Die Besetzung der Podiumsdiskussion in Krefeld. Von links: Matthias Hafermann, Alexis Kamewe, Said Hakim, Martin Hyun, Stefan Geister, Marion Vanderweerd Kohl, Silvia Fiebig und Kristian Peters-Lach.
Foto: H.-G. Schoofs
Diskriminierung und Rassismus nehmen im Sport, insbesondere im Eishockey, sowohl in den Stadien als auch in den sozialen Medien immer mehr zu. Die Organisation „Hockey is Diversity“ setzt sich seit 2010 gegen diese Missstände ein. Der Gründer, Martin Hyun, geboren in Krefeld als Sohn koreanischer Gastarbeiter, verbrachte seine Jugend beim KEV und schaffte den Sprung ins DEL-Team der Pinguine. Heute ist er SPIEGEL-Bestsellerautor und zählt zu den bedeutendsten Stimmen in den Debatten über Vielfalt und Zugehörigkeit. Dem Eishockey ist er treu geblieben. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung“ organisiert Hockey is Diversity Charity-Eishockeyspiele. Am vergangenen Samstag traf das Team Hockey is Diversity in der Rheinlandhalle Krefeld auf die Krefelder Eishockey-Legenden und setzte damit ein starkes Zeichen für Toleranz, Inklusion und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Wir möchten nicht nur ein großartiges Eishockeyspiel bieten, sondern auch das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Vielfalt und Inklusion im Sport und in der Gesellschaft stärken. Durch dieses Event hoffen wir, Menschen zusammenzubringen und eine starke Botschaft gegen Rassismus zu senden“, sagte Martin Hyun.
Am Vorabend fand in der „Kulturrampe“ am Krefelder Großmarkt eine Podiumsdiskussion zum Thema „Vielfalt, Inklusion und demokratische Werte“ statt. Martin Hyun konnte hierfür interessante und kompetente Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner gewinnen. „Abende wie dieser sind ganz besonders. Alle Anwesenden teilen mein Engagement für die Themen Anti-Diskriminierung, Anti-Rassismus und Chancengleichheit“, erklärte Silvia Fiebig, Integrationsbeauftragte der Stadt Krefeld. Sport sei besonders für junge Menschen ein Weg, Barrieren abzubauen und Brücken zwischen verschiedenen Kulturen zu bauen. Kristian Peters-Lach, seit zwei Jahrzehnten Stadionsprecher in Krefeld und die Stimme der Pinguine, engagiert sich ebenfalls bei Hockey is Diversity. „Es ist katastrophal, in welche Richtung wir uns in der Gesellschaft bewegen. Dagegen möchte ich Haltung zeigen. Es geht nicht nur um Integration, sondern auch um Inklusion. Der Mensch steht für mich immer vor seiner Migrationsgeschichte.“
Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der beeindruckenden Diskussionsrunde, die selbst oder deren Familienmitglieder eine Migrationsgeschichte haben, gehörten auch Alexis Kamewe von Hockey is Diversity und Mitglied des Integrationsrats der Stadt Alsdorf bei Aachen, Marion Vanderweerd Kohl, die erste farbige Spielerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, Matthias Hafermann, Mitglied der Band Culcha Candela, die in einigen ihrer Songs Haltung gegen Diskriminierung und Rassismus zeigt, Stefan Geister, Gründer der Organisation „Vereinity e.V.“, die sich dafür einsetzt, dass in Vereinsstatuten Paragrafen verankert werden, die den Mitgliedern freie Meinungsäußerung gewähren, solange dies nicht auf Kosten anderer Menschen geht, sowie Said Hakim, Chef von ISS Ice in Frankfurt.
Das Charity-Spiel gewannen die Krefelder Legenden in der Rheinlandhalle vor 1.050 Zuschauern mit 11:6. Zum Team der KEV-Legenden gehörten unter anderem die Ex-Cracks Tommie Hartogs, Reemt Pyka, Klaus Micheller und Earl Spry. Verstärkung erhielten sie durch die Pinguine mit Alex Weiß, Marcel Müller und Philip Gogulla. Im Team Hockey is Diversity ragten die ehemaligen Haie Mirko Lüdemann und Jörg Mayr sowie Tino Boos von der DEG hervor. Martin Hyun bedankte sich bei den Spielern und Fans: „Ich werde nie vergessen, dass die Fans gerufen haben: ‚Martin, du bist ein Krefelder‘, als ich aufs Eis kam.“
H.-G. Schoofs