Matchwinner: Nathan MacKinnon (links) schoss Kanada 36 Sekunden vor dem Ende ins Olympia-Endspiel, Connor McDavid hatte per Querpass vorbereitet.
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Auch im zweiten Match der K.-o.-Phase beim olympischen Eishockeyturnier in Mailand haben die kanadischen Männer den Kopf spät aus der Schlinge gezogen. Gegen taktisch gewohnt disziplinierte Finnen glich der Goldfavorit am Freitag im Halbfinale nach zwischenzeitlichem 0:2-Rückstand erst Mitte des Schlussdrittels aus, ehe Nathan MacKinnon 36 Sekunde vor dem Ende der regulären Spielzeit das 3:2-Siegtor erzielte. Die Kanadier spielen somit am Sonntag (14.10 Uhr) um den Olympiasieg – womöglich aber ohne ihren Kapitän Sidney Crosby, der das Halbfinale wegen seiner in der Runde der letzten Acht erlittenen Unterkörperverletzung verpasste.
Wie bereits im Viertelfinale gegen Tschechien gelang es den Kanadiern auch gegen Finnland zunächst nicht, das Zepter in die Hand zu nehmen und Dominanz aufzubauen. Im Gegenteil: Finnland hatte in der Torschuss-Statistik zunächst die Nase klar vorne. Im Laufe des Auftaktdrittels gestalteten die Ahornblätter diese zwar ausgeglichen, die finnische Führung kurz vor der Pause war angesichts des schnörkellosen und defensiv cleveren Vortrags dennoch nicht unverdient. Nachdem sich Sam Bennett eine überflüssige Strafe wegen Goalie-Behinderung eingehandelt hatte, gewann Sebastian Aho das erste Bully des daraus resultierenden Powerplays zu Mikko Rantanen, der einen perfekt platzierten Handgelenkschuss über die Fanghand von Kanadas Keeper Jordan Binnington setzte (17.).
Und es dauerte nicht lange im zweiten Abschnitt, ehe die Finnen den Vorsprung ausbauten. In Unterzahl profitierte Erik Haula von kanadischen Abstimmungsproblemen an der offensiven blauen Linie, zog über die linke Seite auf und davon und vollendete den Alleingang per Rückhandschuss unter die Latte zum 2:0 (24.). Spätestens jetzt wirkten die routinierten Kanadier und ihre Fans in der Arena geschockt. Im weiteren Verlauf des zweiten Durchgangs hatte das Team von Chefcoach Jon Cooper zwar viele Spielanteile, aber kaum zündende Ideen und zwingende Torchancen, während sich die abgebrühten Finnen nun nahezu vollständig auf Konter verlegten. Erst ein Powerplay kurz vor der Pause erlöste Kanada, Sam Reinhart fälschte einen Schlenzer von Verteidiger Cale Makar unhaltbar für Finnlands Schlussmann Juuse Saros zum 1:2 ab (35.).
Der erste Gegentreffer beeindruckte die Finnen indes keineswegs. Sie blieben konsequent in ihrer Struktur, hartnäckig in den Zweikämpfen und setzten auf offensive Nadelstiche, während Kanada anrannte, sich allerdings häufig zu Einzelaktionen gezwungen sah. Darüber hinaus kamen viele Schüsse zu unplatziert auf Saros. Erst Mitte des dritten Durchgangs wurden die kanadischen Angriffe durchdachter – und dies wurde prompt mit dem Ausgleich belohnt: Als Saros durch einen Zweikampf vor seinem Gehäuse aus der Position gekommen war, erzielte Shea Theodore per Direktabnahme von der blauen Linie das 2:2 (51.).
Kanada drängte daraufhin auf den Sieg noch in der regulären Spielzeit. Saros hielt die Leijonat mit starken Paraden gegen Mitch Marner und Nathan MacKinnon zwar zunächst im Spiel, ein spätes Powerplay nach einem hohen Stock von Niko Mikkola brachte schließlich aber doch noch die Entscheidung zugunsten Kanadas. Nach einem Querpass von Megastar Connor McDavid durch den Slot zog MacKinnon aus spitzem Winkel vom linken Bullykreis direkt ab, Saros bekam die kurze Ecke nicht mehr rechzeitig zu und kassierte 36 Sekunden vor dem Ende das 2:3, das auch einer Abseitschallenge des finnischen Trainers Antti Pennanen standhielt. Die wenige Restzeit reichte den Nordeuropäern nicht mehr, um noch zu einer echten Ausgleichschance zu kommen.
Aus Mailand von den Olympischen Winterspielen berichtet Stefan Wasmer