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Mittwoch, 10. Juni 2020

Ex-DEL-Profi Hyun schildert Rassismus-Vorfälle Straubings Sena Acolatse: „Meine Mutter und mein Vater wollten nicht, dass wir als schwarze Kinder in den USA aufwachsen"

Sena Acolatse (29)
Foto: imago images/kolbert-press/Ulrich Gamel

Das Schicksal des nach einem gewaltsamen Polizeieinsatz in Minneapolis verstorbenen Afroamerikaners George Floyd bewegt die Welt und hat in den USA, aber auch außerhalb der Vereinigten Staaten eindrückliche Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Dabei haben sich in den vergangenen Tagen auch zahlreiche große Namen aus der Eishockeywelt mit der schwarzen Community solidarisiert und sich mit ausführlichen Statements in den sozialen Netzwerken gegen Rassismus positioniert.

Mit Twitter- und Instagram-Beiträgen allein wird der Kampf gegen Rassismus allerdings nicht zu gewinnen sein. „Diese Statements sind schön, denn sie zeigen Unterstützung. Ich denke aber nicht, dass es den Unterschied machen kann, wenn Eishockeyspieler diese Dinge sagen. Es liegt an den Leuten in den Leuten in der Regierung und diesen Positionen, Systeme zu implementieren, um die Denkweise der Menschen zu ändern", sagt Defender Sena Acolatse vom DEL-Club Straubing Tigers dementsprechend auch im Interview mit Eishockey NEWS.

Darin spricht der 29-Jährige auch über einige persönliche Erfahrungen. „Der Grund, warum meine Mutter und mein Vater mit uns nach Kanada gezogen sind, war, dass sie nicht wollten, dass wir als schwarze Kinder in den USA aufwachsen", macht der in den Vereinigten Staaten geborene, allerdings in Kanada aufgewachsene Acolatse etwa den Unterschied zwischen den beiden nordamerikanischen Ländern deutlich.

 

 

Offen von seinen Erlebnissen berichtet auch Martin Hyun: „Nach dem Mauerfall war es nie eine Freude für mich, in den neuen Bundesländern zu spielen. Hier wurde ich oft von Gegnern und Zuschauern rassistisch beleidigt – unter anderem mit Rufen wie 'Schlitzauge!', 'Reisfresser' oder 'Spiel doch lieber auf dem Reisfeld!' Aber auch in Augsburg, als ich für die Krefeld Pinguine spielte, riefen die gegnerischen Fans asiatische Gerichte wie 'Nasi Goreng', um mich zu beleidigen. Das waren keine schönen Momente. Ich fühlte mich dem hilflos ausgesetzt. Niemand ergriff für mich Partei", erzählt der koreanischstämmige Ex-DEL-Angreifer im Gespräch mit Eishockey NEWS.

Hyun ist einer der Mitgründer des Vereins „Hockey is Diversity", der sich aktiv gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Diskriminierung einsetzt. Der 41-Jährige weiß daher genau: „Es reicht nicht aus, Social-Media-Trends zu folgen, nur weil es hip ist, durch einen Hashtag oder ein schwarzes Bild zu zeigen, dass man eine antirassistische Haltung hat. Man muss tiefer in die Materie gehen und verstehen, was Rassismus bedeutet und was struktureller Rassismus bedeutet und verursacht."

Umso erfreulicher sind folglich Beispiele wie Bostons Kapitän Zdeno Chara oder Star-Center Tyler Seguin von den Dallas Stars, die im Kampf gegen Rassismus nicht nur Social-Media-Statements veröffentlicht, sondern sich aktiv den Demonstrationen angeschlossen haben. „Ich denke, dass ich Menschen immer gleich behandelt habe, aber ich habe nun das Gefühl, dass ich eine Verantwortung habe, mehr zu tun", erklärt Seguin – und setzt mit seinem Engagement ein wichtiges Zeichen.


Die ausführlichen Interviews mit Sena Acolatse und Martin Hyun sowie eine Story über die Reaktionen aus der NHL auf die derzeitigen Geschehnisse in den USA lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der Eishockey NEWS, die ab sofort im Zeitschriftenhandel erhältlich ist!


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Notizen

  • vor 3 Tagen
  • Stürmer Roman Zap wird die Höchstadt Alligators nach einer Saison verlassen. Das gab der Oberligist bekannt. Der 22-Jährige suche eine neue Herausforderung. In 56 Spielen erzielte Zap 15 Tore und verbuchte zudem 19 Assists.
  • vor 4 Tagen
  • Matthew Pistilli bleibt bei den Stuttgart Rebels (Oberliga Süd) – und das gleich doppelt! Auch in der neuen Saison steht der 37-Jährige für das Team aus Baden-Württemberg auf dem Eis und geht gleichzeitig in sein zweites Jahr als Sportlicher Leiter des Clubs.
  • vor 6 Tagen
  • Die PENNY DEL hat die Anfangszeiten für die möglichen Spiele 5 und 6 im Viertelfinale festgelegt. Am 2. April würde ab 19.30 Uhr gespielt. Am 4. April würde so gestartet: 14 Uhr Ingolstadt - München, 15 Uhr Köln - Schwenningen, 16.30 Uhr Berlin - Straubing, 19 Uhr Bremerhaven - Mannheim.
  • vor 6 Tagen
  • Die Erding Gladiators und Stürmer Marc Schmidpeter gehen zur kommenden Saison getrennte Wege. Der 31-Jährige kam in der vergangenen Saison auf 18 Tore und 20 Vorlagen in 42 Spielen.
  • vor 7 Tagen
  • Don Granato trainiert die US-Männer bei der bevorstehenden A-Weltmeisterschaft in der Schweiz (15. bis 31. Mai). Der 58-Jährige folgt auf Ryan Warsofsky (San Jose Sharks), der die USA 2025 zu WM-Gold geführt hatte. Granatos bis dato letzte Station als Chef waren die Buffalo Sabres von 2021 bis 2024.
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