Mit dem zwischenzeitlichen 4:1 durch Josh Samanski (Mitte) war das Viertelfinalqualifikationsmatch zugunsten des DEB-Teams entschieden.
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Dank eines am Ende souveränen 5:1-Erfolgs über Frankreich in der Viertelfinalqualifikationsrunde hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft der Männer bei den Olympischen Winterspielen in Mailand die Runde der letzten Acht erreicht.
Im Vergleich zum 1:5 gegen die USA am Sonntag stand zum dritten Mal im vierten Spiel wieder Philipp Grubauer im deutschen Tor, der zugunsten von Maximilian Franzreb eine Pause bekommen hatte. Obendrein tauschte Lukas Reichel mit Josh Samanski die Reihen und rückte neben Leon Draisaitl und Frederik Tiffels, während Samanski an der Seite von Tim Stützle und JJ Peterka agierte. Justin Schütz stand erstmals im Aufgebot und nahm die 13. Stürmer-Stelle ein, auf die Bundestrainer Harold Kreis bis dato freiwillig verzichtet hatte, erhielt allerdings keine Eiszeit.
Deutschland startete hellwach in die Partie, zeigte in der gegnerischen Zone mehr Klarheit und Zug zum Tor und verteidigte auch besser im Kollektiv nach hinten, wenn die Franzosen ab und an vor Grubauer auftauchten. Und so hatte der Rosenheimer im ersten Drittel kaum etwas zu tun (nur vier Schüsse auf sein Tor).
In der Defensive wiederum war Frankreich immer wieder ein wenig überfordert. Früh führte dies zu einem ersten Powerplay für das DEB-Team. Und im zehnten Überzahlspiel des Turniers gelang so prompt das zweite Tor – und damit das 1:0: Stützle spielte den frei vor dem Tor stehenden Samanski klug an, der Ex-Straubinger wiederum erspähte rechts Draisaitl, der aus für ihn gewohnter Position von rechts vollstreckte (4.).
In diesem Stil ging es weiter. Das DEB-Team störte früh und kam immer wieder zu Chancen. In der elften Minute eroberte Frederik Tiffels den Puck, umkurvte den in Kürze 40-jährigen Pierre-Édouard Bellemare leichtfüßig und überwand dann den französischen Goalie Julian Junca hoch im kurzen Eck.
Damit noch nicht genug: Stützle hatte im zweiten deutschen Powerplay nach einem Sololauf frei vor Junca das 3:0 auf dem Schläger, scheiterte aber am Keeper (16.). Knapp zwei Minuten vor Drittelende bediente Stützle mit einem klugen Zuspiel Peterka, der mit viel Geduld wartete, bis Junca auf dem Eis lag und dann mit der Rückhand aus spitzem Winkel das dritte deutsche Tor erzielte (19.).
Zu Beginn des zweiten Drittels hatte Frankreich seine bis dahin beste Chance. Der langjährige NHL-Spieler Bellemare (2014 bis 2024) kam halblinks zur Direktabnahme, aber Grubauer stand richtig. Sekunden später gelang den Franzosen der Anschlusstreffer – mit viel Glück: Bellemare spielte den Puck von der Bande nach innen, Moritz Müller fälschte mit dem Schlittschuh unfreiwillig ins eigene Tor ab (25.).
Nach der besten Phase im Spiel der Franzosen fand das deutsche Team recht schnell wieder selbst ins Spiel und erhöhte den Druck. Peterka kam Mitte des Spiels fast schon zu nahe vor dem Tor zum Abschluss, sodass Torhüter Keller, der Junca nach ab dem zweiten Drittel im Tor ersetzt hatte, mit der Fanghand parierte (31.). Kurz darauf scheiterte Marc Michaelis im Nachschuss am Innenpfosten (32.).
Aber auch Frankreich blieb gefährlich, wieder Bellemare schoss nur knapp am Tor vorbei (34.), auf der Gegenseite scheiterte Peterka nach feiner Passstafette über Stützle und Draisaitl per Direktabnahme an Keller, der mit Glück und Geschick das 1:4 aus französischer Sicht verhinderte (39.). So ging es mit einem Zwei-Tore-Vorsprung für Deutschland in die zweite Pause.
Viel fehlte nicht und die Franzosen hätten nach nur einer Minute im Schlussdrittel den Anschluss erzielt, doch im Getümmel vor dem deutschen Tor verhinderte Grubauer mit seinen Vorderleuten gerade noch das zweite Gegentor (41). Auf der Gegenseite scheiterte der aufgerückte Moritz Seider aus der Halbdistanz an Keller (43.), auch Peterka scheiterte kurz darauf im Eins-gegen-eins am Keeper (44.).
Mitte des Schlussdrittels gelang Deutschland indes die Vorentscheidung. Im Powerplay traf Samanski im Slot zum 4:1 (48.). Wenig später verpasste Lukas Reichel sogar das 5:1, seine Direktabnahme nach Draisaitl-Pass prallte vom Pfosten genau in die Fanghand von Keller – eine kuriose Szene (50.). Frankreich hatte anschließend seine ersten beiden Powerplays im Spiel, Grubauer zeichnete sich zunächst gegen Sacha Treille aus (56.) und stoppte dann auch Alexandre Treille bei einem Alleingang (57.).
Am Ende aber, nachdem Frankreich früh den Torhüter herausgenommen hatte, erzielte Nico Sturm knapp eine Minute vor der Schlusssirene ins leere Tor noch den 5:1-Endstand. Während das Olympia-Turnier damit für Frankreich beendet ist und für Bellemare auch die Karriere im Nationalteam, trifft Deutschland am morgigen Dienstag (12.10 Uhr) im Viertelfinale – erneut in der Arena Santagiulia – auf die Slowakei.
Joachim Meyer