Goalie Bernie Parent war der große Held bei den beiden Stanley-Cup-Erfolgen der Philadelphia Flyers in den Jahren 1974 und 1975.
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In den vergangenen beiden Wochen sind drei große NHL-Torhüter-Figuren gestorben: Ken Dryden (5. September, 78 Jahre), Eddie Giacomin (14. September, 86 Jahre) und am Sonntag jetzt auch Bernie Parent (80). Der eigentliche Held der bisher einzigen beiden Stanley-Cup-Erfolge der Philadelphia Flyers und ruhende Pol der berüchtigten Broad Street Bullies. In „Philly“ hieß es in den 70er-Jahren schon fast blasphemisch: „Only The Lord saves more than Bernie Parent.“
Der 1945 in Montreal geborene Bernard Marcel „Bernie“ Parent wurde bereits in jungen Jahren als große Entdeckung gefeiert. Bei den Niagara Falls Flyers empfahl er sich für die NHL, wo er ab 1965 für die Boston Bruins spielte. Doch erst mit den Philadelphia Flyers sollte Parent seine wahre Bestimmung finden und seine Blütezeit – insbesondere in den Spielzeiten 1973/74 und 1974/75, als Parent Ikonenstatus erreichte. Zwei Stanley Cups, zwei Mal die Vezina Trophy, zwei Mal die Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler der Playoffs. Mit insgesamt 30 Shutouts in der regulären Saison (Gegentorschnitt 2,00) und in den Playoffs in diesen beiden Jahren schrieb er Goalie-Geschichte. Die Flyers waren das erste Expansion-Team der „Second Six“-Generation (nach 1967), das den Cup gewinnen konnte. Seitdem standen sie zwar mehrfach wieder im Finale (zuletzt 2009/10 gegen die Chicago Blackhawks), aber Champions wurden sie seitdem nie wieder.
Mit seinem Tod verliert die NHL eine Legende, deren Name untrennbar mit den Broad Street Bullies verbunden ist, die in den 1970er-Jahren die Liga mit kompromisslosem Körpereinsatz aufmischten. Aber er verkörperte eigentlich das Gegenteil. Die Saisons 1973/74 und 1974/75 machten ihn unsterblich. Die Flyers konnten sich die vielen Strafen leisten, weil sie wussten: Hinten steht Parent – er wird die Big Saves machen. Seine Sternstunde schlug 1974 in der Finalserie gegen die Boston Bruins. Die Bruins waren favorisiert – ein Team gespickt mit Superstars wie Phil Esposito und Bobby Orr. Philadelphia gewann in sechs Spielen. Parent wurde mit der Conn Smythe Trophy ausgezeichnet. Ein Jahr später in der Serie gegen Buffalo wurde er erneut MVP.
Während Bobby Clarke als Kapitän den unbändigen Kampfgeist verkörperte und Dave Schultz als „Enforcer“ einschüchterte, war Parent der ruhige Pol. Er strahlte Gelassenheit aus, auch wenn es vor seinem Tor loderte. Für die Fans wurde er zum Helden, für die Mitspieler zur Lebensversicherung. „Nur Gott rettet mehr“, hieß es in Philadelphia, was Parent zur lokalen Ikone machte. Seine Karriere endete 1979 abrupt nach einer schweren Verletzung. Ein Schlägerteil traf ihn ins rechte Auge, die Sicht war dauerhaft beeinträchtigt. Nach 608 NHL-Partien, 271 Siegen, 54 Shutouts, zwei Vezina Trophys, zwei Conn Smythe Trophys und natürlich zwei Stanley-Cup-Erfolgen. Die Flyers zogen seine Rückennummer 1 unter das Hallendach, 1984 folgte die Aufnahme in die Hall of Fame.
Joël Wüthrich