Jochen Reimer
Foto: City-Press
Jochen Reimer ist zurück: Nach einer langen Verletzungspause aufgrund einer Hüftoperation stand der 30-jährige Nationalgoalie am Wochenende vor der jüngsten Nationalmannschaftspause erstmals in dieser Saison wieder im Aufgebot der Thomas Sabo Ice Tigers. Im Interview mit Eishockey NEWS spricht der zweimalige Torhüter des Jahres in der DEL über seinen Fitnesszustand, die ungewöhnliche Goalie-Konstellation in Nürnberg sowie die Perspektiven seines Clubs für die letzten acht Spieltage der DEL-Hauptrunde.
Herr Reimer, vor knapp zwei Wochen saßen Sie bei den Partien in Augsburg und gegen Krefeld erstmals immerhin wieder auf der Bank der Ice Tigers. Wie weit sind Sie physisch schon wieder?
Jochen Reimer: "Mir geht's super. Ich bin wieder bei 100 Prozent, sonst wäre ich auch nicht schon wieder in den Kader zurückgekehrt. Wie lange genau es dauern wird, bis ich meine Top-Form wieder erreiche, kann ich aber natürlich selbst noch nicht sagen. Im Training läuft es schon wieder sehr gut, aber im Spiel ist das selbstverständlich nochmal etwas anderes, und ich war auch noch nie so lange verletzt. Ich glaube aber schon, dass ich meine Form relativ schnell wiederfinden könnte."
Haben Sie denn bereits mit Ihrem Trainer Rob Wilson über das Thema Einsatzzeiten geredet?
Reimer: "Ja, es gab da schon Gespräche. Es ist in meinem Fall aber eben einfach so, dass ich jetzt seit Spiel vier im Playoff-Viertelfinale 2015 gegen Mannheim kein Spiel mehr bestritten habe und daher erstmal die Nummer drei in unserer Torhüter-Rangordnung bin. Natürlich erhoffe ich mir, dass ich in dieser Saison noch Einsatzzeiten bekomme, aber ich muss geduldig sein und auf meine Chance warten. Wenn sie dann kommt, werde ich bereit sein. Momentan denke ich aber von Spiel zu Spiel und bereite mich einfach immer so vor, als ob ich spielen würde."
Es kommt bei Ihrem Club nun zu der ungewöhnlichen Konstellation, dass mit dem nachverpflichteten Tyler Beskorowany, Andreas Jenike und Ihnen gleich drei Schlussmänner unter Vertrag stehen, die bereits gehobenes DEL-Niveau nachgewiesen haben. Wie sehen Sie als direkt Beteiligter diese Situation?
Reimer: "Für uns Torhüter ist das natürlich nicht einfach und nicht das, was wir wollten. Die Verletzungen von Andi Jenike und mir konnte aber natürlich niemand vorhersehen, und jetzt ist die Situation eben einfach so. Wir müssen versuchen, das Beste daraus zu machen. Ich denke, dass die Mannschaft von dieser Konstellation letztlich sogar profitieren wird, denn wir Torhüter werden uns gegenseitig pushen, und es wird immer ein hochmotivierter Goalie, der alles gibt, um seinen Platz zu behalten, zwischen den Pfosten stehen."
Eine ähnliche Torhüter-Konstellation gibt es in der DEL derzeit sonst allerdings nur in Hamburg mit Sébastien Caron, Cal Heeter sowie Dimitrij Kotschnew - und dort funktionieren die Goalies seit Wochen alles andere als optimal. Gibt einem das zu denken?
Reimer: "Uns sollte nicht interessieren, was bei anderen Clubs los ist. In Hamburg ist die Gesamtsituation auch eine andere. Schlussendlich ist es aus der Ferne aber auch einfach schwierig, die Lage bei anderen Clubs zu beurteilen. Als Außenstehender weiß man nicht, was genau vorgefallen ist und welche Versprechungen vielleicht gemacht wurden. Ich weiß nur, dass wir in Nürnberg drei Torhüter haben, die gut spielen wollen und können."
Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf die tabellarische Ausgangslage der Ice Tigers vor den letzten acht Hauptrundenbegegnungen: Auf Rang sieben hat Ihr Team bereits acht Zähler Vorsprung, bis zur Tabellenspitze sind es hingegen nur noch sechs Punkte. Geht der Blick der Mannschaft also nach oben in Richtung Heimrecht, oder bleibt das Hauptziel vorerst noch die direkte Qualifikation für die Playoffs?
Reimer: "Es wäre nicht angebracht, nur an ein Minimalziel zu denken, finde ich. Generell halte ich aber eigentlich nichts von irgendwelchen Rechnereien. Wir sollten nicht auf die Tabelle schauen, sondern einfach versuchen, das Bestmögliche aus dem Team herauszuholen, um jeden Punkt zu kämpfen und uns so gut auf die Playoffs vorzubereiten. Die Liga ist so eng, dass ohnehin alles passieren kann."
Interview: Stefan Wasmer