Eishockey wird in Wabern nun zwischen fünf verkleideten Stützpfeilerkonstruktionen gespielt.
Foto: Vassilliy Abramov
Man muss aus der Situation einfach das Beste machen. Das dachte sich Vassilliy Abramov, Betreiber der kleinen Trainingshalle im hessischen Wabern, einer Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis. Diese musste vor Weihnachten wegen Mängel an der Dachkonstruktion geschlossen werden. Es war beim Bau in den Siebzigerjahren (ursprünglich war es eine Tennishalle) ein feuchteempfindlicher Harnstoffharzklebstoff verwendet worden, der sich durch veränderte klimatische Bedingungen gelöst hat.
Die Situation weckt unangenehme Erinnerungen: Die festgestellten Mängel erinnern an Tragödien wie den Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall oder die Schäden an der Elisabethkirche in Kassel, bei denen ebenfalls feuchteempfindliche Klebstoffe in Holzkonstruktionen eine entscheidende Rolle spielten. Im Januar 2006 war in Bad Reichenhall das Dach der Eishalle während eines Publikumslaufs eingestürzt, wobei 15 Personen (13 Kinder und zwei Frauen) ums Leben kamen. Der Einsturz des Dachs der Elisabethkirche in Kassel, der sich 2023 ereignete, zog glücklicherweise keine Personenschäden nach sich.
Nun aber läuft der Betrieb in Wabern wieder. Und zwar mit fünf verkleideten Stützpfeilerkonstruktionen mitten auf dem Eis. Es findet nicht nur öffentlicher Lauf statt, auch Eishockey wird wieder darauf trainiert. „Ja, es ist ungewöhnlich“, sagt Abramov. „Aber meine Tochter war Eiskunstläuferin und auch sie hat schon in Hallen trainiert, in denen es Stützpfeiler gab.“
Jene vom Bauamt Mitte Februar geprüfte und abgenommene Konstruktion sei ohnehin dringend nötig gewesen, um das Dach zu stützen. Und weil Abramov der Stillstand nicht nur eine Menge Geld gekostet hat, sondern dadurch auch eine wichtige Halle in der Region fehlte (die nächst gelegene ist in Kassel; unter anderem nutzen die Nachwuchsteams der Huskies und auch der Löwen Frankfurt die Halle), sagte er sich: „Wir machen weiter! Eis ist Eis.“ Für die Kinder im öffentlichen Lauf sei es besonders interessant. „Sie können jetzt Fangen spielen und Slalom laufen.“ Zur Sicherheit aber wurden die Stützpfeiler mit Verkleidungen versehen.
Für das Eishockeyspielen ist ein neues Modell geplant: Zwei Flächen, aufgeteilt von Nord nach Süd. „Unsere Halle ist ohnehin eine Trainingshalle, mit den Maßen von 30 mal 42 Metern für den Spielbetrieb zu klein, aber für den Trainingsbetrieb in Ordnung – und für Profis ist es natürlich schwierig.“ Bisher habe er positives Feedback nur eine Absage sei gekommen. Eis sei eben Eis, sagten die Trainer zum Hallenbetreiber.
Abramov bedankt sich bei den Spendern, die bisher rund 35.000 Euro bei einem Crowdfunding gegeben haben. „Diese Aktion hat mir gezeigt, dass es viele Leute gibt, die das ernst nehmen. Diese zwei Monate waren mit die schlimmsten meines Lebens, jetzt geht es mir wieder besser.“
Langfristig sei geplant, die Pfosten wieder zu entfernen. „Das ist aber nur der zweite Schritt“, sagt Abramov. Und es sei noch unklar, wann man diesen gehen könne. Zunächst müsse die Feuchtigkeit aus der hölzernen Dachkonstruktion. Daran werde mit einer Begleitheizung schon gearbeitet.“
Deshalb sei auch das Abtauen des Eises keine Lösung gewesen. Denn dadurch wäre noch mehr Feuchtigkeit in der Halle entstanden. Gleichzeitig läuft eine Kostenschätzung, was die Dachsanierung kosten wird. Erst einmal aber gehe es mit der Spendenaktion (Ziel: 100.000 Euro) weiter und eben mit den Stützbalken auf dem Eis. Abramov sagt: „Das hier ist eine neue Hoffnung für uns.“
Michael Bauer/Hanna Broghammer