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Donnerstag, 1. Oktober 2020

Liga-Aufsichtsrat im Interview, Teil 1 Wolfgang Brück: „Niemand kann von einem Ultimatum reden“

Wolfgang Brück
Foto: City-Press

Am morgigen Freitag will die PENNY DEL darüber entscheiden, ob sie am geplanten Saisonstart 13. November festhält. Angesichts eines im Raum stehenden Fehlbetrags von 60 Millionen Euro für die Spielzeit 2020/21 erscheint das derzeit unwahrscheinlich. Eishockey NEWS sprach mit Wolfgang Brück, Aufsichtsrat der Liga und Clubchef der Iserlohn Roosters, über fehlende Millionen, die Vorgehensweise der Liga, Solidarität und Szenarien für eine Saison. Teil 1 des großen Interviews aus der aktuellen Print-Ausgabe veröffentlichen wir heute, Teil 2 lesen Sie morgen online.

Herr Brück, bis zum kommenden Freitag möchte die PENNY DEL von der Politik verbindliche Zusagen, um den geplanten Saisonstart am 13. November zu halten. Was schwebt der Liga da genau vor?
Wolfgang Brück: „Die Politik ist nicht der einzige Adressat. Ich möchte jetzt mal die Historie hinzuziehen, um den Kontext ein bisschen besser verständlich zu machen. Eigentlich wären wir ja am 18. September in die Saison gestartet. Leider Gottes ist das nicht passiert – aus bekannten Gründen und Problemen, die den ganzen Sport betreffen. Dann haben wir uns auf den 13. November committed. Es war aber klar, dass wir bei diesem Termin immer die aktuelle Entwicklung in Bezug auf das Coronavirus und die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Deshalb haben wir ja in weiser Voraussicht die Gesellschafterversammlung auf September gelegt. Dann gab es vor dem Gesellschaftermeeting neue Entwicklungen, was die Zuschauerzahl betrifft. Letztlich standen die 20 Prozent Kapazität im Raum. Auf der Basis haben wir die Clubs gebeten, einen Kassensturz zu machen. Der hat gezeigt, dass erhebliche Fehlbeträge da sind – mal mehr, mal weniger. Und mit diesem Fehlbetrag kann man, wenn man ein ordentlicher Kaufmann sein will und sich nicht strafrechtlich haftbar machen möchte, aus unserer Sicht nicht in die Saison starten. Für uns war es wichtig, das ordentlich zu kommunizieren und die Gründe für diese Entscheidung offenzulegen – nicht nur der Politik, sondern auch gegenüber den Fans, den Sponsoren, der Öffentlichkeit, den Medien. Wir wollen transparent sein. Wir wollen zeigen, dass uns Geld fehlt.“

Insgesamt 60 Millionen Euro.
Brück: „So ist es. Und das war aus unserer Sicht der Anlass – anders, als es vielleicht andere machen – unseren derzeitigen Status quo, den wir erarbeitet haben, darzulegen. Wir zeigen, was wir benötigen. Wir wären schlechte Kaufleute, wenn wir nicht wüssten, was wir brauchen. Das ist erst mal eine allgemeine Aussage, keine Forderung. Und dass der Eishockeysport in eine wirtschaftlich schwierige Situation geraten ist, überrascht jetzt nicht. Auch andere Wirtschaftszweige benötigen finanzielle Hilfe.“

Sie sagen, der Adressat sei nicht ausschließlich die Politik. Von wem sollen denn die verbindlichen Zusagen kommen, wenn nicht von der Politik?
Brück: „Ein Teil geht in die Richtung der Politik. Es gilt da anzumerken, dass es Förderprogramme gibt, die aber zum 31. Oktober nicht zu Bescheiden, geschweige denn zu irgendwelchen Zahlungen führen. Und als erfahrener Kaufmann weiß man: Unternehmen sterben nicht, weil sie überschuldet sind, sondern weil sie keine Liquidität mehr haben. Und deshalb kann ich nicht sehenden Auges in eine Saison starten, wo ich weiß, dass ich spätestens im zweiten Monat – ich übertreibe jetzt etwas – nichts mehr bezahlen kann.“

