Essen und Dortmund ziehen in der Regionalliga West die Massen an, wenn es im direkten Duell gegeneinander geht. Sie gehören zu den Spitzenteams der Liga und damit auch zum Kandidatenkreis für den Oberligaaufstieg.
Foto: Dirk Unverferth
Die Oberliga Nord ist zur laufenden Saison auf elf Teams geschrumpft und damit drei Mannschaften von der geplanten Sollstärke von 14 entfernt, bei Aufstieg des eines Nordclubs als Oberliga-Meister in die DEL 2 am Saisonende wären es sogar vier. Vor einem Jahr entschieden sich die Eisadler Dortmund (Regionalliga West) und die Bären Neuwied (CEHL) gegen die Oberliga, sind nun wieder mögliche Kandidaten. Neu hinzu gekommen sind im Westen die Eagles Essen-West, Nachfolgeclub der Moskitos Essen. Die waren wegen Insolvenz aus der Oberliga ausgeschieden.
Der DEB bezeichnet den Umgang mit der Thematik auf Nachfrage selbst als „sehr sensibel“, eine offizielle Stellungnahme gab es in der vergangenen Woche nicht. Ein Sprecher bat um Geduld. Man wolle keine Spekulationen platzieren. Die Neuwieder Bären und die Eisadler Dortmund bestätigten aber, dass sie mit dem DEB im Gespräch sind und diese Gespräche in den nächsten Wochen vertieft werden sollen. Eishockey NEWS hat allen Clubs fünf Fragen zum Thema Oberliga gestellt (siehe Sammlungen zum Aufklappen).
„Natürlich ist es unser Ziel, in die Oberliga zurückzukehren. Aber es müssen auch die Voraussetzungen stimmen. Ob wir in der Saison 2026/27 in der Oberliga oder der CEHL spielen werden, hängt von der finanziellen Entwicklung und den Gesprächen mit der Oberliga in der nächsten Zeit ab“, sagt Manager Carsten Billigmann von den Bären Neuwied. „Es ist kein Geheimnis, dass wir unseren Etat noch einmal aufstocken müssten, um die spieltechnische Infrastruktur von der zwar nicht verpflichtenden, aber gewünschten LED-Wand in der Halle bis hin zum Livestream-Equipment für den Anbieter Sprade TV zu haben. Bei unserem Kader müssten wir hier und da auch noch nachbessern.“
Sehr ähnlich fällt das Statement des Vorstands der Eisadler Dortmund um Stefan Witte aus. „Wir entwickeln den Eishockeystandort nachhaltig und werden keine finanziellen Abenteuer eingehen, die die Ergebnisse der bisherigen Arbeit in Gefahr bringen. Mit der Option Aufstieg setzten wir uns natürlich auseinander. Um den Schritt gehen zu können, müssen aber Voraussetzungen geschaffen werden, die bedauerlicherweise nicht alle in unserer eigenen Hand liegen.“ Sportlich läuft es derzeit nicht wie erhofft bei den Eisadlern. Deshalb gab es am 6. Januar auch einen Trainerwechsel. Ralf Hoja beendet mit sofortiger Wirkung seine Tätigkeit als Trainer der ersten Mannschaft, Jeff Job übernimmt. Zuschauertechnisch dürfte man mit einem Schnitt von über 2.000 Fans pro Spiel (!) zufrieden sein.
Etwas anders ist der Blick aufs Thema bei den Eagles Essen-West. Vorsitzender Thomas Böttcher äußert sich nicht nur über eine in den vergangenen Jahren immer wieder ins Spiel gebrachte Zwischenlösung zwischen Ober- und Regionalliga, sondern bringt auch eine Reform der Oberliga ins Spiel. „Ich habe natürlich mitbekommen, dass einige Vereine nicht mehr für die Regionalliga West melden wollen, weil einfach das sportliche Gefälle zu groß ist. Es gibt aber wohl Vereine aus den Regionalligen Nord und Ost, die sich vorstellen können, dass es eine Zwischenliga gibt zwischen Oberliga und Regionalliga, was ich auch ganz spannend finden würde. Das wäre eine Liga mit einigen Traditionsvereinen. Grundlegend ist es aber wohl ein strukturelles Problem, was langsam auch der DEB erkennen muss. Die Oberliga Nord hat vor zweieinhalb Jahren noch mit 15 Vereinen gespielt, jetzt sind es noch elf, kommt es zum sportlichen Aufstieg, sind es nur noch zehn. Da sollte man sich Gedanken machen, ob man vielleicht drei Oberligen macht, was auch die Vereine in Duisburg oder Herne interessant macht. Man hat ja die Derby zuletzt gesehen, Essen gegen Ratingen und gegen Dortmund mit fast oder über 3.000 Zuschauern. Die Derbys haben eine Tradition und natürlich auch ein wirtschaftliche Wichtigkeit. Bei den derzeitigen Zahlen in der Oberliga müssen sich dann auch alle einmal hinterfragen in welche Richtung das alles gehen soll.“
Natürlich spielen auch die Regionalligen Nord und Ost in den Überlegungen eine Rolle. Allerdings müsste der Aufstieg eines Nord-Clubs, wie des Adendorfer EC, der Hamburg Crocodiles oder der Harzer Falken Braunlage, aufgrund der sich arg unterscheidenden Importspielerregelungen von langer Hand vorbereitet werden. Bei den Ost-Clubs hat das schlechte Abschneiden im OsWeNo-Pokal dafür gesorgt, dass Gedankenspiele in Sachen Oberliga bei FASS Berlin, den Chemnitz Crashers und den Schömheider Wölfen wohl ebenfalls im Hinblick auf einen notwendigen Kaderumbau von langer Hand vorbereitet werden müssten.
Eishockey NEWS wird das Thema in den kommenden Wochen weiter beleuchten
Markus Terbach/Dirk Unverferth/Michael Bauer