Todd Woodcroft
Foto: Jan-Malte Diekmann
UPDATE (17 Uhr): Eklat in den DEL2-Playoffs am Dienstag: Die Kassel Huskies gewannen das vierte Viertelfinalspiel bei den Lausitzer Füchsen mit 6:3 und errangen eine 3:1-Serienführung, doch Huskies-Trainer Todd Woodcroft trat die Rückreise nach Nordhessen mit einer Strafanzeige an. Der 53-jährige Kanadier, der in den letzten Wochen noch zum Trainerstab der slowakischen Nationalmannschaft bei den Olympischen Winterspielen zählte, soll den Weißwasseraner Stadionwirt Mario Pinter beim Eistraining am Vormittag mit der Kopf-ab-Geste bedroht haben. Zuvor habe Woodcroft Pinter zum Verlassen der Eisarena aufgefordert, um nicht zu „spionieren“. Ein Disput, der in der Halsabschneider-Geste resultierte, soll sich daraufhin entwickelt haben.
Füchse-Trainer Christof Kreutzer schnitt bei der Pressekonferenz an: „Ich überlege, wie ich es formulieren soll. Eins muss ich zuerst sagen: Ein paar Dinge, die Kassel vor dem Spiel gemacht hat – wenn sie glauben, dass das der richtige Weg ist, um erfolgreich zu sein, dann müssen sie das selber verantworten. Ist okay, wir haben das registriert.“ Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach sagte gegenüber der Lausitzer Rundschau: „Wenn ich eher davon erfahren hätte, dann hätte ich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Todd Woodcroft Hausverbot zu erteilen, damit er beim Spiel nicht hinter der Bande steht. Der Mann hat eine Trainerlizenz und damit auch Vorbildwirkung, was die Verhaltensregeln betrifft.“ Auch Pinter bestätigte den Vorfall gegenüber der Lausitzer Rundschau. Er hat bei der Polizei Strafanzeige gegen Woodcroft wegen Bedrohung gestellt.
Die Kassel Huskies äußerten sich am späten Mittwochnachmittag zu dem Vorwurf – und bestreiten diesen vehement. Sie vermuten vielmehr eine Fehlinterpretation Pinters, nachdem dieser wiederholt dazu aufgefordert worden sei, keine Videoaufnahmen vom Training der Nordhessen anzufertigen. Verwundert zeigen sich die Huskies darüber hinaus auch über die Chronologie der Ereignisse, da zwischen der Trainingseinheit und dem Spielbeginn ein Gespräch zwischen Woodcroft und Pinter stattgefunden habe, in dem aus Sicht des Trainers alle im Raum stehenden Vorwürfe ausgeräumt worden seien. Umso mehr überrasche die Strafanzeige nach Spielende. Für die Huskies sind die Vorwürfe „unbegründet und entsprechen nicht den Tatsachen", etwaige Rufschädigungen durch eine unzulässige Verdachtsberichterstattung werde der Club geltend machen.
DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch erklärte auf Nachfrage von Eishockey NEWS am Mittwochmorgen: „Wir wurden bereits gestern Abend vom Standort Weißwasser zu dem Vorfall in Kenntnis gesetzt, können ihn aber natürlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht werten. In Weißwasser hat man mit der Strafanzeige reagiert und ist erst einmal den Weg gegangen, der in einem solchen Fall angezeigt ist. Es handelt sich hier um einen Vorgang außerhalb eines offiziellen DEL2-Spiels und nicht unmittelbar zwischen den Verantwortlichen und Spielern der Clubs. Insofern muss man im ersten Schritt die Ergebnisse möglicher Ermittlungen abwarten.“ Ähnlich äußerte sich der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) auf Anfrage von Eishockey NEWS zur Situation: „Grundsätzlich wird sich der DEB zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zum Sachverhalt äußern. Im vorliegenden Fall müssen zunächst die Ergebnisse der behördlichen Ermittlungen abgewartet werden.“
Tim Heß/Sebastian Groß