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Sonntag, 25. Februar 2018

55 Sekunden fehlen zu Gold Ein Eishockey-Wunder – ohne Happy End: Deutschland unterliegt im Overtime-Krimi mit 3:4 gegen Russland

Gold geht an Russland, Silber an Deutschland.
Foto: imago

55 Sekunden fehlten am Ende zum Sensations-Gold. Aber auch Silber ist mehr, als auch nur die kühnsten Optimisten zu träumen gewagt hatten. In einem packenden Duell mit der russischen Auswahl mussten die DEB-Helden am Ende eine 3:4-Niederlage nach Verlängerung einstecken. Die Overtime, eigentlich die Paradedisziplin der deutschen Mannschaft bei diesen Olympischen Spielen, hatte diesmal kein Happy End für die Mannschaft von Bundestrainer Marco Sturm parat. Mit dem Auftritt im Finale hat sich das deutsche Team dennoch in die Herzen der deutschen Wintersportfans gespielt.

Der erste Abschnitt sah leicht überlegene Russen, während sich das deutsche Team auf einzelne Nadelstiche verlegte. Ganz bitter das Ende der ersten 20 Minuten: Als die DEB-Auswahl in den Schlusssekunden des ersten Drittels die Scheibe nicht klären konnte, schlug der Puck nur 0,5 Sekunden vor der erlösenden Sirene im deutschen Tor ein. Hinter dem Gehäuse von Danny aus den BIrken hatte die Sbornaja die Scheibe erobert und Ex-NHL-Verteidiger Vyacheslav Voynov trocken aus dem Slot mit einem knallharten Schuss in den Winkel zur Führung für den Favoriten vollendet.

Doch das deutsche Team kam deutlich verbessert aus der Kabine, die Ansprache von Bundestrainer Marco Sturm hatte gefruchtet. Belohnt wurde der größere Mut der DEB-Auswahl im Offensivspiel in der 30. Minute. Felix Schütz brachte die Scheibe über rechts kommend mit der Rückhand vors Gehäuse der Russen, wo Patrick Hager lauerte. Doch der musste gar nicht mehr eingreifen, denn Koshechkin legte sich den Puck selbst ins Tor: Der vielumjubelte Ausgleich für Deutschland, der das Team endgültig zurück ins Spiel brachte.

Nachdem die Spannung im Schlussabschnitt von Minute zu Minute unerträglicher wurde, überschlugen sich in der 54. Spielminute die Ereignisse. Zunächst stellte Nikita Gusev auf 2:1 für Russland, der Rechtschütze hatte Danny aus den Birken aus spitzem Winkel an die Maske geschossen, von wo aus die Scheibe ins Tor sprang. Erneut ein unglücklicher Gegentreffer für die DEB-Auswahl.

Doch das deutsche Team kam gar nicht dazu, geschockt zu sein vom erneuten Rückstand. Nur zehn Sekunden später glich Dominik Kahun zum 2:2 aus - alles wieder offen in einer packenden Partie zwischen dem großen Favoriten aus Russland und der Überraschungsmannschaft des Turniers aus Deutschland.

Und - einfach unfassbar - es kam noch besser: Gut drei Minuten vor Spielende bewies Jonas Müller von den Eisbären Berlin ganz große Klasse: Der 22-jährige Youngster zockte sich durch die russische Defensive und netzt eiskalt zur 3:2-Führung für Deutschland ein. Zum ersten Mal an diesem Abend war die DEB-Auswahl dem Gold näher als die Olympischen Athleten aus Russland. Doch es sollte nichts werden, denn in Unterzahl kamen die Russen noch einmal zurück. Erneut war es Gusev, der in Weltklasse-Manier zum 3:3-Ausgleich einschoss - 56 Sekunden vor Spielende.

In der Overtime war die Spannung dann spätestens mit Händen zu greifen. Und es sollte nicht sein für das deutsche Team. Als Patrick Reimer in der 70. Minute wegen Hohen Stocks auf die Strafbank musste, schritt das russische Powerplay zur Tat. Und nach Pass von Gusev war es Kirill Kaprizov, der den goldenen Treffer für die Sbornaja erzielte. Die Olympischen Athleten sicherten sich damit das Einzige, was für sie zählte. Und für das deutsche Team auf ihrer unglaublichen Mission blieb am Ende eine Silber-Medaille, mit der unter keinen Umständen zu rechnen war. Ein Eishockey-Wunder - ohne Happy End.

Sebastian Groß

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

Deutschland - Russland

3:4 n.V. (0:1, 1:0, 2:2, 0:1)

Kader Deutschland: Aus den Birken - Ehrhoff, Boyle; Mo. Müller, Y. Seidenberg; Hördler, J. Müller; Krupp - Wolf, M. Goc, Reimer; Ehliz, Kahun, Mauer; Schütz, Hager, Macek; Kink, Fauser, Plachta;

Tore: 0:1 (19:59) Voynov (Gusev, Kaprizov), 1:1 (29:32) Schütz (Macek, Hager), 1:2 (53:21) Gusev (Kaprizov), 2:2 (53:31) Kahun (Mauer, Ehliz), 3:2 (56:44) J. Müller (Ehliz, Hördler), 3:3 (59:04) Gusev (Zub, Kaprizov - SH1), 3:4 (69:40) Kaprizov (Gusev, Voynov); Strafminuten: Deutschland 6, Russland 4; Zuschauer: 5.075.


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