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Donnerstag, 1. August 2024

„Macht keinen Sinn mehr" Nach Schließung der Eishalle: Black Panther Jonsdorf planen ihre Auflösung

Die Eishalle in Jonsdorf
Foto: Sparkassen Arena - Eishalle Jonsdorf/Facebook

Eishockey in Sachsen wird in Zukunft ohne die Black Panther Jonsdorf stattfinden, denn am Mittwoch hat die Eissporthalle Jonsdorf, die im Frühjahr und Sommer unter anderem noch als Spiel- und Tobehalle für Kinder diente, ihre Pforten geschlossen. Vor einigen Wochen war die Liquidation der Betreibergesellschaft, einer kommunalen Tochtergesellschaft, beschlossen worden. Die Gemeinde im Zittauer Gebirge kann und will insbesondere den Betrieb der dringend sanierungsbedürftigen Halle nicht mehr finanzieren (Eishockey NEWS berichtete mehrfach). Auch die Touristinformation des Luftkurortes und das Gebirgsbad gehören zur Kur- und Tourismus GmbH in Liquidation. Diese beiden Einrichtungen betreibt nun wieder die Gemeinde.

Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand des ESC Jonsdorf bei einer Sitzung in der vergangenen Woche entschieden, die Mannschaften vom Spielbetrieb der Sachsenliga und der sächsischen Nachwuchsligen abzumelden. Der Vorstand hat auch keine Hoffnung mehr, dass in den nächsten Monaten noch eine politische und unternehmerische Lösung zu Sanierung und Betrieb der Halle gefunden werden könnte, die den Standort Jonsdorf mittelfristig sichern würde. Deshalb wurden die Vereinsmitglieder für den 16.August zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Den Anwesenden soll dort die Auflösung des Vereins empfohlen werden. Die Sachsenliga-Mannschaft und vier Nachwuchsmannschaften mit fast 80 Kindern und Jugendlichen hatte der ESC zuletzt, hinzu kamen Angebote für die Kita.

„Es ist schon absurd. Der Verein ist liquide, und eigentlich wollten wir mit einer Riesenparty 70 Jahre Eishockey in Jonsdorf feiern. Jetzt haben wir keine Heimspielstätte, und die Existenz unseres Vereins macht keinen Sinn mehr", sagt Ronny Völkel-Baier, Vorsitzender des ESC Jonsdorf. „Natürlich ist der Verein gefragt worden, ob er die Halle bewirtschaften könne. Aber wir reden hier von knapp 25.000 Euro Kosten pro Monat in der Eissaison. Das bekommen wir nicht hin.“ Als im Jahr 2022 die Strompreise explodierten, stand die Eishalle schon einmal vor dem Aus, doch verschiedene Spendenaktionen retteten die nächste Eiszeit. Die Folgesaison wurde wurde dann sogar zu einer absoluten Erfolgsgeschichte mit fast 30.000 Gästen. Doch für die Gemeindevertreter ist klar: Der Schul- und Wohnungsbau hat Vorrang vor einem Zuschuss für den Betrieb einer Eishalle, der bei etwa 150.000 Euro liegt und eine freiwillige kommunale Leistung ist. „Die Eishalle gehört zu Jonsdorf dazu, und es wäre um sie jammerschade. Aber in der momentanen Haushaltslage ist es nun mal so, dass wir sie uns nicht leisten können“, fasste Robert Schwerdtner, Gemeinderat und Hotelinhaber gegenüber dem MDR zusammen. Andere Kommunalpolitiker weisen darauf hin, dass die Gemeinde nun einmal mit ganz wenig Geld klarkommen müsse, da ihr als Luftkurort Gewerbeansiedlungen praktisch unmöglich seien.

Hintergrund für die Wortwahl Schwerdtners ist, dass die Eisanlage nach einem Beschluss des Gemeinderats im Gebäude verbleibt und die Halle vorerst weiter für andere – also eislose – Veranstaltungen vermietet werden kann. Die Gemeinde möchte also nur noch Gelegenheitsvermieterin einer vorerst eislosen Eishalle sein, statt kontinuierliche Betreiberin einer Halle mit Eisbetrieb von Oktober bis Ostern und Veranstaltungsbetrieb in der restlichen Zeit. Die verbliebenen Eismeister müssen deshalb auch alles ganz genau für die Liquidation und Überführung zurück in Gemeindebesitz inventarisieren und irgendwann den TÜV reinlassen, denn der prüft eine Eisanlage jedes Jahr – ganz egal, ob sie im Winter läuft oder nicht. Jede Vermietung der Halle für eine Veranstaltung würde also den allgemeinen Unterhalt und den TÜV für die stillgelegte Eisanlage finanzieren. Als Hauptgrund für die Schließung der unmittelbar nach der Wende eingehausten Anlage wird der Sanierungsstau – geschätzte zehn Millionen Euro  Kosten – gesehen, was Ronny Völkel-Bayer aber so nicht stehen lassen will: „Eismaschine und Heizungen funktionieren. Beim Rest könnte man priorisieren und Schritt für Schritt arbeiten.“

