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Freitag, 10. Januar 2020

„Gehe davon aus, dass ich noch ein paar NHL-Spiele bekomme“ Ausführliches Interview mit Nico Sturm: Viele Reisen, NHL-Einsätze und Gedanken an seinen neuen Vertrag

Nico Sturm im Trikot der Iowa Wild.

Nico Sturm befindet sich in seinem ersten vollen Profijahr und pendelt immer wieder zwischen den Iowa Wild in der AHL und den Minnesota Wild in der NHL hin und her. Neun Tore und acht Vorlagen gelangen ihm in 29 AHL-Spielen, in sechs Einsätzen in der NHL für die Minnesota Wild kam er auf zwei Vorlagen.

Herr Sturm, wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf Ihrer ersten Profisasion?
Nico Sturm: „Ich bin schon zufrieden. Es ist ziemlich genau das eingetreten, was ich erwartet habe. Vor Saisonbeginn habe ich schon gesagt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass ich Zeit in beiden Ligen verbringen werde und ich in der AHL anfangen werde, wenn alle fit sind. Ich hatte ein sehr gutes Camp und hätte vielleicht vom Leistungsstand schon in der NHL sein sollen, aber es war aufgrund der Vertragssituation der Spieler, die im Kader sind, kein Platz für mich.“

Wie lief es dann in der AHL?
Sturm: „Ich hatte in den ersten paar Spielen schon ein bisschen Anpassungsschwierigkeiten, es waren ja meine ersten Profispiele vom College kommend. Da hat es mit den Punkten am Anfang nicht so geklappt. Dann habe ich besser gespielt und auch immer mehr Eiszeit bekommen, die Trainer mussten mich auch erst kennen lernen. Im November und Dezember habe ich meine besten Spiele gemacht, dann sind auch die Punkte gekommen und der Callup in die NHL.“

Wie waren die Spiele für Sie?
Sturm: „Die, die ich in Minnesota gemacht habe, waren sehr gut. Es war wie im Camp, dass ich leistungsmäßig schon NHL spielen könnte, aber nun sind in Minnesota wieder alle fit und ich muss mich erst einmal hinten anstellen. Es gibt in beiden Ligen viel zu lernen. Es ist immer noch mein erstes Profijahr und ich kann auch in der AHL sehr viel lernen. Auch die Eiszeiten und meine Rolle sind sehr unterschiedlich, je nachdem, in welcher Liga ich eingesetzt werde.“

Wie sehen die Rollen aus? Worin liegendie Unterschiede zwischen AHL und NHL für Sie?
Sturm: „In der NHL spiele ich im Durchschnitt zehn bis 13 Minuten in der dritten oder vierten Reihe. Zuletzt war ich überwiegend mit Luke Kunin und Jordan Greenway in einer Shutdown-Rolle. Gegen Colorado hat uns der Trainer das ganze Spiel gegen die MacKinnon-Reihe spielen lassen, gegen die Islanders gegen Barzal. In der AHL habe ich ganz andere Eiszeiten, 18, 19 oder sogar 20 Minuten, spiele bei vier gegen vier oder drei gegen drei sowie bei Über- und Unterzahl. Aber in der NHL hat mich Bruce Boudreau auch in Unterzahl eingesetzt. Ich habe das Gefühl, dass er in den sechs Spiele Vertrauen zu mir aufgebaut hat. Zunächst war meine mentale Einstellung: so wenig Fehler wie möglich machen. Aber ab dem dritten, vierten Spiel habe ich dann überlegt, wie ich mehr nach vorne machen kann und man will ja auch anfangen, offensiv zu produzieren.“

Dreimal wurden Sie schon in die NHL hochgezogen. Das bedeutet viel Pendeln und reisen. Wie belastend ist das?
Sturm: „Damit muss man klarkommen! Ich war aber mental schon vor der Saison darauf eingestellt. Im letzten Monat war es aber sehr schwierig, da waren wir fast nur auf Reisen. Das ist das schwierigste. Ich war im Dezember überhaupt nur drei Tage zuhause. Erst waren wir mit Iowa zwölf Tage auf Roadtrip in Texas, dann war ich drei Tage zuhause, dann sind wir direkt weiter nach Kalifornien. Dort kam dann der Anruf, dass ich in die NHL darf. Ich bin direkt weiter nach Las Vegas geflogen, von dort aus ging es nach Arizona und Winnipeg. In Minnesota bin ich im Hotel geblieben und jetzt vor Kurzem erst wieder nach Des Moines zurück, wo ich eine Wohnung habe. Ich hatte die ganze Zeit nur ein paar T-Shirts und dieselbe kleine Tasche dabei. Wie gesagt: Am anstrengendsten ist das Reisen, im Gegensatz zur NHL, wo alle Flüge gechartered sind, ist das in der AHL schon ein bisschen beschwerlicher.“

