Samstag, 8. Februar 2014

Interview mit dem Huskies-Kapitän: Manuel Klinge: "Eine Insolvenz ist so eine Sache, die nicht so einfach an uns vorbeigeht"

Manuel Klinge, Kapitän der Kassel Huskies, hat seinen Vertrag in Nordhessen verlängert.
Foto: Jaschik

Nach der 2:5-Niederlage in Duisburg konnte Eishockey-NEWS-Mitarbeiter Ivo Jaschick mit Kassels Kapitän Manuel Klinge über die aktuell schwierige Situation bei den Huskies sprechen:

Herr Klinge, als ehemaliger ambitionierter DEL- sowie Nationalspieler sind Sie den Kassel Huskies bis auf einen kurzen Abstecher nach Mannheim immer treu geblieben. Nach der Insolvenz 2010 wurden Sie für ein Jahr ein Adler, gingen dann aber überraschenderweise wieder in die Heimat zurück in die Oberliga. Warum, Ihnen standen doch alle Türen offen?
Manuel Klinge: "Ja, das stimmt! Aber ich bekam damals von den Huskies eine tolle Perspektive geboten. Ich konnte meine Ausbildung mit dem Profi-Eishockey unter einen Hut bringen und das sah ich als einmalige Chance an. Natürlich wollten wir mit der Mannschaft auch wieder aufsteigen - die 2. Liga war und ist immer noch unser Ziel."

Nun sind die Huskies wieder insolvent - wohin werden Sie gehen, oder bleiben Sie ein Husky?

Klinge: "Am Samstag werden wir ein Gespräch mit der Insolvenzverwalterin haben und dann werden wir auch sehen, was ihre Vorstellungen sind, was sie denkt, wo der Weg jetzt hinführt. Ja, und dann können wir auch erst planen, Überlegungen anstellen, was weiterhin geschieht. Es ist alles noch sehr vage und wir können noch nichts über die Zukunft sagen."

Wenn jetzt in dieser unsicheren Situation ein Angebot aus der DEL oder einer anderen Liga käme, wären Sie bereit, Kassel den Rücken zu kehren?
Klinge: "Jetzt irgendetwas über die Zukunft zu sagen, mache ich nicht und das geht auch nicht. Das endscheidet sich wie gesagt erst noch, wie der Weg in Kassel weitergeht. Ich persönlich bin aber sehr positiv dem gegenüber eingestellt, dass gute, produktive Gespräche in Gang kommen."

Sie sind der Mannschaftsführer der Huskies, tragen das ,C' auf der Brust! Was bedeutet das für Sie, vor allem in der jetzigen Situation?
Klinge: "Sportlich gesehen muss ich eine Vorbildfunktion übernehmen und in der aktuellen Situation bin ich halt der erste Ansprechpartner für beide Seiten. Ich muss auch versuchen, einen klaren Kopf zu bewahren und die Jungs auch wieder einzufangen, die noch nicht in so einer Lage waren. Wir müssen vor allen Dingen positiv bleiben und der Sport darf auch nicht in den Hintergrund geraten."

Tritt der Sport jetzt nicht doch eher in den Hintergrund, wird zu einer Nebensache? Ihr Team wirkte heute nicht so spielstark wie in der bisherigen Spielzeit!
Klinge: "Sie dürfen nicht vergessen, dass so eine Insolvenz eine Sache ist, die nicht so einfach an uns vorbeigeht. Es geht um die Existenz eines jeden einzelnen und da können wir nicht mit hundert Prozent dabei sein, da es in jedem Kopf herumgeistert. Am Dienstag gegen Hamm haben wir auch erst ein paar Minuten gebraucht und heute war es auch nicht anders. Sie können uns schon glauben, wir reißen uns alle den Arsch auf, auch wenn nicht immer das Richtige dabei herumkommt. In so einer Situation ist es halt immer sehr schwer."

Ihr Team hat sich heute das Leben auch selbst sehr schwer gemacht, indem sie sehr oft auf der Strafbank eine Auszeit genommen haben...
Klinge: "Es kann gut mit der Unkonzentriertheit zusammenhängen - so ist es einfach. Die Runde ist jetzt glücklicherweise vorbei, nur am Sonntag kommt jetzt noch Frankfurt und danach zählt es. Wir versuchen uns gezielt darauf vorzubereiten und auch die Köpfe bis dahin wieder etwas freier zu bekommen."

Ist Kassels Insolvenz so etwas wie eine Wettbewerbsverzerrung?
Klinge: "Nein, absolut nicht! Die einzige Möglichkeit, die wir Spieler jetzt noch haben, ist sportlich zu überzeugen und aufzusteigen! Von der Liga haben wir ,grünes Licht' bekommen. Darauf fokussieren wir uns jetzt. Den Rest können wir Spieler leider nicht beeinflussen."


Interview: Ivo Jaschick


Notizen

  • gestern
  • Die Tölzer Löwen haben den Vertrag mit Eigengewächs Simon Manhart verlängert. Der 20 Jahre alte Defensivverteidiger hatte eine starke Debütsaison beim Süd-Oberligisten hingelegt.
  • vor 3 Tagen
  • Stürmer Julian Chrobot muss für die weitere dritte Phase der WM-Vorbereitung passen. Grund dafür ist eine Fingerverletzung, teilt der Deutsche Eishockey-Bund mit.
  • vor 3 Tagen
  • Die Löwen Frankfurt aus der PENNY DEL haben mit Matthias Ott einen neuen Athletiktrainer präsentiert. Der 44-Jährige war zuletzt seit Sommer 2023 für den Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar tätig, sammelte beim EC Bad Nauheim (bis 2018) allerdings auch bereits Erfahrungen im Eishockey.
  • vor 3 Tagen
  • Erstmals seit 1983 wird der 16-malige Titelträger Team Canada in diesem Jahr nicht am Spengler Cup in Davos teilnehmen. Die Gastgeber und der kanadische Verband konnten sich nicht rechtzeitig auf eine Vertragsverlängerung einigen, Ziel beider Parteien sei indes eine Rückkehr in der Zukunft.
  • vor 5 Tagen
  • Der langjährige DEL-Spieler Matt Puempel, zuletzt im Dienst der Schwenninger Wild Wings, hat seinen ersten Job nach der Spielerlaufbahn ergriffen: Er wird Cheftrainer und General Manager des Juniorenteams Essex 73's in der Provincial Junior Hockey League.

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