Henderson waren bei der Nahaufnahme auf dem Videowürfel sogar Tränen zu sehen. Kapitän Laurent Meunier, kurz vor dem Spiel von der Geburt seines Kindes erst eingetroffen und deshalb nicht im Kader, sondern Co-Kommentator für das TV hielt es in der Schlussphase nicht mehr auf seinem Platz, sondern er stürmte auf die Bank zur Mannschaft, wo er nach der Schlussirene jeden, aber auch wirklich jeden, umarmte.
Bei der Wahl zum Spieler des Tages fuhr Torhüter Hardy, eigentlich nur der dritte Goalie und bei Angers Ducs in der französischen Liga aktiv, durch ein Spalier applaudierender Mitspieler und anschließend ließ sich die Equipe Tricolore auf einer Ehrenrunde selbst von den russischen Fans feiern. Und die französischen Medienvertreter - ohnehin nur eine handvoll - brachten immer wieder nur einen Satz heraus: "A historical moment!"
Frankreich schrieb am Donnerstag mit dem 2:1-Erfolg über Russland Geschichte, sorgte für die wohl größte Sensation im Welteishockey seit dem Olympiasieg der USA 1980 und schlug zum ersten Mal überhaupt ein russisches Team. Und dieser Sieg war keinesfalls glücklich, sondern gegen ein absolut überheblich und arrogant auftretendes russisches Team sogar verdient.
Noch lange nach Spielschluss war Trainer Dave Henderson tief bewegt. "Was das auch für mich persönlich bedeutet? Es ist nicht zu beschreiben, was das bedeutet, dafür gibt es keine Worte. Ich habe das Miracle on Ice 1980 im Fernsehen gesehen und nun war ich beim zweiten Miracle on Ice selbst mit dabei." Frankreichs Eishockey hat an diesem geschichtsträchtigen Donnerstag seine mit Abstand größte Stunde erlebt - das Miracle on Ice 2013...
Tobias Welck