Kanada (rote Trikots) durfte gegen die Schweiz nur zweimal jubeln, setzte sich im Olympia-Halbfinale aber dennoch erwartungsgemäß durch.
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Die Schweiz hat ihr olympisches Halbfinale beim Frauen-Turnier in Mailand gegen Kanada am Montagabend knapp mit 1:2 verloren. Nach einem starken Mitteldrittel der Kanadierinnen erzielten die Schweizerinnen erst im Schlussabschnitt ihren einzigen Treffer. Nun treffen sie im Spiel um Bronze auf Schweden (Donnerstag, 14.40 Uhr), während die Ahornblätter zum fünften Mal in Folge das Endspiel gegen die USA bestreiten (Donnerstag, 19.10 Uhr).
Das erste Drittel war geprägt von Kanadas Offensive. Die Nordamerikanerinnen drängten früh, kamen zu zahlreichen Abschlüssen, doch Schlussfrau Andrea Brändli hielt ihr Team im Spiel. Die Schweiz konnte indes offensiv kaum Akzente setzen, erst nach über 15 Minuten gelang der erste Schuss auf das kanadische Tor. Kanada scheiterte mehrfach am Pfosten oder an der Torhüterin, sodass es nach 20 Minuten 0:0 stand.
Kurz nach dem Beginn des Mitteldrittels fiel das erste Tor des Spiels: Marie-Philip Poulin nutzte einen Abpraller von der Schweizer Verteidigerin Naemi Herzig und brachte Kanada in Führung (22). Kurz darauf erhöhte Poulin auf 2:0, nachdem sie einen Rebound verwandelte (29.). Kanada dominierte klar, 35:4 Torschüsse nach 40 Minuten sprachen eine eindeutige Sprache. Die Schweiz blieb defensiv auf Kurs, kassierte aber die beiden Treffer und konnte selbst kaum Entlastung nach vorne erzeugen.
Doch im Schlussabschnitt erwachte die Schweiz plötzlich zum Leben. Kanada wirkte nach dem zunehmenden Druck der Eisgenossinnen verunsichert, während die Schweizerinnen an Selbstvertrauen gewannen. Starke Aktionen von Herzig und Alina Müller führten schliesslich zum Treffer: In der 45. Minute eroberte Müller hinter dem Tor die Scheibe und bediente Rahel Enzler, die den Puck perfekt im Tor versenkte – 1:2, und plötzlich war wieder alles offen.
Kanada fand trotz der Torschussbilanz von 46:8 keine Mittel, das Spiel endgültig zu beruhigen. Mehrere Großchancen der Nordamerikanerinnen blieben ungenutzt, darunter eine Top-Chance von Blayre Turnbull, die durch Lara Christen entscheidend gestört wurde. Kurz vor Schluss nahmen die Schweizerinnen Brändli für einen sechsten Feldspieler vom Eis, um auf den Ausgleich zu drängen. Doch ein unerlaubter Check von Ivana Wey führte dazu, dass die Schweiz die letzten Minuten in Unterzahl statt in Überzahl verbringen musste, wodurch die letzte Chance auf einen späten Ausgleich deutlich erschwert wurde. So gelang der Ausgleich nicht.
Raoul Schnellmann