Moritz Seider analysierte die Lage im deutschen Team nach dem 3:1-Auftaktsieg über Dänemark gewohnt ausführlich.
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Die ersten drei Punkte befinden sich seit Donnerstagabend und dem 3:1-Sieg über Dänemark auf dem Konto der DEB-Auswahl. Doch vor dem zweiten Turniermatch am Samstagmittag um 12:10 Uhr gegen Lettland (live in der ARD und bei Eurosport) fand die deutsche Mannschaft schon auch genügend Verbesserungsansätze. Beim Auftaktspiel gegen durchaus starke Dänen kam zum Beispiel bei weitem nicht jeder Pass aus der eigenen Zone heraus dort an, wo er landen sollte. „Vielleicht waren das auch ein bisschen die Nerven“, meinte NHL-Verteidiger Moritz Seider zu den Schwierigkeiten im Spielaufbau. „Es ist die größte Bühne, die es für einen Eishockeyspieler gibt.“ Sehr positiv war, dass sich die DEB-Auswahl von den durchaus harten Checks der Dänen wenig beeindrucken und gar nicht provozieren ließ.
Auch nicht Superstar Leon Draisaitl, wie Seider festhielt: „Leon muss das jedes Spiel einstecken. Ich glaube, für den ist das nichts Neues. Das gehört irgendwie dazu.“ Und dennoch sagte Seider auch, wie wichtig die Disziplin der Mannschaft gegen Dänemark über 60 Minuten gesehen war: „Das machte einen Riesenunterschied, dass wir keine Strafzeiten kassiert haben: Kein unnötiges Haken, kein Stockschlagen, kein Beinstellen.“ Selten war es einer deutschen Auswahl bei einem großen Turnier gelungen, 60 Minuten lang kein einziges Mal auf die Strafbank zu müssen. „Einfach Ruhe bewahren, die Klappe halten, die Beine bewegen“, so Seiders Tipp an die Kollegen, der am Donnerstag bereits erfolgreich umgesetzt wurde.
Dass Dänemark dennoch auf 38 Torschüsse kam, spricht schon auch für die offensiven Qualitäten des nördlichen Nachbarn. Entscheidend für ein erfolgreiches Turnier wird deshalb sicher die Performance der deutschen Torhüter sein. Und da machte Philipp Grubauer gegen Dänemark einen herausragenden Job. „‚Grubi‘ ist immer stark. Ich glaube, wer die NHL-Saison verfolgt hat, sieht, dass er einer der besten Torhüter in der Liga mit 15 oder mehr Starts ist. Es ist einfach unheimlich viel Ruhe, die er hinten ausstrahlt. Er war sehr wegweisend für unser Spiel. Er kann im Turnier ein absoluter Game-Changer werden.“ Unter dem Strich hätte Grubauer aber sicher auch nichts dagegen, wenn das deutsche Team gegen Lettland etwas weniger Schüsse zulassen würde. Zeitgleich zur deutschen Partie am Donnerstagabend hatten die Letten mit 1:5 gegen Weltmeister USA verloren – und dabei 18 Torschüsse zustande gebracht. Bekannten Namen im Team der Letten sind neben Stanley-Cup-Champion Uvis Balinskis (Florida Panthers) natürlich der lettische Kapitän und Fahnenträger, Kaspars Daugavins, der aktuell bei den Kassel Huskies in der DEL2 unter Vertrag steht.
Wie schon gegen Dänemark ist ein physisch hartnäckiger Gegner zu erwarten, der unter dem Strich aber nicht ganz an die Geschwindigkeit der Dänen herankommen sollte und deren NHL-Profis – mit Ausnahme der Torhüter versteht sich – eher Rollenspieler in der besten Liga der Welt sind. Und trotz der guten Auftritte der DEB-Stars Grubauer, Draisaitl und Stützle liegt vor dem zweiten Spiel in Mailand der Fokus vor allem auf dem Teamgedanken, so Seider: „So ein Turnier wird nicht im Alleingang gewonnen. Das haben wir direkt von Anfang an gesagt. Die Last kann nicht nur auf fünf, sechs Schultern liegen. Sie wird komplett verteilt.“ In ein ähnliches Horn stieß Draisaitl selbst, der nach dem Auftaktsieg zu Protokoll gab: „Unsere dritte, vierte Reihe hatte auch sehr, sehr gute Wechsel und hat nichts anbrennen lassen. Die ganze Mannschaft war einfach sehr solide.“
Zwar nicht auf dem Eis, weil das Team trainingsfrei hatte, aber gewiss im Video wurde am Freitag das Auftaktmatch analysiert. Dazu sagte Bundestrainer Kreis schon am Donnerstagabend: „Es gibt gutes Material für uns, womit wir arbeiten können, um dann gegen die Letten andere Lösungen zu finden.“ Laut Seider ging es vor allem darum, noch „ein bisschen schneller in der Defensivzone zu sein.“ Beim Auftaktmatch war Korbinian Geibel als überzähliger Defender auf der Tribüne. Warum der Bundestrainer nicht acht Verteidiger im Lineup aufstellte? „Sechs oder sieben, das reicht vollkommen. Wir spielen ja auch nicht mit acht Verteidigern. Dann müssen wir auch nicht acht Verteidiger an der Bande sitzen haben“, so Kreis. Moritz Seider wies aber gleichzeitig auch darauf hin, dass die überzähligen Akteure – neben Geibel waren das Torhüter Mathias Niederberger sowie die Stürmer Justin Schütz und Parker Tuomie – im Turnierverlauf noch wichtig werden können: „Die Jungs, die nicht gespielt haben, machen dann im Viertelfinale meistens den Unterschied. So ist es immer. Deswegen sind wir eine sehr tief besetzte Mannschaft.“
Aus Mailand von den Olympischen Winterspielen berichtet Sebastian Groß