In einer spannenden Begegnung setzte sich der Deggendorfer SC gegen die Füchse Duisburg in der Overtime mit 4:3 durch.
Foto: Roland Rappel
Packendes, elektrisierendes Playoff-Eishockey prägte auch den dritten Spieltag der Viertelfinalserien in der Oberliga – und erneut lieferten die Teams Drama, Wendungen und pure Leidenschaft. Die Memmingen Indians zeigten dabei eindrucksvoll Moral: Trotz eines zwischenzeitlichen 1:3-Rückstands drehten sie die Partie gegen die Hannover Indians noch in einen 6:3-Erfolg und marschieren nun mit einer komfortablen 3:0-Serienführung Richtung Halbfinale. Ebenfalls auf der Überholspur befinden sich die Tilburg Trappers, die sich mit einem souveränen 5:2 gegen Bad Tölz durchsetzten und ebenfalls auf 3:0 stellten. Der Deggendorfer SC konnte erst in der Overtime mit 4:3 einen hartnäckigen EV Duisburg bezwingen und damit wieder die Serienführung übernehmen. Die Hannover Scorpions legten gegen Selb einen Blitzstart hin und stellten früh die Weichen auf Sieg – und auf eine 2:1-Führung in der Serie.
Noch vor zwei Tagen knisterte es im Duell zwischen den Hannover Scorpions und den Selber Wölfen gewaltig, Emotionen schlugen hoch und das Eis brannte. Doch im dritten Aufeinandertreffen war die Spannung schneller verflogen als gedacht. Keine vier Minuten waren gespielt, da hatten die Hausherren bereits dreimal eiskalt zugeschlagen. Ein Schockstart für die Porzellanstädter, die den Beginn komplett verschliefen. Die Scorpions aus der Wedemark blieben spielbestimmend, kontrollierten das Geschehen und legten in einer fair geführten Partie noch zwei weitere Treffer nach. Erst als die Gastgeber merklich Tempo herausnahmen, fanden die Gäste zurück ins Spiel und verkürzten mit drei Treffern. Doch mehr als Ergebniskosmetik war das Comeback nicht mehr.
Ganz anders das Bild in den übrigen Serien – hier war Hochspannung angesagt. Im „Indianerduell“ legten die Hannover Indians einen Traumstart hin: Zwei blitzsaubere Konter, zwei Tore. Memmingen wirkte zunächst beeindruckt, fand nach einer Auszeit jedoch besser ins Spiel und verkürzte durch Felix Brassard noch vor der Pause. Doch die Niedersachsen blieben gefährlich: Fedor Kolupaylo nutzte in der 26. Minute eiskalt eine Unachtsamkeit und stellte den alten Abstand wieder her. Die Gastgeber bissen sich lange die Zähne aus, ehe ein Überzahlspiel neue Hoffnung brachte. Dann die Szene des Spiels: Milan Pfalzer musste nach einem Kniecheck mit Matchstrafe vom Eis. Doch ausgerechnet in Unterzahl schlug Memmingen zu – Nikita Krymskiy setzte sich stark durch und glich zum 3:3 aus. Die Halle tobte. Sechs Minuten vor dem Ende dann der große Auftritt von Markus Lillich: Ein Solo wie aus dem Lehrbuch, ein Abschluss mit Ansage – und die erste Führung für Memmingen. Hannover warf nun alles nach vorne, doch das Risiko wurde bestraft: Zwei Memminger Treffer ins verwaiste Tor besiegelten die bittere Niederlage.
In Deggendorf bekamen die Fans ein echtes Playoff-Drama serviert. Niklas Heinzinger brachte sein Team früh per krachendem Schlagschuss in Führung, doch Duisburg antwortete postwendend: Mit einem Doppelschlag innerhalb von nur 35 Sekunden drehten die Füchse die Partie. Deggendorf wirkte kurz geschockt, fing sich jedoch schnell und kam durch einen stark herausgespielten Treffer von Lars Bergbauer zurück. Es entwickelte sich ein intensiver Schlagabtausch mit hohem Tempo und viel Körperkontakt. Mit der Sirene des ersten Drittels entluden sich die Emotionen – erste Boxeinlagen inklusive. Auch im zweiten Abschnitt ging es zur Sache: Marcel Pfänder brachte sein Team in Unterzahl erneut in Front, doch Duisburg ließ sich nicht abschütteln und glich durch Philippe Sanche wieder aus. Chancen auf beiden Seiten, gefährliche Szenen vor beiden Toren, Playoff-Eishockey pur. Die Entscheidung musste in der Verlängerung fallen. In der 70. Minute dann die Erlösung für Deggendorf: der umjubelte Siegtreffer von Marco Baßler.
In Tilburg dominierten die Trappers das Geschehen von Beginn an. Zumindest statistisch: 12:3 Torschüsse nach dem ersten Drittel sprechen eine klare Sprache, doch der Puck wollte zunächst nicht ins Netz. Erst in der 28. Minute erlöste Kobe Roth die Fans mit dem Führungstreffer. Doch Bad Tölz zeigte Moral und setzte immer wieder gefährliche Nadelstiche. Sahanoglu tankte sich über links durch und bediente mustergültig Toms Prokopovics, der den Ausgleich markierte. Doch Tilburg antwortete prompt: Roth schnappte sich einen Puck nach einem Fehler der Gäste und netzte in Unterzahl erneut ein. Aber auch diesmal hielt Tölz dagegen und schlug keine 30 Sekunden später aus spitzem Winkel zurück zum 2:2. In der Schlussphase jedoch übernahmen die Hausherren endgültig das Kommando: Phil Marinaccio (49.), Ties van Soest (54.) und schließlich ins leere Gästetor noch einmal Marinaccio netzten im Schlussabschnitt zum 5:2-Endstand ein.
Michael Sporer