Es war ein emotionaler Abschied von Stürmer Robin Just, der zuletzt für die Heilbronner Falken auflief.
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Fast 1.100 Pflichtspiele bestritt Stürmer Robin Just. Mit 190 Playoff-Spielen, vier gewonnenen Zweitliga-Titeln und sieben Finalteilnahmen prägte der 38-Jährige das deutsche Eishockey in der DEL2 und Oberliga. Nun ging seine erfolgreiche Karriere mit dem Saisonaus der Heilbronner Falken zu Ende und der Deutsch-Slowake wird den Eishockeyschläger gegen einen Tennisschläger tauschen. Dem Eishockeysport möchte er aber als Schiedsrichter die Treue halten.
Herr Just, Sie können auf eine sehr erfolgreiche Karriere zurückblicken. An welche Momente erinnern Sie sich besonders gerne zurück?
Robin Just: „Natürlich sind es die Meisterschaften und die ganzen Siege, die man zusammen als Team errungen hat. Es ist immer das Schönste, wenn man eine Saison mit einem Sieg abschließen kann – und das ist nur bei Meisterschaften möglich. Das sind sicher die schönsten Zeiten, die man als Eishockeyspieler hat.“
Sie haben sich mit ihrem mannschaftsdienlichen Spielstil beliebt gemacht und setzen gerne Ihre Mitspieler in Szene – auch zuletzt in Heilbronn. Wie findet man zu seinem eigenen Spielstil?
Just: „Ich denke, das gehört zu jeder Persönlichkeit von einem Menschen. Man muss auch wissen, was seine Stärken und Schwächen sind. Ich bin zum Beispiel jemand, der nicht unbedingt viel schießt und den Abschluss sucht. Ich bin eher derjenige, der versucht, den anderen in Szene zu setzen. Das hatte ich zum Beispiel auch in den letzten zwei Jahren mit Niklas Jentsch. Ich habe immer Niklas gesucht – und er hat einfach jedes Mal abgezogen, weil er den Schuss dazu hatte. Dazu Freddy Cabana, der für uns gekämpft hat und wie ein Stier am Puck ist, den man dem Puck nicht wegnehmen kann. Das war so eine schöne Zeit.“
Welche Mitspieler und Trainer haben Sie in Ihrer Karriere am meisten geprägt?
Just: „Auf jeden Fall war es zu meinen Bietigheimer Zeiten Trainer Kevin Gaudet. Das war einer, der das Eishockeyspielen so gesehen hat wie ich. Das war natürlich schön und von ihm habe ich sehr viel mitgenommen. Und Frank Petrozza in Heilbronn war auch so einer. Und von den Mitspielern: Natürlich, als ich vor allem jünger war und ins Profi-Eishockey quasi neu dazugekommen bin, waren es die erfahrenen Jungs. Damals noch ein Dustin Whitecotton in Schwenningen, zu dem man aufgesehen hat. In Bietigheim dann Justin Kelly, Marcus Sommerfeld und Markus Gleich. Es gibt etliche Spieler, über die ich reden könnte, die wirklich alles Top-Sportsmänner und Vorbilder waren.“
Wie war das für Sie, als sich das während der Karriere geändert hat und jetzt Spieler zu einem selbst aufsehen?
Just: „Ja, das kommt dann mit der Zeit. Ich habe versucht, da mein bestes zu geben und den jungen Spielern das ein oder andere mitzugeben. Das hängt aber auch von den Jungs ab, ob die gewillt sind zuzuhören, oder nicht. Wir sind langsam in einer Zeit, in der es nicht mehr so ist wie früher, als man vor den Älteren gezittert und ein Riesen Respekt hatte und man sich kaum getraut hat, etwas zu sagen.“
In Ihren über 1.000 Spielen haben Sie zu keinem Zeitpunkt in der PENNY DEL gespielt. Wie kam das?
Just: „Beim Aufstieg in die DEL damals in Bietigheim 2021 war ich schon etwas älter. Die Situation ändert sich dann auch, wenn man schon Familie hat. Da ist es nicht mehr die eigene Karriere, nach der man am meisten strebt, sondern dann geht es natürlich auch um Familie und die finanzielle Sicherheit. Außerdem ist es mir natürlich zum Nachteil geworden, dass in der DEL neun Ausländer erlaubt sind. Da wurde mir beim Saisonendgespräch in Bietigheim mitgeteilt, dass für meinen Platz ein Import vorgesehen ist. Ich hatte es mir aber schon gedacht und habe es akzeptiert. Warum ich auch nicht in die DEL gegangen bin: Ich sehe mich selbst nicht als Spieler für die dritte oder vierte Reihe. Ich bin eher einer, der offensiv kreieren will.“
Wie ist das, wenn man sich mit dem Eishockeyspielen auf der einen Seite einen Traum erfüllt und seine Leidenschaft auslebt, aber auf der anderen Seite die Familie auch auf manche Sachen verzichten muss?
Just: „Es hat natürlich auch seine Vorteile. Unter der Woche an den normalen Tagen bin ich spätestens um 14 Uhr zu Hause. Nur dafür fehlen mir die Wochenenden. Dann bin ich den ganzen Freitagabend weg, samstags im Training und sonntags beim Spiel. Das sind dann wieder die Momente, die Familien zusammenhaben, wo ich eher irgendwo in Deutschland umherreise. Das ist die Kehrseite davon. Jetzt ist es langsam an der Zeit, das mal wieder andersherum zu haben – und auch mal wieder ordentlich Weihnachten feiern zu können.“
Was glauben Sie, werden Sie am meisten vermissen?
Just: „Ich glaube, die Zeit in der Kabine, in der man einfach mit den Jungs zusammen ist. So etwas wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die ganzen Witze, sich mal ein bisschen über den anderen lustig machen, der dann auch nicht eingeschnappt ist, weil er einfach weiß, es ist nur Spaß. Der ganze Kabinentalk – das wird mir am meisten fehlen.“
Und nun möchten Sie als Tennistrainer arbeiten…
Just: „Ja, ich habe von klein auf Tennis gespielt. Irgendwann musste ich mich entscheiden, weil Eishockey, Tennis und Schule zu viel waren. Dann habe ich mich für Eishockey entschieden, weil man Vater auch Eishockey gespielt hat. Tennis ist mir nie fern geblieben. Ich habe auch manchmal mit den Jungs ab und zu gespielt – viel auch mit Markus Gleich in Bietigheim. Meine Kinder spielen auch Tennis, dadurch habe ich wieder mehr Freude daran gefunden. In den letzten zwei Jahren habe ich meine Trainerscheine gemacht. Beim Eishockey sind wir auch manchmal beim Nachwuchstraining dabei gewesen. Ich finde es schön, Jüngeren etwas beizubringen und man sieht, dass sie besser werden und die Dinge umsetzen.“
War es nie ein Gedanke, den Eishockeynachwuchs voranzutreiben?
Just: „Das ist nicht mehr meins. Das sind sehr viele Kinder in einer Mannschaft. Und die Zeit hat sich geändert, dass die Eltern auch viel mitreden möchten. Das ist mir dann, glaube ich, zu viel. Deswegen ziehe ich auch meinen Hut vor den Trainern, die das machen, weil das eine sauschwere Arbeit ist. Wenn es so wäre wie früher, nur mit Trainer und Spielern, würde ich es gerne machen.“
Interview: Lisa Taduschewski
Mehr zu Robin Justs erlebnisreicher Karriere, seinen interessanten Einblicken ins slowakische Eishockey und seinem emotionalen Abschied sowie persönliche Worte von seinen Weggefährten finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe.