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Sonntag, 22. Februar 2026

2:1 im Finale gegen Kanada Hellebuyck rettet in der regulären Spielzeit, Jack Hughes trifft in der Overtime: USA erstmals seit 1980 Olympiasieger

Kapitän Auston Matthews, Zach Werenski und Matthew Tkachuk (von links) erinnerten im Moment des Gold-Triumphs der Vereinigten Staaten an den 2024 verstorbenen Johnny Gaudreau.
Foto: IMAGO/Bildbyrån/Carl Sandin

Die USA sind erstmals seit 1980 Olympiasieger im Männer-Eishockey. Im dramatischen Endspiel von Mailand ging die Mannschaft von Chefcoach Mike Sullivan am Sonntagnachmittag früh in Führung, wurde im Spielverlauf jedoch immer passiver und benötigte nach dem kanadischen Ausgleich viel Glück, um sich in die Overtime zu retten. In dieser beendete Jack Hughes nach nicht einmal zwei Minuten die lange Gold-Durststrecke, der Matchwinner für die Vereinigten Staaten im Duell der beiden nordamerikanischen Rivalen war indes insbesondere Torhüter Connor Hellebuyck.

Im ersten Wechsel der Partie setzten sich die USA prompt in der kanadischen Zone fest, anschließend gehörte die Anfangsphase jedoch den Ahornblättern, bei denen der verletzte Kapitän Sidney Crosby nicht rechtzeitig fit geworden war, die aber schon in der zweiten Minute am ersten Treffer schnupperten, als Sam Bennett den Puck aus kurzer Distanz nur um eine Schlägerspitze verpasste. Und auch physisch setzte Kanada die ersten Ausrufezeichen, allen voran durch Tom Wilson mit einem krachenden Check gegen Dylan Larkin. In Führung gingen dennoch die Vereinigten Staaten – und das mit ihrem ersten Torschuss des Nachmittags: Matt Boldy tankte sich zwischen den Verteidigern Devon Toews und Cale Makar durch, wobei insbesondere Toews eine schlechte Figur machte, und legte die Scheibe mit der Rückhand zum 1:0 an Keeper Jordan Binnington vorbei (7.).

Der knappe Vorsprung spielte den USA in die Karten, die im Auftaktdrittel ohnehin auf Risikovermeidung aus waren. Kanada war vom Gegentreffer zwar nicht geschockt und blieb spielbestimmend, die größte Chance der ersten 20 Minuten war indes ein US-Geschenk, als Nick Suzuki nach einem haarsträubenden Fehlpass von Brady Tkachuk zu überrascht war und verzog (14.). Auf der anderen Seite bot sich dem Team von Chefcoach Mike Sullivan kurz vor der Pause mit dem ersten Powerplay der Begegnung die Möglichkeit, die Führung auszubauen, mit einem Mann mehr auf dem Eis agierten die Vereinigten Staaten allerdings zu kompliziert.

Die Statistik zum Spiel (1 Einträge)

 

 

Der zweite Abschnitt ähnelte zunächst dem ersten. Kanada hatte das optische Übergewicht, die USA die zwingenderen Chancen durch Brock Nelson – nach einem weiteren Schnitzer von Toews (26.) – und Tage Thompson per Rückhandschuss aus kurzer Distanz (28.). Der Unterschied: Diesmal war der amtierende Weltmeister weniger effizient. Und Mitte des zweiten Durchgangs wurde es für die Vereinigten Staaten plötzlich vor dem eigenen Gehäuse immer brenzliger. Erst ließ Megastar Connor McDavid einen Alleingang liegen, weil er gegen US-Goalie Connor Hellebuyck den richtigen Moment für den Abschluss verpasste (30.), doch wenige Sekunden später durften die Kanadier nach Fouls von Jake Guentzel und Charlie McAvoy in doppelter Überzahl ran.

Trotz einer Dauer von mehr als anderthalb Minuten blieb diese jedoch erfolglos, was einerseits an der kanadischen Schwäche am Bullypunkt, andererseits aber auch an falschen Schussentscheidungen gegen das exzellente Stellungsspiel Hellebuycks lag. Das Momentum blieb indes trotz des ungenutzten Powerplays bei der Mannschaft von Trainer Jon Cooper – und ausgerechnet nach einem gewonnenen Anspiel belohnte sie sich mit dem Ausgleich. Unglücksrabe Toews legte ab für seinen langjährigen Defensivpartner Cale Makar, der Hellebuyck mit einem platzierten Schuss in die lange Ecke zum 1:1 bezwang (39.). Gleichwohl gingen die USA noch vor der zweiten Pause beinahe wieder in Führung, der Schlenker von Brock Faber landete allerdings am Gestänge.

Auf Messers Schneide ging das Finale folglich in den dritten Durchgang – und dieser begann spektakulär. Bereits nach wenigen Sekunden hatte Toews nach starker Vorarbeit von Mitch Marner das vermeintlich leere Tor aus kurzer Distanz vor sich, Hellebuyck bekam jedoch auf spektakuläre Weise doch noch seine Kelle dazwischen. Weitere kanadische Hochkaräter folgten: Youngster Macklin Celebrini lief nach einem von ihm selbst geblockten US-Schuss auf Hellebuyck zu, scheiterte allerdings ebenfalls am herausragenden Schlussmann (45.), ehe Hellebuyck fünf Minuten später schon geschlagen war, Nathan MacKinnon die Scheibe aus spitzem Winkel aber nicht im Tor der Vereinigten Staaten unterbrache.

Die mittlerweile noch passiver gewordenen US-Amerikaner waren dagegen offensiv fast gar nicht mehr zu sehen, beschränkten sich größtenteils auf das Chippen von Pucks aus der eigenen Zone – und durften sechseinhalb Minuten vor dem Ende dennoch auf die Entscheidung zu ihren Gunsten noch in der regulären Spielzeit hoffen, als Bennett wegen eines hohen Stocks eine Vier-Minuten-Strafe kassierte. Das Powerplay der Vereinigten Staaten war indes weitaus ungefährlicher als die Schlussoffensive Kanadas, die begann, nachdem ein Foul von Jack Hughes das US-Powerplay vorzeitig beendete (57.). Allein Celebrini hatte in der Folge noch viermal (!) den zweiten kanadischen Treffer auf dem Schläger, das inzwischen überfällige Siegtor in den regulären 60 Minuten gelang den Ahornblättern allerdings nicht mehr.

Stattdessen kam es so, wie es sich angesichts der vielen vergebenen Chancen Kanadas bereits hatte erahnen lassen. Keine zwei Minuten waren in der Overtime mit Möglichkeiten auf beiden Seiten gespielt, als MacKinnon einen Drei-gegen-eins-Konter der US-Amerikaner vermeintlich unterbunden hatte, diese den Puck aber doch noch auf die linke Seite zu Jack Hughes brachten, der Binnington mit einem flachen Schuss in die lange Ecke zum 2:1 überwand und den Vereinigten Staaten die erste Goldmedaille seit 46 Jahren bescherte – zum Spielverlauf passend sogar mit einem Assist für Keeper Hellebuyck. 

Aus Mailand von den Olympischen Winterspielen berichtet Stefan Wasmer


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Notizen

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