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Mittwoch, 19. August 2020

Dem Magenkrebs erlegen Einer der Großen des kanadischen Eishockeys der 1980er- und 1990er-Jahre: Dale Hawerchuk stirbt mit 57 Jahren

Foto: NHL Media

Einer der besten kanadischen Eishockey-Spieler der 1980er- und 1990er-Jahre hat den Kampf gegen den Magenkrebs verloren: Dale Hawerchuk, insbesondere in Winnipeg eine Legende, ist am Dienstag im Alter von 57 Jahren verstorben. Im Oktober vergangenen Jahres war die ihm selbst Ende August 2019 mitgeteilte Diagnose bekannt geworden, Mitte April dann die letzte Chemotherapie-Behandlung abgeschlossen worden. Doch im Juli kam der Krebs zurück, Teile seines Dickdarms und sein gesamter Magen waren da schon entfernt. Seine Tätigkeit als Cheftrainer der Barrie Colts aus der nordamerikanischen Top-Juniorenliga OHL hatte er ab September aus gesundheitlichen Gründen ausgesetzt. Hawerchuk war dort seit 2010 im Amt und der am längsten amtierende Head Coach in der Geschichte der Colts.

„Nach einem unglaublich harten und schwierigen Kampf gegen den Krebs ist unser Vater verstorben. Meine Familie ist so stolz auf ihn und darauf, wie er gekämpft hat“, machte sein Sohn Eric die traurige Nachricht via Twitter publik. Eine Welle der Anteilnahme folgte, unter anderem ließ NHL-Commissioner Gary Bettman via Pressemitteilung verlauten: „Die NHL trauert um Dale Hawerchuk, ein sofortiger und dauerhafter Star, der die Herzen von zwei Eishockey-liebenden Städten eroberte, sein Land mit Klasse sowie Vornehmheit repräsentierte und einer der am höchsten dekorierten Spieler in der Geschichte unseres Spiels ist.“ Der frühere Jets-Teamkollege und Ducks-Legende Teemu Selänne hatte nach eigenen Angaben noch am Montag die Gelegenheit, sich von Hawerchuk zu verabschieden – genauso wie Wayne Gretzky, einer seiner großen Rivalen in der NHL zu ihren jeweils aktiven Jahren.

In der Tat hatte der am 4. April 1963 in Toronto geborene Hawerchuk bereits im Juniorenalter für Furore gesorgt, führte die Cornwall Royals 1980 und 1981 mit 384 Scorer-Punkten in 191 QMJHL-Partien zum Memorial-Cup-Sieg, dem höchsten Triumph im nordamerikanischen Junioren-Eishockey. Seine Leistungen riefen die Winnipeg Jets auf den Plan, die den Center 1981 als First-Overall-Pick im NHL-Draft auswählten – was folgte, war die Eroberung der NHL als 18-Jähriger. 103 Scorer-Punkte im ersten Jahr 1981/82, Rookie des Jahres, die Jets um 48 Punkte verbessert und in die Playoffs geführt. Bis 1990 sollte Hawerchuk bei den Jets, die 1996 zu den Phoenix Coyotes (heute Arizona Coyotes) wurden, bleiben. Ab 1984 war er ihr Kapitän – und sollte mit 379 Toren und 929 Scorer-Punkten bis zur Saison 2015/16 Franchise-Rekorde halten, ehe Shane Doan diese Marken in der 20. Saison der Coyotes durchbrach.

Sechsmal holte Hawerchuk mindestens 100 Scorer-Punkte in einer Hauptrunde – allesamt während seiner Jets-Zeit. Insgesamt sollten es bis zum Ende seiner NHL-Karriere, die ihn außerdem nach Buffalo (1990 bis 1995), St. Louis (1995/96) sowie Philadelphia (1996, 1996/97) führte, 1.508 Scorer-Punkte in 1.285 Partien werden. Bis heute ist er der einzige NHL-Spieler, der vor seinem 31. Geburtstag 1.000 NHL-Spiele absolviert hat – und er war der erste NHL-Profi, der 1.000 Punkte vor seinem 31. Geburtstag markiert hat. Ein Stanley-Cup-Sieg blieb ihm jedoch verwehrt, 1997 scheiterte er in seiner letzten Saison mit den Flyers im Finale an den Detroit Red Wings (0:4).

Im Gedächtnis bleibt er den (kanadischen) Eishockey-Fans dennoch. Zu seinen größten Momenten zählt ein Ereignis aus dem entscheidenden Spiel 3 der Finalserie gegen die Sowjetunion beim Canada Cup (heute World Cup of Hockey) 1987/88 – der Bullygewinn in der kanadischen Defensivzone, der zum Ausgangspunkt beim späten 6:5 durch Mario Lemieux 86 Sekunden vor dem Ende wurde.

Irgendwie passend, dass Hawerchuk dort „nur“ den zweiten Assist gab. Neben Vorlagengeber Gretzky und Torschütze Lemieux war in Kanadas Eishockey der 80er und 90er nicht allzu viel Platz. Hawerchuk hat ihn dennoch eindrucksvoll genutzt. 2002 wurde er in die Hockey Hall of Fame aufgenommen, 2012 in die der Buffalo Sabres und 2017 in die der Winnipeg Jets. Sein Banner im Bell MTS Place (Heimstätte der Jets) wurde am Dienstag heruntergezogen und für die Öffentlichkeit außerhalb der Arena angebracht. Eine Statue von ihm als erstes ausgestelltes Objekt der Jets-Hall of Fame ist in Auftrag gegeben. Davon war Hawerchuk noch vergangene Woche von Jets-Chairman Mark Chipman informiert worden.

Michael Bayer


Kurznachrichtenticker

  • vor einer Stunde
  • Der HC Landsberg hat Angreifer Marvin Feigl (18) von der U20-Mannschaft des ERC Ingolstadt (DNL Division I) mit einer Förderlizenz ausgestattet. Dagegen verlässt Patrick Seifert (30) den Süd-Oberligisten in Richtung DEL2 und Markus Kerber (33) pausiert aufgrund der Corona-Situation bis auf Weiteres.
  • vor 4 Stunden
  • Das ursprünglich für den 22. November angesetzte Oberliga-Spiel zwischen dem Höchstadter EC und den Selber Wölfen wurde neu terminiert und findet nun am 8. Dezember um 19.30 Uhr statt. SpradeTV überträgt live.
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  • Mike Glemser hat seinen Vertrag bei den Hannover Indians aufgelöst und wechselt innerhalb der Oberliga Nord zum Stadtrivalen und Tabellenführer Hannover Scorpions. Für die Indians bestritt der 23-jährige Angreifer in der laufenden Saison sechs Partien (zwei Tore, drei Assists).
  • gestern
  • Die EHF Passau Black Hawks (Oberliga Süd) müssen aufgrund einer nicht näher kommunizierten Verletzung sechs bis acht Wochen auf Angreifer Benedikt Böhm (25) verzichten.
  • gestern
  • Vier Spieler der Vegas Golden Knights und nach Clubangaben der Columbus Blue Jackets „etliche Spieler“ aus deren Kader sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Beide Clubs haben ihre Off-Ice-Trainingsstätten geschlossen.
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