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Dienstag, 8. Mai 2018

„Ich glaube, diese Liga kann etwas werden“ Drei-Länder-Liga mit Teams aus Belgien und den Niederlanden: Achim Staudt erklärt die Hintergründe

<p>Achim Staudt. Foto: Marga</p>

Achim Staudt. Foto: Marga

Teams aus der viertklassigen Regionalliga West könnten schon bald zusammen mit Teams aus den Niederlanden und Belgien eine Liga bilden. Gespräche dazu laufen bereits seit Oktober 2017, wie Achim Staudt, Vizepräsident des Eishockeyverbandes Nordrhein-Westfalen (EHV NRW) im Interview erklärt. Doch eine mögliche Verzahnung nach dem Vorbild der Alps Hockey League bzw. in Fortführung der aktuellen BeNe-Liga kommt frühestens zur übernächsten Saison.

Herr Staudt, wann wurde die Idee einer gemeinsamen Liga geboren?

Achim Staudt: "Erste Gespräche gab es bereits im vergangenen Oktober. Der belgische Präsident Pascal Nuchelmans ist auf mich zugekommen, dann haben wir uns (einmal) getroffen und wir haben gemeinsam ein Spiel in Ratingen gegen Hamm angeschaut ich habe mir ein Spiel in Lüttich angesehen. Es gab informelle Arbeitstreffen und auch Treffen mit unseren Vereinen. Wir sind ja auf den Sport ausgerichtet. Bei aller Sportlichkeit: Die LEVs sind Amateurvereine, da kann ich als Verband nicht etwas diktieren, bei dem die Vereine selbst nicht mitkommen. Die Mitglieder sind die Vereine und letztlich müssen alle mitmachen. "

Kommt die Verzahnung sofort oder erst später?

Staudt: "Wir haben unsere Vereine nun informiert, dass wir das bis zur nächsten Saison nicht hinbekommen. Es gibt noch so viele Dinge, die beachtet werden müssen. Es kommt ja nach Belgien und den Niederlanden mit Deutschland ein drittes Land zu dieser Liga hinzu. Da muss einfach alles zusammenpassen. Außerdem: Wie die Verantwortlichen in Belgien und den Niederlanden machen wir das ja alle ehrenamtlich."

Wie sehen die Vereine diese Verzahnung?

Staudt: "Die Vereine sehen das sehr positiv, aber nicht alle sind in der Lage, dabei auch mitzumachen. In erster Linie geht es dabei um geographische Verhältnisse, die gleichzusetzen sind mit Fahrtkosten. Die Oberliga ist schon semiprofessionell, in der Regionalliga sind die meisten Spieler Amateure. Da stellt sich die Frage: Wie weit kann ich an einem Freitag fahren, wenn die Spieler arbeiten müssen? Wie viele Spiele machen wir? Welcher Verein ist in der Lage, wie viele Spiele zu machen? Das haben wir alles abgefragt. Wir haben am 16. Juni unsere Arbeitstagung, da werden wir alle Dinge noch einmal besprechen. Wir haben auch Gastvereine aus anderen Landesverbänden, die waren darin nicht eingeweiht. Die haben sich aber wieder bei uns beworben. Es soll alles nach sportlichen Gesichtspunkten klappen. Wir sind noch in der Anfangsphase, vielleicht schon einen Tick weiter, aber es ist noch nicht alles rund und jeder soll sich aufgehoben fühlen."

Wieso ausgerechnet eine Verzahnung mit der BeNe-Liga?

Staudt: "Ich war kürzlich auch in Tilburg bei der WM der Division 2A und haben mir das Derby Niederlande gegen Belgien angesehen, das die Niederlande mit 10:2 gewonnen hat. Daran sieht man auch den riesigen Qualitätsunterschied. 90 Prozent der niederländischen Nationalspieler spielen bei den Tilburg Trappers, die dort zusammengezogen sind. Die BeNe-Liga ist auf dem Niveau der Regionalliga West, das hat man auch bei Testspielen vor der vergangenen Saison gesehen als beispielsweise Hamm gegen Nijmwegen gespielt hat. Dort herrschen gleiche Bedingungen, die haben die gleichen Schwierigkeiten mit dem Modus, die Zuschauerzahlen sind ungefähr identisch, die Fahrtkilometer auch. Die Liga hat auch eine gute Ausländerbeschränkung, sie spielt mit zwei Kontingentspielern. In der BeNe Liga ist ein Belgier in den Niederlanden kein Ausländer und umgekehrt wenn er eine Saison in der Liga gespielt hat."

Wie soll der Spielbetrieb dann zukünftig aussehen?

Staudt: "Wir möchten nun schauen, was wir für die Saison 2019/20 machen können. Uns ist sehr daran gelegen, eine gute Regionalliga aufzustellen, in der sich alle zuhause fühlen, alle mitgehen und es auch einen vernünftigen Unterbau gibt. Es muss uns gelingen, alle mitzunehmen. Man muss auch noch berücksichtigen, dass wir erst im zweiten Jahr als EHV NRW agiert haben und wenn ich sehe, welche Stolpersteine uns da in den Weg gelegt wurden, können wir mit Stolz darauf blicken, was wir bisher erreicht haben. Man muss aber auch über den Tellerrand hinausschauen und offen sein für neue Dinge."

Welche deutschen Teams kämen für die verzahnte Liga infrage?

Staudt: "Zieht man die drei aktuellen Gastvereine Diez-Limburg, Neuwied und Lauterbach ab, haben wir noch sechs Vereine aus NRW. Aber nicht alle wären in der Lage, diese Liga zu stemmen. Ratingen, Hamm und Herford kämen dafür in Frage, Dinslaken, Soest und Neuss eher nicht. Belgien hat aktuell vier Vereine, in der kommenden Saison vielleicht fünf. Die Niederlande neun. Damit könnten wir in einer Liga auf 16 oder 17 Mannschaften kommen. Aber wir wollen auch die Vereine aus der Landesliga und den Bezirksligen mitnehmen und etwas erarbeiten, womit alle Planungssicherheit haben."