Wie lief der Callup vor Ihrem Saisondebüt in Las Vegas? Da wird ein Flug gebucht und es geht los?
Sturm: „Wenn wir mit der AHL-Mannschaft unterwegs sind, sind grundsätzlich unsere Reisepässe mit dabei um auf Nummer sicher zu gehen, wenn der Anruf käme. Wir waren gerade in Ontario in Kalifornien als mein Trainer anrief und sagte: 'Du fliegst heute noch nach Las Vegas'. Dann bin ich geflogen und zack - am nächsten Tag war schon das Spiel. Das geht alles sehr schnell.“

Auch Ihr Manager Bill Guerin hat sich vor dem Callup gelobt, sprach darüber, dass man Ihnen lieber in der AHL viel Eiszeit geben wolle, anstatt sie in der NHL nur sporadisch einzusetzen.
Sturm: „Es ist wie gesagt mein erstes Jahr hier, ich bin noch ein junger Spieler. Aber ich denke, die wissen schon, was sie an mir haben. Das hat man an den Spielen gesehen, in denen ich da war. Das habe ich in den Gesprächen, die ich mit den Staff, den Trainern und den Scouts führe schon gemerkt. Es ist schon die Einstellung da, dass für mich in der Organisation ein langfristiger Plan da ist. Der Club denkt, dass ich über kurz oder lang fest in der NHL spielen werde. Für mich ist das ein Entwicklungsjahr, in dem ich sehr, sehr viel lernen kann – in beiden Ligen. In der AHL ist es das Offensivspiel, was meine größte Ausbaustelle ist, in der NHL kann ich Erfahrung sammeln.“

Das heißt, Sie gehen davon aus, dass Ihr Vertrag verlängert wird? Denken Sie schon daran?
Sturm: „Ja natürlich denke ich an die Verlängerung. Von den bisherigen Gesprächen gehe ich auch schwer davon aus, dass es so kommen wird. Ich bin ja ohnehin Restricted Free Agent, deshalb kann ja nicht nur ich das entscheiden, da hat ja auch der Club ein großes Mitspracherecht. Was ich so ich mitbekommen habe, habe ich eine hohe Wertschätzung im Club.“

Wo sehen Sie neben Ihrem Offensivspiel noch Verbesserungsbedarf?
Sturm: „Wenn ich auf meine Statistiken in der AHL schaue: Das ist mein erstes Jahr seit langer Zeit, dass ich mehr Tore als Vorlagen habe. Ich habe sehr viel an meinem Schuss gearbeitet und auch meinen Schläger verändert. Ich war eigentlich immer ein Spieler, der den Pass gesucht hat. Das hat damit zu tun, dass ich eigentlich nicht das größte Selbstvertrauen in meinen Schuss uns die Torgefährlichkeit hatte. Jetzt fühle ich mich schon viel wohler und in der offensiven Zone viel torgefährlicher. Aber das kann man in der offensiven Zone noch ausbauen: Wie oft schieße ich aufs Tor? Wann schieße ich aufs Tor? Wann passe ich die Scheibe. Letztes Jahr habe ich die Tormöglichkeiten einfach zu oft weggepasst.“

Zuletzt hatten Sie acht Torschüsse gegen Rockford und zweimal getroffen.
Sturm: „Genau, die beiden Tore gegen Rockford und danach noch eine Vorlage gegen Chicago. In den vergangenen Jahren waren meine Punkte aufgeteilt, ein Drittel Tore, zwei Drittel Vorlagen. Das ist nun die Bestätigung der Arbeit, die ich im Sommer gemacht habe, wenn man an solchen Kleinigkeiten arbeitet und es dann mit dem Toreschießen besser klappt.“

Auch Eric Staal hat Sie im Video-Interview bei uns gelobt und gesagt, dass Sie früher in der NHL sein werden, als Sie denken. Das war kurz vor Ihrer Berufung in die NHL.
Sturm: „Das habe ich erst mitbekommen, als ich schon den Callup in die NHL bekommen hatte und es dann bei Ihnen in der Zeitung stand. Es ist schon eine coole Sache, wenn solch wichtige und ältere Spieler in der Organisation das auch verfolgen und eine Wertschätzung für mich haben.“

Wie sehen dann Ihre Ziele für den Rest der Saison aus?
Sturm: „Ich gehe davon aus, dass ich noch ein paar NHL-Spiele dazubekomme. Vor der Saison habe ich gesagt, dass mein Ziel sein wird, so viele NHL-Spiele wie möglich zu machen. Das bleibt auch so. Wir haben hier in der AHL auch eine sehr gute Mannschaft, in den Playoffs Erfolg zu haben, wäre ganz schön. Auch in der NHL kämpfen wir mit Minnesota um die Playoffs. Da wird es eine knappe Sache.“

Interview: Michael Bauer


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