Für die Bayreuther Fans ist das Motto klar, doch die Zukunft ihres Clubs ist nach dem geplatzten Verkauf der onesto Tigers Bayreuth GmbH wieder völlig offen.
Foto: Mario Wiedel
Innerhalb von rund 48 Stunden wurde in Bayreuth ein ganz besonderes Kapitel deutscher Eishockey-Geschichte geschrieben: Beginnend mit einer nüchternen Pressemitteilung der onesto-Gruppe, die den Verkauf der onesto Tigers Eishockey GmbH verkündete - ohne jegliche Aussagen zum neuen Besitzer - über wilde Spekulationen in Fan- und Medienkreisen, einen als Gerücht auftauchenden Namen, Rätselraten um US-Investoren und eine Rolle rückwärts - wohl selten reihten sich solche Ereignisse in einem so engen Zeitfenster aneinander.
Fast auf den Tag genau einen Monat nach der Bekanntgabe des Ausstiegs von onesto sorgte der Verkauf der Spielbetriebs-GmbH für einen Paukenschlag. Spekulationen und Hoffnungen, die auf dem Einstieg einer Gruppe aus lokalen Unternehmen und Unterstützern fußten, hatten sich in den vergangenen Tagen aufgebaut. An der Spitze der Bemühungen stand mit Lorenz Röthlingshöfer ein junger Bayreuther, studierter Sportökonom und zuletzt Sponsoring-Beauftragter der onesto Tigers. Er bemühte sich um einen „lokalen Schulterschluss“, um einen Neustart, sprach bewusst nicht von Rettung. Dazu brauchte es noch Zeit für weitere Gespräche und Verhandlungen, doch es keimte Hoffnung im Umfeld auf, da die Ansätze durchaus zukunftsträchtig anmuteten.
Zeit, die Thomas Lünenborg wohl nicht mehr hatte oder haben wollte: Seit Bekanntgabe des Ausstiegs war klar, dass man eine schnelle Lösung sucht, um die GmbH für den symbolischen Preis von 1 Euro schuldenfrei zu verkaufen. Denn durch bestehende Verträge mit Spielern und Angestellten gibt es laufende Kosten, die man nicht länger als nötig bedienen wollte.
Da kam er wohl gerade recht, der zunächst unbekannte Mann, der die GmbH kaufen wollte. Nichts drang nach außen, kein Name, keine Informationen. Erst mit Verzögerung bahnten sich Gerüchte den Weg, die nach Tschechien führten, aber auch Verbindungen in die USA enthielten. Ein neuer Investor? Neue Chancen für den Standort? Doch eine Zukunft in der Oberliga?
Dann ging es schnell: Mikael Agateljan erschien auf der medialen Bildfläche, präsentierte sich als Vermittler für eine kalifornische Investment-Firma und legte gleich einen strammen Plan vor. In drei Jahren wolle man an die Tür zur DEL2 klopfen - große Ziele für einen Club, der aktuell erneut vor dem Abgrund steht. Gleichzeitig rumorte es im Fan-Umfeld, wo man Agateljans bisherigen Lebensweg sezierte und auf manche Ungereimtheit stieß. Aus dem benachbarten Weiden, wo er nach dem Ziegler-Aus auch auf den Plan trat, schlussendlich aber nicht aktiv wurde, wurde gewarnt, auch aus Tschechien vernahm man viel Unmut.
Keine 24 Stunden später der Turnaround: Der neue starke Mann und die Investoren im Hintergrund machen einen Rückzieher, wollen den GmbH-Kauf rückgängig machen. Als Gründe werden „persönliche Nachrichten, Bashing in den sozialen Medien und anonyme Unterstellungen“ genannt. Also „alles auf Anfang“ mag man meinen - doch so klar ist die Lage nicht: Kann der Verkauf rückgängig gemacht werden? Oder muss nun Agateljan einen Käufer suchen oder im Ernstfall die GmbH abwickeln? Kommen nun doch lokale Lösungen zum Tragen? Noch vor Frühlingsanfang erlebt das Bayreuther Eishockey weiter sein ganz eigenes Sommertheater…
Christoph Knod