Joel Eriksson Ek (gelbes Trikot) und Schweden mussten viel Arbeit vor dem italienischen Gehäuse investieren, um den erwarteten Auftaktsieg einzufahren.
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Erst in der Schlussphase hat Medaillenkandidat Schweden beim olympischen Eishockeyturnier der Männer in Mailand für die erwartet klaren Verhältnisse gegen Gastgeber Italien gesorgt. Beim Start beider Nationen in die Gruppe B, in der zuvor die Slowakei überraschend Titelverteidiger Finnland bezwungen hatte, mussten die Schweden trotz 60 Torschüssen lange um den 5:2-Auftakterfolg zittern, weil defensiv nicht nur einmal die Konzentration fehlte. Und auch offensiv sah Chefcoach Sam Hallam, der Goalgetter Filip Forsberg (24 NHL-Saisontreffer für Nashville) bemerkenswerterweise nur als 13. Stürmer aufbot und lediglich einen einzigen Wechsel gab, ungeachtet der vielen Abschlüsse einen nur streckenweise spielfreudigen Auftritt seines Teams.
Trotz drückender Überlegenheit und einer Torschussbilanz von 27:3 (!) führten die turmhoch favorisierten Schweden nach dem Auftaktdrittel durch Treffer von Gabriel Landeskog im Powerplay (10.) und Gustav Forsling (18.) nur mit einem Tor Unterschied, nachdem Italien durch Luca Frigo (5.) zunächst sogar vorgelegt hatte. Dem italienischen 1:0 war ein Aussetzer von Tre-Kronor-Keeper Filip Gustavsson vorausgegangen, der eine harmlose Scheibe nicht hatte kontrollieren können und darüber hinaus seinen Schläger verloren hatte – eine bezeichnende Szene für die Darbietung in der eigenen Zone der Schweden, die in den ersten 40 Minuten viel zu nachlässig agierten, sich immer wieder mit schlampigen Aufbaupässen in die Bredouille brachten und ein ums andere Mal in Konter der offensiv limitierten Azzurri liefen.
Der Ex-Straubinger Matt Bradley bestrafte dies nach 37 Sekunden im zweiten Abschnitt mit dem 2:2-Ausgleich, und mit dem Unentschieden im Rücken wurden die Italiener mit zunehmender Dauer des mittleren Durchgangs defensiv immer sicherer und offensiv immer mutiger. Kurz vor der zweiten Pause sorgte der im Vorfeld leicht angeschlagene Stürmerstar William Nylander mit dem 3:2 (37.) dennoch für die erneute schwedische Führung, die angesichts der Spielanteile ohne Zweifel verdient, aber nicht in überzeugender Manier zu Stande gekommen war.
Für den italienischen Turnierverlauf womöglich noch schmerzhafter als der erneute Rückstand war indes der Ausfall des bis dahin herausragenden Schlussmanns Damian Clara, der sich beim Entschärfen eines Alleingangs von Elias Pettersson verletzte und in der 47. Minute Platz für Davide Fadani machte. Pettersson scheiterte wenig später auch am Pfosten, die pausenlos anrennenden Schweden waren weiterhin ineffizient und nicht unanfällig für italienische Umschaltaktionen. Erst etwas mehr als vier Minuten vor dem Ende beruhigte Mika Zibanejad mit einem verdeckten Schlenzer von der blauen Linie die schwedischen Nerven, für den 5:2-Endstand sorgte Defender Victor Hedman per Empty-Net-Goal aus der eigenen Zone (58.).
Von den Olympischen Winterspielen aus Mailand berichtet Stefan Wasmer