Noch mal: Wen sprechen Sie denn außerhalb der Politik explizit an?
Brück: „Letztendlich könnte das Geld auch noch über die Clubgesellschafter kommen. Das Geld könnte über weitere Sponsoren kommen. Ich will jetzt nicht die ganze Bandbreite derer, die am Ende Geld bezahlen könnten, aufzählen. Fakt ist: Natürlich ist die Politik ein Bereich, aber nicht der alleinige. Ob sich andere Finanzierungsmodelle auftun, wird sich zeigen.“

Die Forderung der Liga ist als Ultimatum aufgefasst worden. Warum geht man diesen Weg?
Brück: „Wie etwas aufgefasst wird, hat immer damit zu tun, wie etwas dargestellt wird. Dargestellt ist es von uns in puncto der Wortwahl und auch vom Sinn nicht als Ultimatum. Dass ein Datum genannt wurde, hat einzig und allein damit zu tun, dass schon vor Monaten ein zweites Datum genannt wurde. Und dieser 13. November, unser geplanter Start, bedingt eine sechswöchige Vorlaufzeit. Der 2. Oktober ist deshalb kein von uns willkürlich gewähltes Datum, sondern hat allein mit den sportartspezifischen Erfordernissen zu tun und kann deshalb nicht als Ultimatum bewertet werden.“

Sie standen selbst im Austausch mit Dagmar Freitag, der Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag. Der stießen bereits andere Aussagen aus der Liga sauer auf. Glauben Sie, dass die Politik darauf eingeht? Glauben Sie nicht, dass das als Ultimatum…
Brück: „Das interessiert mich nicht! Mich interessiert nicht, was andere glauben. Mir ist wichtig, wie wir kommunizieren. Und wenn ich den Sachzusammenhang erkläre, kann niemand von einem Ultimatum reden. Es kann auch niemand von einer Forderung reden. Wenn die Lufthansa oder TUI sagen, sie brauchen Geld, dann ist das auch nur ein Hinweis, kein Ultimatum.“

Das wird aber auch innerhalb der Liga ein wenig anders gesehen – zumindest bei einigen Clubs. Sogar das Wort „Bankrotterklärung“ fiel…
Brück: „Das lasse ich jetzt mal völlig unkommentiert stehen. Ich bin über 20 Jahre dabei. Wir sind eine Gemeinschaft, die eine schwierigen Zeit durchmacht. Und da ist aus meiner Sicht eine gewisse Solidarität gefordert. Und wir fordern sie nicht in einer Zeit ein, in der alles toll ist. Es gibt sicherlich Clubs, die wirtschaftlich nicht so betroffen sind wie andere. Die Masse ist definitiv betroffen, sonst gäbe es nicht diese Zahlen. Und auf der Basis empfiehlt der Aufsichtsrat etwas. Und wenn dann bei einer Gesellschafterversammlung einstimmig und einhellig gesagt wird, das ist unser Weg, dann gehe ich davon aus, dass das so ist. Wenn dann gegenüber Dritten etwas anderes gesagt wird, dann ist das so. Das hat dann aber nichts mit dem korrekten Verhalten innerhalb einer Gemeinschaft zu tun.“

München hat als einziger Club darauf verzichtet, die Pressemitteilung auf seiner Homepage zu veröffentlichen. Das ist für mich ein klares Indiz, dass man sich dort mit dem Weg der Liga nicht anfreunden kann.
Brück: „Ich respektiere das. Gott sei Dank gibt es bei uns im Gegensatz zu anderen Ländern Meinungsfreiheit. Ob das dann Solidarität ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir haben 14 Clubs. Und wenn einer, zwei oder drei anderer Meinung sind, dann steht ihnen das selbstverständlich zu. Aber ein Wettbewerb setzt Mitbewerber voraus. Einen Spielbetrieb gibt es nicht mit drei Clubs, auch nicht mit vier und auch nicht mit fünf.“

Ist es ein Problem, dass bei Gesellschafterversammlungen anscheinend intern nicht offen kommuniziert wird?
Brück: „So eine Plattform ist erst einmal dazu da, damit jeder seine Meinung sagen kann – ob der andere die nun hören will oder nicht. Bei einer Gesellschafterversammlung werden Stimmungsbilder gewonnen, Entscheidungen getroffen. Davon zu trennen ist die Frage, ob Leute offen kommunizieren. Das ist deren Sache. Außerdem ist es, seit ich dieses Amt innehabe, immer vorgekommen, dass trotz der Bitte um Vertraulichkeit Dinge durchgestochen, erzählt werden, Unwahrheiten verbreitet werden. Das ist im Eishockey so wie in allen anderen Sportarten.“

