Trainingsfleißig, bis die Eisfläche geräumt wird: DEB-Stürmerin Svenja Voigt.
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DEB-Stürmerin Svenja Voigt (21) spielt bereits seit 2018 (!) in Nordamerika. Die gebürtige Kölnerin stürmt in der deutschen Olympia-Auswahl der Frauen an der Seite der zwei Jahre älteren Welcke-Zwillinge Luisa und Lilli. Alle drei stehen in der nordamerikanischen College-Liga NCAA auf dem Eis. Im Interview spricht sie über die wichtige Pause nach der erfolgreich abgeschlossenen Gruppenphase und die Vorbereitung aufs Duell gegen Kanada am Samstagnachmittag (16:40 Uhr, live in der ARD und bei Eurosport).
Svenja Voigt, Sie haben nach dem freien Mittwoch am Donnerstag die Trainingszeit voll ausgereizt und am Ende noch ein paar Penaltys geübt. Machen Sie das öfter?
Svenja Voigt: „Ja, ich würde sagen schon. Da ist so ein bisschen der Druck raus, man kann nochmal etwas Lockeres machen, ein bisschen was ausprobieren am Ende einer Einheit. Das mache ich gerne und nutze es aus, dass man hier noch etwas Zeit auf dem Eis hat.“
Apropos Druck – spürt man, dass die Stimmung vor dem Viertelfinale nun eine andere ist als in der Gruppenphase?
Voigt: „Nicht so wirklich, weil das Viertelfinale ja auch unser Ziel war, dass wir auf jeden Fall erreichen wollten. Wir versuchen, das Ganze jetzt mit einer positiven Einstellung anzugehen, unser Bestes zu zeigen und dann mal schauen, was möglich ist.“
Der Gegner am Samstag heißt Kanada, man hatte es schon etwas erwarten können. Ist es nach wie vor etwas Besonderes, gegen Kanada spielen zu können?
Voigt: „Ich würde sagen schon. Ich erinnere mich noch an meine allererste WM – dort haben wir gegen sie leider 0:7 verloren. Aber das war schon auch ein sehr lehrreiches Spiel für mich, um zu sehen, wie groß der Schritt zu den Besten der Welt dann doch ist. Aber das Frauen-Eishockey in Deutschland hat sich seither auch positiv entwickelt. Hoffentlich können wir uns diesmal ein bisschen besser schlagen.“
Was waren das für Lehren, die man als Spielerin aus diesem Vergleich mit Kanada damals mitgenommen hat, auch fürs Duell am Samstag?
Voigt: „Ich würde sagen, dass die Kanadierinnen brutal effizient sind in dem, was sie tun. Da müssen wir sehen, dass wir auf der Höhe sind, defensiv gut stehen und dann schauen, was nach vorne möglich ist. Wir müssen unsere Chancen nutzen. Sie haben wahnsinnig viel Talent in ihren Reihen, das ist ja keine Frage.“
Am Mittwoch hatte das Team komplett frei, um regenerieren zu können. Wie haben Sie den Tag genutzt?
Voigt: „Am Abend waren wir beim Eistanzen. Ich finde es beeindruckend, wie elegant die sich bewegen – es ist ja eigentlich die gleiche Fläche wie bei uns. Und Eishockey ist ja schon eher so was ruppiges. Ich fand es ganz faszinierend, dass die Fläche mal anders genutzt wird. Was die dort machen, ist schon crazy.“ (lacht)
Kann man sich in Sachen Schlittschuhtechnik da sogar was abschauen?
Voigt: „Bei uns in St. Cloud an der Universität haben wir immer eine Trainerin, die tatsächlich auf Eiskunstlauf-Schlittschuhen unterwegs ist. Die versucht uns zu zeigen, wie man gerade die Kanten richtig belastet, wie das Laufen möglichst effizient ist. Ich weiß aber nicht ganz genau, warum sie dabei Eiskunstlauf-Schlittschuhe anhat. Das muss ich mal nachfragen.“
Sie spielen mit den Welcke-Zwillingen Lilli und Luisa in einer Sturmreihe zusammen. Was macht diese Formation aus?
Voigt: „Ich würde sagen, wir sind sehr effizient, auch im Forechecking und dabei, die Scheiben zu bekommen. Wir wollen das Spiel einfach halten, aber haben doch auch Skill mit dabei. Wir spielen einfach das schnelle Spiel, das man aus Amerika kennt, von der kleinen Eisfläche her. Ich glaube deshalb, dass uns das hier bei Olympia wahnsinnig gut liegt. Die kleine Eisfläche macht das Spiel noch mal ein bisschen attraktiver, auch weil es immer so schnell hin und her geht.“
Interview aus Mailand: Sebastian Groß