Das zweite Halbfinale zwischen den USA – um die Torschützen Jack Eichel (Zweiter von rechts) und Tage Thompson (Mitte) – und der Slowakei wurde eine klare Angelegenheit.
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Viele Experten hatten es vorausgesagt, nun ist es amtlich. Am Sonntag (14:10 Uhr, live im ZDF und bei Eurosport) werden sich die mit NHL-Stars gespickten Team aus Kanada und den USA im Finale des olympischen Eishockeyturniers gegenüberstehen. Nach dem kanadischen 3:2-Comeback-Sieg am Freitagnachmittag gegen Finnland folgte am Freitagabend eine 6:2-Machtdemonstration der US-Amerikaner im Vergleich mit der Slowakei. Die Slowaken, die das deutsche Team im Viertelfinale am Mittwoch noch mit dem gleichen Ergebnis von 6:2 aus dem Weg geräumt hatten, waren diesmal früh auf verlorenem Posten. Wenig gelang und besonders in Überzahl konnte man den Favoriten zu selten in Bredouille bringen.
Die US-Stars erwischten hingegen einen Top-Start inklusive Führungstreffer in der fünften Spielminute. Bereits vom ersten Bully weg machten die USA Druck in der Offensivzone, eroberten viele Scheiben zurück und brachte das Tor von Samuel Hlavaj regelmäßig in Bedrängnis. Das 1:0 entstand dann aber aus einer blitzschnellen Umschaltaktion heraus. Zach Werenski schickte Dylan Larkin auf die Reise, der mit viel Speed ins slowakische Drittel fahren durfte, aus vollem Lauf abzog und Hlavaj mit seinem halbhohen Schuss in der kurzen Ecke überraschte. Körperlich hielten die Slowaken zwar von Beginn an gut dagegen, doch spielerisch und läuferisch hatten die US-Boys ein deutliches Übergewicht. 41 Sekunden vor Drittelende belohnten sich die US-Stars dementsprechend auch mit dem 2:0 in Überzahl. Torjäger Tage Thompson jagte den Puck nach schönem Zuspiel von Jack Eichel ins kurze Eck, Hlavaj kam zu spät auf die bedrohte Seite.
Auch im zweiten Drittel durfte sich die Slowakei mehrfach in Überzahl versuchen. Doch das Powerplay des Außenseiters wirkte extrem ideenlos. Dazu fehlte den slowakischen Stürmern über die gesamte Partie hinweg das Scheibenglück – mehrfach versprangen Pucks direkt beim Versuch einer Direktabnahme. Und so brachten sich die US-Amerikaner mit einem Doppelschlag in der 33. Spielminute endgültig auf die Siegerstraße. Zunächst tanzte der agile Jack Hughes seinen Gegenspieler im hohen Slot aus und versenkte den Puck zielgenau im Torwinkel. Danach legte sich Jack Eichel nach gutem Forechecking der Tkachuk-Brüder die Scheibe auf die Rückhand und erhöhte auf 4:0. Damit wir Hlavajs Arbeitstag beendet, für ihn kam Stanislav Skorvanek ins Gehäuse des Underdogs. Eine Wende gab dies der Partie jedoch nicht mehr. Die Slowaken vergaben ihre beste Chance des zweiten Drittels in Unterzahl nach einem Konter in Person von Erik Cernak. Und spätestens mit dem 5:0 der US-Auswahl in der 39. Minute kurz nach Ablauf einer Strafe gegen die Slowakei war das Spiel dann entschieden. Erneut hatte Jack Hughes eingenetzt, diesmal aus spitzem Winkel ins mehr oder weniger leere Gehäuse, weil Skorvanek aus der Position war.
Im Schlussabschnitt schalteten die US-Stars ein, zwei Gänge zurück, hätten jedoch unter anderem bei einem Alleingang von Brady Tkachuk durchaus weiter erhöhen können. Das erste Tor machten jedoch die Slowaken: Der sonst meist gut bewachte Juraj Slafkovsky profitierte in der 45. Minute davon, dass Connor Hellebuyck nach einem misslungenen Ausflug hinter sein Gehäuse die Orientierung verloren hatte. Wenige Zeigerumdrehungen später machte es Brady Tkachuk im zweiten, unbedrängten Anlauf besser und stellte auf 6:1. Die Slowakei, die nun offensiv mehr Freiheiten vorfand, verkürzte durch den dritten Turniertreffer von Pavol Regenda noch auf 2:6. Dabei blieb es bis zur Schlusssirene – vor der die Tkachuk-Brüder Matthew und Brady noch einmal Nettigkeiten mit Erik Cernak austauschten. Alle drei Akteure wurden mit Disziplinarstrafen frühzeitig zum Duschen geschickt. Während sich damit am Sonntag Kanada und die USA im Endspiel um Gold messen, werden die Slowaken ihren Traum von einer olympischen Medaille im Duell mit Finnland bereits am Samstagabend im Spiel um Bronze (20:40 Uhr, live in der ARD und bei Eurosport) verwirklichen müssen – das Team Suomi ist dabei in der Favoritenrolle.
Aus Mailand von den Olympischen Winterspielen berichtet Sebastian Groß