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Montag, 26. Januar 2026

Falken bitten um Hilfe Heilbronn: Finanzielle Lage sehr kritisch, Club erzürnt mit Mauertaktik die Fans

Etwas mehr als 1.600 Zuschauer waren am Sonntag zu den Heilbronner Falken gekommen. Sie sahen eine 1:3-Niederlage und warteten auf Antworten zur Zukunft des Vereins.
Foto: Marc Thorwartl

Seit Monaten schon wird über die finanzielle Lage der Heilbronner Falken spekuliert. Spekuliert deshalb, weil sich die Clubführung nur sehr selten öffentlich äußert. Auch nicht auf Nachfrage. Antworten zu Fragen, wie schlimm die Lage wirklich ist, erhielt die NEWS-Redaktion bis Sonntagabend nicht. Die Pressestelle ist nicht erreichbar und antwortet auch nicht auf Anfragen. Auch ligaintern ist der Club offenbar schwer zu erreichen, wie jüngst einer der Gegner feststellen musste, als er die Falken kontaktieren wollte, ob die Partie denn überhaupt stattfände. Es meldete sich nur die Mailbox.

Rückblick: Die Falken hatten im Juli 2025 die Lizenz für die Oberliga Süd erst mit Auflagen und nebst einem Abzug von sechs Punkten nachträglich erhalten. Unter dem Motto „Zukunft sichern“ war eine Crowdfunding-Kampagne gestartet worden, die rund 110.000 Euro erlöste und die Lizenz sicherte. Doch die Lage blieb (öffentlich) nur wenige Monate ruhig. Schon im Dezember bekannte die Falken-Führung, dass es weiter finanzielle Probleme gebe: „Die wirtschaftliche Situation ist extrem kritisch“, gab sie damals zu.

Dass sie das auch weiterhin ist, bestätigten die Falken mit einer Einladung an ihre Sponsoren am Mittwoch vorvergangener Woche. Per E-Mail (liegt Eishockey NEWS vor) hatten sie diese zu einem Treffen in den VIP-Raum am 16. Januar zwischen 12 und 17 Uhr geladen, baten allerdings, um vertrauliche Behandlung – was erst recht zu einem Leak führte. „Inzwischen sind wir an einem Punkt angelangt, wo (sic!) die bisherigen Aktivitäten, den Etat dieser Saison 25/26 sicherzustellen und die verbliebene Schuldenlast aus der Vergangenheit abzubauen, unsere Möglichkeiten übersteigen“, hieß es in der E-Mail, in der sie das Engagement der Fans im Sommer lobten und nun die Sponsoren um Hilfe anflehten. Man bat die Gönner, gleich noch eine Begleitperson aus ihrem Kreis mitzubringen, die möglichst den Geldbeutel öffnen soll.

Fans kritisierten das Vorgehen, Sponsoren leger per E-Mail einzuladen („Ihr wählt selbst ein mögliches Zeitfenster aus, wir sind da!“, stand in dem Schreiben), als dilettantisch. Zudem enthielt die Absichtserklärung zum Zahlen des Geldbetrags mehrere Fehler.

Die Verantwortlichen der „Fanszene Heilbronn“ kündigten daraufhin der Führung der GmbH um den geschäftsführenden Gesellschafter Franz Böllinger (auf den sich ohnehin die meiste Kritik der Fans konzentriert) das Vertrauen auf und drohten damit, „die letzte Stufe unserer Maßnahmen zu zünden“, sollte nicht bis spätestens 29. Januar die ganze Wahrheit über die finanzielle Lage öffentlich gemacht und klar gegenüber den Fans kommuniziert werden. Seit Tagen bereits kommentieren viele Fans jede Aktion der Falken in den sozialen Medien sarkastisch. Denn dort wird Business as usual gemacht: Hinweise auf die Spiele, Ergebnisse, Ankündigungen von PR-Aktionen. Fragen der Fans werden aber nicht beantwortet. 

Beim Heimspiel am Sonntag gegen Bad Tölz (ein knappes 1:3, es war die vierte Niederlage in Serie) unterstützten die Fans (mit 1.652 kamen mehr als 100 Fans weniger als im Schnitt) die Mannschaft, auch wenn es etwas ruhiger war als sonst. Die Geschäftsführung blieb von Schmährufen oder Plakataktionen verschont, Fragen zur Situation konnten bei der Pressekonferenz nicht gestellt werden – die Verantwortlichen waren nicht da.

Ein Sprecher des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) hatte bereits am Sonntagnachmittag auf NEWS-Nachfrage mitgeteilt, es lägen keine Informationen vor, dass die Falken einen Insolvenzantrag gestellt hätten. Sollte es tatsächlich eine Planinsolvenz mit Insolvenzplan (also Tilgung der Schulden) geben, dürften sie zwar weiter spielen und sich zur Folgesaison bei erfolgreichem Abschluss der Insolvenz wieder für die Oberliga melden. Eine Teilnahme an den Playoffs 2026 wäre aber nicht möglich. 

Heilbronner Insider sagen: Die aktuelle Woche werde entscheidend für die Zukunft des Clubs. Noch sei die Lage aber nicht vollends aussichtslos. Es gebe noch Chancen, die GmbH zu retten. Zu verifizieren bei den Falken war dies bis Redaktionsschluss am Sonntagabend aber nicht. 

Michael Bauer
 


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Notizen

  • gestern
  • Stürmer Julian Chrobot muss für die weitere dritte Phase der WM-Vorbereitung passen. Grund dafür ist eine Fingerverletzung, teilt der Deutsche Eishockey-Bund mit.
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  • Erstmals seit 1983 wird der 16-malige Titelträger Team Canada in diesem Jahr nicht am Spengler Cup in Davos teilnehmen. Die Gastgeber und der kanadische Verband konnten sich nicht rechtzeitig auf eine Vertragsverlängerung einigen, Ziel beider Parteien sei indes eine Rückkehr in der Zukunft.
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