Auch DEB-Offensivstar Leon Draisaitl hatte gegen die gewohnt robusten Letten einen schweren Stand.
Foto: City-Press
Im zweiten Olympia-Turnierspiel kassierte die DEB-Auswahl der Männer am Samstag in Mailand eine überraschende 3:4-Niederlage und verschlechterte damit ihre Chancen für den weiteren Turnierverlauf deutlich. Die direkte Viertelfinalqualifikation, die den drei Gruppensiegern und dem besten Staffelzweiten vorbehalten ist, ist nun kaum noch realistisch.
Im Vergleich zum 3:1-Erfolg im Auftaktspiel verzichtete Bundestrainer Harold Kreis auf Änderungen in seinem Lineup. Lettland indes tauschte im Tor: Elvis Merzlikins von den Columbus Blue Jackets, der schon gegen die USA (1:5) nach 40 Minuten vom zweiten NHL-Goalie im Team, Arturs Silovs von den Pittsburgh Penguins, abgelöst worden war, saß diesmal zunächst auf der Bank.
Das deutsche Team setzte sich in den Anfangssekunden gleich einmal in der lettischen Zone fest und hatte nach rund 90 Sekunden durch Wojciech Stachowiak auch die erste gute Chance (2.). Kurz darauf gelang Deutschland tatsächlich erneut die frühe Führung: Dominik Kahun schickte Lukas Reichel zentral zum Alleingang auf Silovs – und der gebürtige Nürnberger schloss eiskalt zum 1:0 ab (3.).
Insgesamt präsentierte sich das Spiel im Vergleich zur Dänemark-Partie zunächst ein wenig defensiver orientiert. Abschlüsse gerade der Letten waren zunächst rar. Gleichwohl hatte Eduards Tralmaks in der 12. Minute die erste gute Chance für Lettland, doch Grubauer parierte sicher.
Eine falsche Schussentscheidung von Kai Wissmann endete wenig später im Konter der Letten, bei dem Jonas Müller mit einem Foul an Sandis Vilmanis einen Abschluss verhinderte. Lettlands Coach Harijs Vitolins forderte gar Penalty, aber es gab das erste Unterzahlspiel für Deutschland im Turnier.
Und im Powerplay erwischten die Balten das DEB-Team nach einem Bully früh auf dem falschen Fuß. Zemgus Girgensons tauchte frei vor dem Tor auf und passte dann klug zu Dans Locmelis, der nur noch ins halbleere Tor einschießen musste (16.). Der Ausgleich hielt allerdings nur 68 Sekunden, denn der aufgerückte Lukas Kälble überraschte Silovs mit einem Flachschuss ins kurze Eck zum 2:1-Pausenstand nach dem ersten Drittel.
Im zweiten Drittel häuften sich zunächst die Strafzeiten – gerade beim deutschen Team, wobei in der 28. Minute dabei auch Pech dazu kam: Als Jonas Müller erneut auf der Strafbank saß, musste dann auch noch Tobias Rieder raus, der seinen zu Fall kommenden Gegenspieler allerdings gar nicht berührt hatte. Die 80-sekündige doppelte Unterzahl verteidigte Deutschland zunächst stark. Doch Dans Locmelis traf aus etwas spitzem Winkel am Ende doch noch mit einem akkuraten Handgelenkschuss exakt in den Torwinkel zum 2:2.
Danach erhöhte Deutschland sofort wieder den Druck, Leon Draisaitl tauchte in der 30. Minute frei vor Silovs auf, der diesmal aber Sieger blieb. Kurz darauf kam erneut der Superstar der Edmonton Oilers mit der Rückhand aus der Drehung nicht am Keeper vorbei (31.).
Wenig später gab es dann wieder Powerplay für das DEB-Team, in dem Tim Stützle an der Querlatte scheiterte (34.). Angriffswelle auf Angriffswelle rollte nun auf Silovs, doch immer wieder agierten die deutschen Akteure ein wenig zu verspielt – oder einen Tick zu ungenau, so wie 55 Sekunden vor der Sirene erneut Stützle, dessen Direktabnahme nur knapp am Tor vorbeiging (40.).
Mit dem Remis ging es schließlich ins Schlussdrittel, in dem Deutschland weiterhin gute Chancen vergab. Rieder scheiterte in nur leichter Bedrängnis frei vor dem Tor an Silovs (43.). Und es ging weiter: Der vor dem Tor von JJ Peterka freigespielte Stützle wurde im letzten Moment noch entscheidend beim Abschluss gestört (47.). Auch ein weiteres Powerplay brachte keinen Erfolg.
Lettland wurde ab und an durch Konter gefährlich und bestrafte die deutsche Nachlässigkeit in Sachen Chancenverwertung in der 49. Minute eiskalt, Tralmaks überwand Grubauer mit einem Schuss in den linken oberen Torwinkel (49.). Das deutsche Team wirkte anschließend ein wenig geschockt, die Letten dagegen aufgekratzt. Und bei einem weiteren Angriff hatte Renars Krastenbergs viel zu viel Platz vor dem Tor und überwand Grubauer nach cleverem Zuspiel von hinter dem Tor von Kaspars Daugavins zum 4:2 (52.).
Danach fiel dem deutschen Team nicht mehr viel ein, während Lettland in den Zweikämpfen hellwach wirkte. Knapp drei Minuten vor der Schlusssirene nahm Kreis Grubauer zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Und was zuvor in Überzahl nicht gelungen war, klappte jetzt: Ein noch abgefälschter Schuss von Stützle fand prompt ins Tor zum Anschlusstreffer (57.). Fast genau eine Minute vor Ende rettete Silovs danach nach einem Versuch von Reichel gerade noch und rettete seinem Team so den Sieg.
Bereits am Sonntagabend (21.10 Uhr) bestreitet die DEB-Auswahl ihr drittes und finales Gruppenspiel gegen Turniermitfavorit USA. Lettland spielt zuvor (19.10 Uhr) gegen Dänemark.
Joachim Meyer