Jon Matsumoto netzt beim 12:4-Sieg der Krefeld Pinguine am Freitag in Landshut ein. Youngster Tim Schütz traf sogar dreimal beim höchsten Playoff-Sieg der DEL2-Geschichte.
Foto: Georg Gerleigner
Ein historischer Freitagabend in Landshut – wenn auch einer, den die Fans der Niederbayern gerne schnellstmöglich vergessen würden. Ein Drittel lang sah in der VR-Bank Landshut Arena alles nach einem packenden Playoff-Fight zweier DEL2-Aufstiegsbewerber aus. Doch dann schwang sich Krefeld zu einer Offensiv-Gala ungeahnten Ausmaßes auf, insgesamt 16 Spieler trugen sich in die Scorer-Liste der Schwarz-Gelben ein, Youngster Tim Schütz glänzte mit einem Hattrick – und Landshuts Defensive hatte diesem gnadenlosen, unersättlichen Angriffswirbel nichts entgegenzusetzen.
„Ich bin ein bisschen sprachlos. So was habe ich auch noch nicht erlebt, weder als Spieler noch als Trainer. Das muss man schon erst mal verdauen – und wir haben nun einiges zu verdauen“, musste da sogar Ex-Bundestrainer Uwe Krupp eingestehen angesichts des Ausmaßes, in dem sein Team unter die Räder der besten Hauptrunden-Mannschaft 2025/26 geriet. Die zwölf Treffer waren die meisten, die jemals in einem DEL2-Playoff-Spiel erzielt wurden. Auch die insgesamt 16 Treffer waren ein DEL2-Playoff-Rekord. Nicht wirklich äußern zum Kantersieg seiner Mannschaaft wollte sich Pinguine-Coach Thomas Popiesch auf der Pressekonferenz nach Spiel 2. „Ich halte mich da an mein Vorbild Uwe“, so Popiesch, nachdem Krupp in Folge von Spiel 1 sich bereits sehr knapp hielt. „Es freut mich aber für Tim Schütz, dass er drei Tore erzielt hat“, ergänzte Popiesch dann doch noch und lobte die Stimmung im Stadion. „In zwei Tagen geht das Spiel bei 0:0 los. Noch keine Mannschaft hat eine Best-of-seven-Serie mit zwei Siegen gewonnen. Wir hoffen auf unsere Chance.“, stellte Krupp vor dem dritten Duell der Serie am Sonntag in Krefeld klar.
Es war (knapp) nicht das torreichste Spiel der DEL2-Geschichte, denn am 29. November 2019 trennten sich die Teams aus Bayreuth und Frankfurt mit sage und schreibe 10:7 Toren - und erzielten dabei zusammengerechnet einen Treffer mehr. Betrachtet man die Geschichte der eingleisigen 2. Eishockey-Bundesliga (seit 1998) als Ganze, steht – sowohl als torreichste Partie als auch als höchster Sieg – ein 26:1 des Braunlager EHC gegen den Grefrather EV vom 30. Dezember 1999 in der Rekordliste. Auf das Grefrather Negativkonto aus dieser Saison gehen auch die höchsten beiden Heimniederlagen der Zweitliga-Historie (0:15 gegen Weißwasser, 0:14 gegen Bietigheim) sowie Auswärtsklatschen in Ingolstadt (1:19), Bad Nauheim (1:14) und Iserlohn (1:13).
Das 12:4 der Pinguine in Landshut landet jedoch in der Liste der höchste DEL2-Auswärtssiege – seit der Spielzeit 2013/14 trägt die Zweite Liga diesen Namen – ganz weit vorne. Mit einer höheren Tordifferenz endeten nur die beiden Heimspiele von Freiburg gegen Kassel (0:9 am 30. Dezember 2015) und gegen Heilbronn (ebenfalls 0:9 am 16. Januar 2022). Mit jeweils 1:10 aus Sicht des Heimteams gingen die Duelle zwischen Kaufbeuren und Frankfurt (9. Januar 2015), Selb und Landshut (8. Oktober 2021) sowie das Playdown-Match zwischen Bad Tölz und Weißwasser am 25. März 2022 aus.
Michael Stolzenberg/Sebastian Groß