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Montag, 21. Januar 2019

„Eishockey wird ignoriert“ Mehr Nachwuchs, weniger Einbürgerungen, weniger Kontingentspieler“: Moritz Müller fordert Umdenken im deutschen Eishockey

Moritz Müller beim Winter Game
Foto: City-Press

Moritz Müller war verärgert. So verärgert, dass er in der vergangenen Woche über seine Facebook- und Instagram-Seite das ZDF dafür kritisierte, dass sie dem Winter Game keine Sekunde Sendezeit eingeräumt hatte. Das Aktuelle Sportstudio taufte er kurzerhand in "Aktuelles Fußballstudio" um. Eishockey wird ignoriert, so seine Botschaft. Seine Beiträge in den Sozialen Medien wurden tausendfach geteilt und hunderttausendfach gesehen.

Dass Müller verärgert ist über den Zustand, macht er nun im Interview mit Eishockey NEWS (aktuelle Ausgabe) deutlich. "Irgendwie wächst man als Spieler auf und akzeptiert, dass 90 Prozent Fußball ist". Dabei sei Eishockey doch auch "ein ganz tolle Fernsehsport", was gerade die Olympischen Spiele gezeigt hätten. "Ich schaue auch gerne Fußball, aber ich muss nicht jede Woche wieder rauf- und runtergekaut kriegen, wer gerade im Trainingslager umgeknickt ist und welche Farbe das Steak von irgendjemandem hatte." In Deutschland herrsche beinahe Sport-Monokultur. Gerade das Erlebnis Winter Game habe bei ihm noch einmal verdeutlicht, wie sehr "wir von manchen großen Medien ignoriert werden". Sein Ziel: Eine öffentliche Diskussion.

Doch nicht nur die Tatsache, dass Eishockey ignoriert wird, stört Müller. Beim Kapitän der Kölner Haie geht die Kritik noch weiter. "Wie oft habe ich das Thema Ausländerreduzierung angesprochen? Meiner Meinung nach stockt dieses Thema aber immer noch, weil insgesamt die Überzeugung zu fehlen scheint." DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke habe auf dem Captains' Dinner "ein bisschen was dazu gesagt, warum das nicht möglich ist, aber für uns Spieler war der Zustand trotzdem nicht befriedigend." Müller wünscht sich mehr Mitspracherecht, fordert nun sogar eine Spielergewerkschaft. Müller ärgert es auch, dass die Liga seine Social-Media-Posts über das Winter Game nicht geteilt hat.

Der 32-Jährige äußert sich nicht zum ersten Mal kritisch zu einem Thema. Bereits im Januar 2016 bezeichnete er die Iserlohn Roosters als "kanadische 1c-Nationalmannschaft" - aufgrund der vielen eingebürgerten Spieler. "Ich mache keinem Deutsch-Kanadier einen Vorwurf, dass er hierherkommt", sagt Müller. "Ich würde das ja genauso tun und Brooks Macek oder Daryl Boyle sind super Typen. Die Frage ist doch: Ist das der Weg, den wir mit dem deutschen Eishockey gehen wollen?"

Müller fordert den Einsatz von mehr Nachwuchsspielern, auch wenn es eine "Zeit dauern würde, bis die Liga die Qualität wieder aufgebaut hätte". Die Liga brauche "sechs richtig gute Ausländer, von denen die jungen Spieler lernen können." Er selbst habe als junger Spieler sehr viel von den Kontingentspielern gelernt. "Aber die, die mir wirklich weitergeholfen waren, waren Ausnahmespieler wie Dave McLlwain oder Alex Hicks."

Michael Bauer

Das ausführliche Interview mit Moritz Müller finden Sie in der aktuellen Printausgabe von Eishockey NEWS - ab Montag als App, ab Dienstag als Printausgabe im ausgesuchten Zeitschriftenhandel verfügbar.


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Notizen

  • vor 5 Stunden
  • Die Frauen des ECDC Memmingen Indians verlieren nach dem erneuten Titelgewinn eine talentierte Stürmerin. Die 16-jährige Juniorennationalspielerin Victoria Butuzov schließt sich dem Schweizer Vizemeister SC Bern an.
  • gestern
  • Verteidiger Marian Bauer und Torhüter Finn Becker erhalten von DEL2-Club Eisbären Regensburg eine Förderlizenz. Sie stehen bei DEL-Club Iserlohn Roosters unter Vertrag.
  • gestern
  • Goalie Andreas Magg verlässt den Süd-Oberligisten EC Peiting und wechselt in die Bayernliga zu den Peißenberg Miners. Der 29-Jährige stammt aus der Peitinger Jugend und verprachte auch den Großteil seiner Profikarriere beim ECP. 2025/26 stand er 34-mal für den Club im Tor.
  • vor 2 Tagen
  • Das U15-Perspektivteam des DEB beendete ihr erstes internationales Turnier nach zwei Siegen gegen die Slowakei und die Bayerische Auswahl, sowie zwei Niederlagen gegen Tschechien und den EC Red Bull Salzburg auf dem vierten Platz. Turniersieger wurde Gastgeber Salzburg.
  • vor 3 Tagen
  • Der Herforder EV (Oberliga Nord) hat vier weitere Abgänge vermeldet – darunter Top-Scorer Ryley Lindgren, der sich in seiner kanadischen Heimat verstärkt seiner beruflichen Zukunft widmen will. Auch Defender Yannis Walch sowie die Stürmer Matyas Kovacs und Nils Wegner gehen.
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