Bronze wie 2014: Unbändige Freude herrschte bei den Schweizerinnen nach dem Siegtreffer in der Overtime.
Foto: IMAGO / NurPhoto
Die Schweiz hatte im Spiel um Bronze am Donnerstagnachmittag die Möglichkeit, die Überraschung von den Olympischen Winterspielen 2014 zu wiederholen. Damals setzten sich die Schweizerinnen gegen Schweden nach einem 0:2-Rückstand mit 4:3 durch. In Mailand fielen weniger Treffer, das Happy End war jedoch erneut auf Seiten der Schweizer Frauen, die sich mit 2:1 nach Verlängerung durchzusetzen wussten.
Das Team von Colin Muller ist für seine starke Defensive bekannt, das zeigte es bereits im Halbfinale gegen Kanada, das nur mit 1:2 verloren ging. So war es auch wenig verwunderlich, dass im Spiel um die Bronzemedaille die Schwedinnen häufiger in der Offensive anzutreffen waren. Die Diskrepanz der Torschüsse war allerdings deutlich geringer als noch in der Partie gegen die Kanadierinnen. Und dazu waren die meisten Versuche der Skandinavierinnen nicht gerade zwingend. Das erste Drittel endete so torlos. Andrea Brändli parierte im Schweizer Tor acht Abschlüsse, während die Schweiz Ebba Svensson Träff im schwedischen Kasten fünfmal testete.
In der 27. Minute kam die Schweiz zur ersten Großchance auf die Führung. Ivana Wey konnte alleine auf Ebba Svensson Träff zulaufen, wurde aber unsauber am Abschluss gehindert, was einen Penalty zur Folge hatte. Wey scheiterte aber auch dabei mit ihrem Abschluss an der schwedischen Torhüterin. Die Schwedinnen konnten mit ihren Torschüssen immer wieder für Gefahr sorgen und gingen in der 32. Minute in Führung. Mira Jungåker traf mit einem platzierten Schuss von der blauen Linie, während Brändli die Sicht komplett verdeckt war. Die Reaktion der Schweiz folgte genau vier Zeigerumdrehungen später. Sinja Leemann eroberte die Scheibe in der gegnerischen Zone, passte zu Alina Marti, die Leemann vor dem Tor bediente. Diese Großchance ließ sich die Spielerin des SC Bern nicht entgehen und erzielte den 1:1-Ausgleich.
Im dritten Abschnitt war Brändli im Schweizer Tor wieder mehrfach gefordert, zeigte aber weiter eine tadellose Leistung. Rahel Enzler hatte auf der Gegenseite die beste Chance aus Sicht des Teams von Muller, scheiterte im Slot mit ihrem Backhand-Abschluss aber an Svensson Träff. Kritisch wurde es für die Schweiz zweieinhalb Minuten vor Ende des Drittels, als Schweden erstmals im Powerplay agieren konnte. Einige gefährliche Abschlüsse später hatte die Schweiz die Unterzahlsituation überstanden. Weil danach kein Tor mehr fiel, ging die Partie in die Verlängerung.
In der Overtime, die wie gewohnt mit je drei Feldspielerinnen gespielt wurde, kam Laura Zimmermann nach einem Fehler der Schwedinnen zur ersten Möglichkeit, Sie scheiterte mit ihem Abschluss aus dem Slot an Svensson Träff. Alina Müller hatte die nächste Chance und scheiterte mit einem guten Abschluss an der schwedischen Torhüterin. Im Gegenzug musste Brändli gegen Hanna Thuvik parieren. Ein abgeblockter Schuss von Lara Stalder landete als Bogenlampe nur am Torgestänge. Die Schweizerinnen um die starke Müller spielten wirklich auffällig in der Verlängerung, offensiv deutlich gefährlicher als in der regulären Spielzeit – und belohnten sich am Ende. Alina Müller, Teamkollegin der deutschen Top-Stürmerin Laura Kluge bei den Boston Fleet (PWHL), wurde im Slot angespielt und versenkte die Scheibe nach einem tollen Pass von Ivana Wey im Netz! Damit gewinnt die Schweiz nach 2014 erneut die Bronzemedaille. Speziell ist die Medaille auch für Trainer Colin Muller, der nun sowohl mit den Frauen als auch mit den Männern eine Medaille bei einem Großereignis gewinnen konnte. 2013 gewann er WM-Silber mit den Schweizer Männern in Schweden.
Maic Frieden