Zum zweiten Mal nach dem „freiwilligen“ Gehaltsverzicht der Spieler, der dann zur Bedingung bei der Lizenzierung gemacht wurde, wird die Liga mit Worten wie „Erpressung“, „Nötigung“ oder „Ultimatum“ in Verbindung gebracht. Der Ruf der Liga leidet weiter. Wie bedenklich ist das?
Brück: „Ich kann mich nicht gegen Verallgemeinerungen wehren, wenn mir gegenüber diese Worte nicht in den Mund genommen werden. Wenn gesagt wird, , alle sagen’, dann ist das für mich gar nichts. Es geht um Sachverhalte. Und wie Sachverhalte letztlich bewertet werden, darauf habe ich keinen Einfluss. Und wenn Sie jetzt einen Sachverhalt nehmen, der angeblich mit diesen Substantiven in Verbindung gebracht wird, dann ist das objektiv falsch und eine Unwahrheit. Denn die Unwahrheit resultiert daraus, dass ich persönlich und sehr viele andere Menschen anwesend waren, als bestimmte Personen im gemeinsamen Gespräch mit bestimmten Vorgehensweisen der Liga konfrontiert wurden – nämlich die Spieler. Also sind Darstellungen, man habe nicht gesprochen, man habe Leute nicht informiert, objektiv falsch. Ich könnte jetzt Leuten sogar gerichtlich untersagen, solche Unwahrheiten zu verbreiten. Mache ich aber nicht.“

Das zieht sich aber durch die Spieler aller Clubs durch.
Brück: „Da ist wieder dieser Begriff ,alle’. Es gibt keinen, der das unter Eides statt sagen würde.“

In Interviews wurden die Vorwürfe mehrfach geäußert.
Brück: „Ja, ich weiß. Ich sage nur, dass objektiv die Unwahrheit gesagt wird. Es gibt ja Einladungen zu Telefonkonferenzen, wo jeder Teilnehmer entsprechend gespeichert wird. Aber ich werde nicht sagen: Du bist doch erkennbar ein Lügner. Wenn manche meinen, sie würden dem Sport etwas Positives bringen, indem sie populistische Aussagen treffen, die jeglicher Realität und Wahrheit widersprechen, dann kann ich es nicht ändern.“

Interview: Torsten Weiß


Kurznachrichtenticker

  • vor 3 Stunden
  • Alexander Johansson, der in der Saison 2019/20 für die Grizzlys Wolfsburg auf dem Eis stand, kehrt in seine schwedische Heimat zurück und schließt sich dem Halmstad Hammers HC (HockeyEttan) an. Für Wolfsburg bestritt der 31-jährige Angreifer 43 DEL-Spiele (acht Tore, acht Assists).
  • vor 3 Stunden
  • Die norwegische Nationalmannschaft, die als möglicher Ersatzkandidat für den Deutschland Cup im November angefragt wurde, müsste im Falle einer Teilnahme möglicherweise auf Kapitän Jonas Holös verzichten. Der 33-jährige Verteidiger des Linköping HC wurde positiv auf das Coronavirus getestet.
  • vor 3 Stunden
  • Nach der Absage der Partie zwischen Peißenberg und Pfaffenhofen wurde mit dem Duell Schongau gegen Dorfen ein zweites für Freitag geplantes Bayernligaspiel aufgrund eines Corona-Verdachtfalls abgesagt.
  • vor 3 Stunden
  • Der US-Amerikaner Connor Hannon besetzt in der neuen Saison die zweite Kontingentstelle der EXA IceFighters Leipzig. Der 24-jährige Verteidiger, dessen Vater Brian ebenfalls einige Jahre in Deutschland aktiv war, spielte zuletzt für die Finlandia University (NCAA III).
  • vor 3 Stunden
  • Victor Knaub, dessen Vertrag bei den Saale Bulls Halle nach der vergangenen Saison nicht verlängert wurde, wechselt innerhalb der Oberliga Nord und schließt sich den Hannover Scorpions an. Für Halle kam der 23-jährige Angreifer in der Spielzeit 2019/20 zu 37 Einsätzen (13 Tore, fünf Assists).
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