Mir wurde gesagt, ursprünglich sollte die Liga nur drei Vereine aus Belgien oder den Niederlanden beinhalten. Nun sind es nur drei Teams aus Deutschland. Was ist nun richtig?

Staudt: "Das ist mir völlig unbekannt, dann wäre die Initiative ja von uns ausgegangen, aber diese kam ja aus Belgien. Der Gedanke war, ein drittes Land zur BeNE-Liga dazuzunehmen und das könnte ja noch nicht das Ende sein. Vielleicht kommen ja auch Teams aus Frankreich und Luxemburg einmal dazu, aber bisher gibt es da kein Interesse. Wir denken in Deutschland immer zu sehr in Grenzen. Die neue Liga wäre eine gemeinsame Liga, in der auch (ein) Vertreter von uns als Offizielle(r) mit dabei wären. Und es gibt Bestrebungen auch analog zur DEL oder DEL2 einen hauptamtlichen Geschäftsführer einzustellen. Aber da sind wir noch am Anfang."

Werden damit Vereine, die nur eine Gastlizenz für den Spielbetrieb in Nordrhein-Westfalen haben, damit ausgeschlossen?

Staudt: "Nein. Aber wir sind der Eishockeyverband NRW und für unsere Mitglieder zuständig. Die anderen Vereine sind nur Gastvereine. Das eine schließt aber das andere nicht aus und man muss sehen, was geographisch wohin passt. Mit böser Absicht hat das nichts zu tun. Wichtig ist, dass wir eine attraktive Liga haben. Von der sportliche Qualität her haben Diez-Limburg und Neuwied gezeigt, dass sie da absolut mithalten können."

Welche Zukunft kann diese neue Liga haben?

Staudt: "Ich glaube, diese Liga kann etwas werden. Belgien, die Niederlande und NRW bilden ein Dreiländereck, hier gibt es den Euregioraum Deutschland-Niederlande. Das könnte für Sponsoren interessant sein, weil fast alles ineinander über geht. Ich selbst wohne außerhalb von Krefeld. Für mich ist der Weg zum Eishockey nach Tilburg in etwa der Gleiche wie der nach Köln. Die Entfernungen würden also nicht wesentlich mehr werden."

Wie sähe es mit einer Verzahnung mit der Oberliga aus?

Staudt: "Bis jetzt ist das kein Thema, das sind alles Amateurvereine. In den Niederlanden spielen die besten Spieler in Tilburg, dadurch gibt es gar kein Team mehr, das die Qualität für die Oberliga hätte. Auch in NRW gibt es leider aktuell keinen Club. Auch wenn der DEB einiges investiert hat, um die Rahmenbedingungen zu verändern, sehe ich in naher Zukunft keinen Verein, der nach oben geht. Wir drängen auch keinen. Belgien und die Niederlande spielen jeweils in einem Final-Four-Turnier ihren Landesmeister aus. Vielleicht machen wir etwas ähnliches."

Und gar mit dem Aufstieg in die DEL2?

Staudt: "Tilburg ist in der Oberliga dem Norden zugeteilt und die Trappers haben andere Möglichkeiten, sie fokussieren sich, ziehen die Spieler aus den Niederlanden zusammen. Aus dem Norden ist aktuell kein Team in der Lage, in den sportlichen Aufstieg zu gehen. Da ist der Süden momentan bevorzugt, den Aufsteiger in die DEL2 zu stellen. Eine BeNe-Liga würde Tilburg aktuell nicht aufnehmen, weil die Trappers zu stark sind. Seit alle Spieler bei den Trappers zusammengezogen werden, ist die Qualität des niederländischen Spielbetriebs gesunken."

Interview: Michael Bauer


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Kurznachrichtenticker

  • vor 3 Stunden
  • Nach den ersten beiden DEL-Spielen der Woche gab es ein Verfahren gegen Adam Payerl (Augsburg) aus dem Spiel gegen die Kölner Haie, welches, wie die DEL mitteilt, eingestellt wurde. Payerl ist jedoch wegen seiner dritten Disziplinarstrafe automatisch für das Spiel gegen die Düsseldorfer EG gesperrt.
  • vor 7 Stunden
  • Sean Morgan verlässt den ERC Sonthofen. Der Tabellenvorletzte der Oberliga Süd hat dem Wunsch des 23-jährigen Verteidigers nach einer Vertragsauflösung entsprochen. Morgan verbuchte in der laufenden Oberliga-Saison bei neun Einsätzen zwei Assists.
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  • Oberligist Moskitos Essen hat Stürmer Nicholas Miglio unter Vertrag genommen und zunächst mit einem Tryout-Vertrag ausgestattet. Der US-Amerikaner spielte in dieser Saison schon in der Oberliga Süd in Selb und kam dort in in sieben Spielen auf acht Assists.
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  • Auf Antrag des Deggendorfer SC wird das Hauptrundenspiel der DEL2 zwischen Deggendorf und den Eispiraten Crimmitschau am 30. Dezember 2018 von 18:30 Uhr auf 17:00 Uhr verlegt.
  • gestern
  • Angreifer Robert Hechtl aus dem Nachwuchs des ERC Ingolstadt erhält eine Förderlizenz für den Süd-Oberligisten Höchstadt Alligators. In der Saison 2018/19 kam der 19-jährige gebürtige Ingolstädter bisher bei 17 Einsätzen in der U20 DNL Division II zu 25 Treffern und 20 Assists.

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