Die ehrenamtliche Gemeindebürgermeisterin Kati Wenzel (Freie Wähler) hat seit ihrem Amtsantritt Ende 2019 viele Versuche unternommen, das Finanzierungsproblem der 1.400-Einwohner-Gemeinde in Sachen Eishalle zu lösen. Es gab Gespräche mit Wirtschaftsberatern, im Landratsamt und mit den Bürgermeistern der Nachbargemeinden im Naturpark Zittauer Gebirge. Einer von ihnen, Andreas Förster (parteilos), ist eishockeybegeistert und unterstützte sie sogar mit er Ausarbeitung eines Konzepts für einen gemeinsamen Betrieb aller touristischen Einrichtungen. Seine Rechnung ginge auf, wenn der Freistaat Sachsen bei den Sanierungskosten zur Stelle wäre. Doch alle Gespräche sind ohne Ergebnis geblieben. Auch jetzt hat Wenzel die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es für die Halle noch eine Zukunft gibt. In Kürze spricht sie noch einmal mit dem Landrat, im September soll es sogar einen Termin in der Staatskanzlei geben. Was in und mit ihr passiert, ist angesichts der am 1. September anstehenden Landtagswahl aber offen. Wie die Sächsische Zeitung berichtet, ließen die Jonsdorfer vor einiger Zeit von Studierenden der Zittauer Hochschule ein Konzept erarbeiten, wie aus der Halle eine Ganzjahresstätte für Freizeit, Sport und Tourismus werden könnte. Studenten der Zittauer Hochschule haben dafür Ideen entwickelt.

Die Eishockeyfans in Jonsdorf und Umgebung reagieren sehr unterschiedlich. Da kein Abriss beschlossen wurde, hoffen einige auf ein Comeback in für die Gemeindefinanzen besseren Zeiten oder ein schlüssiges neues Betriebskonzept. Andere kritisieren scharf, welche Grundlinie Ministerpräsident Michael Kretschmer seiner Staatsregierung bei Fördergeldern vorgegeben hat, nämlich eine, bei der der ländliche Raum praktisch keine Rolle spiele. Nicht nur bei diesen Meinungsäußerungen wird viel Politikverdrossenheit deutlich. In sozialen Netzwerken gibt es natürlich auch reichlich Übernahmen von Narrativen der AfD. Da wird die Notwendigkeit des Schulneubaus und der Sanierung eines örtlichen Plattenbau-Komplexes einfach ausgeblendet. Ohne Flüchtlinge und Ukraine-Krieg wäre doch Geld für die Eishalle da. In der südöstlichsten Ecke Sachsens ist nicht nur eine geschlossene Eishalle ein Problem.

Markus Terbach


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Notizen

  • vor 16 Stunden
  • Die Chicago Blackhawks (NHL) haben General Manager Kyle Davidson mit einem Mehrjahresvertrag ausgestattet. Er ist seit 2022 im Amt. Der Club hat seither nie die Playoffs erreicht.
  • vor 2 Tagen
  • Der DEB beschreitet mit dem Jahrgang 2011 neue Wege in der Nachwuchsarbeit. Erstmals tritt eine U15-Perspektivmannschaft in einem internationalen Turnier an. Vom 15. bis 19. April 2026 messen sich die deutschen Nachwuchsspieler in Salzburg (Österreich) mit vier weiteren Teams.
  • vor 3 Tagen
  • Santeri Haarala, zweitbester Punktesammler des Nord-Oberligisten TecArt Black Dragons Erfurt, geht in den kommenden Monaten für die Newcastle Northstars in Australien auf Torejagd. Die Saison in Down Under startet am 17. April und endet am 30. August 2026.
  • vor 4 Tagen
  • Der EC Peiting kann weiter auf einen seiner wichtigsten Angreifer zählen: Thomas Heger verlängert seinen Vertrag beim Süd-Oberligisten für die kommende Spielzeit. Der 28-Jährige sammelte für Peiting 2025/26 in 55 Einsätzen 55 Punkte und erzielte insgesamt 29 Tore.
  • vor 5 Tagen
  • Der langjährige DEL-Verteidiger Dylan Yeo beendet seine Karriere. Sein letzter Club, die Dragons de Rouen (Frankreich), gaben dies in Folge ihres Halbfinal-Aus bekannt. Der 39-jährige Yeo hatte für die Straubing Tigers, die Iserlohn Roosters und die Schwenninger Wild Wings gespielt.
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