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Montag, 16. Februar 2026

50 Jahre und acht Jahre danach Glückliche Helden: Bronzeteam von Innsbruck feierte in Landshut mit Silbermedaillengewinnern von Pyeongchang

Die anwesenden Bronzegewinner und Silberhelden. 
Foto: Christine Vincon

Ein Blick in das Gesicht von Ernst Köpf reicht. Der von Alois Schloder liebevoll „unser Alterspräsident“ genannte ehemalige Top-Stürmer aus Füssen hat mitten unter seinen Mitspielern von 1976 sitzend den ganzen Abend über ein breites Lachen auf den Lippen. Er scherzt an der Seite von Erich Weishaupt und Erich Kühnhackl, und umarmt seine Mitspieler von damals. „Ich bin wirklich stolz“, sagt er in einer Pause im Gespräch mit Eishockey NEWS, „obwohl ich eigentlich nicht der Typ bin und an so was hänge. Aber das ist jetzt 50 Jahre her! 50 Jahre! Und die Bilder, als wir die Bronzemedaillen umgehängt bekamen, waren heute so klar. Das hat mich wirklich glücklich gemacht. Ich bin jetzt 86 Jahre alt und darf so etwas noch erleben!“

Als bei der von Kapitän Schloder organisierten Gala der Medaillenteams von 1976 und 2018 am Samstagabend in Landshut Franz Reindl (der kurz zuvor zusammen mit Peter Merten aus Mailand eingeflogen war, wo er das 3:4 Deutschlands gegen Lettland verfolgt hatte) einen aktuellen Spielpuck aus Mailand an denjenigen auslobt, der am schnellsten den Torschützen des vierten deutschen Tores beim entscheidenden Spiel gegen die USA herausschreien würde, ist es Köpfs Sitznachbar Weishaupt, der sofort „der Gori!“ (das ist der Spitzname von Köpf) ruft – wie viele andere auch. Der meint in jenem Moment nur, er habe damals erst nachsehen müssen, ob der von ihm im Hechtsprung über die Linie gedrückte Puck auch drin gewesen war. 

War er. 4:1 – der Rest ist Geschichte. Die erst noch nicht so ganz klar ist: „Dreimal sind Leute in die Kabine gekommen und haben gesagt: Ihr habt sie erreicht“, erinnert sich Köpf. „Und dreimal haben wir die Leute rausgeschmissen! Und ich hab mich dann noch mit dem Lenz Funk in der Kabine gestritten, weil wir ein, zwei Minuten vorher eine Möglichkeit hatten, das fünfte Tor zu erzielen“, gibt Köpf zu, dass da eine „ziemliche Streiterei“ in der Kabine herrschte, weil alle der Meinung waren, nur ein 5:1 bringe Bronze. Funk hatte damals selbst den Abschluss gesucht, nicht auf den besser postierten Köpf gepasst. 

Bilder von der Gala in Landshut (6 Einträge)

 

Wenig später ist aber errechnet: Deutschland hat dank des besseren Torquotienten die Bronzemedaille gewonnen. Der anfängliche Ärger verwandelt sich in Freude. Es gibt Bier. Für Udo Kießling eines zu viel, wie er nun 50 Jahre später grinsend auf der Bühne erklärt. 

Schloder hat bei der Gala, zu der unter anderem auch der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (dessen Ehefrau Irene Epple-Waigel 1980 Silber im Riesenslalom gewinnt und mit vielen aus der damals anfeuernden Skifahrerriege ebenfalls bei der Gala dabei ist), der bayerische Landtagsvizepräsident Alexander Hold und der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (damals noch als Journalist über die 0,041-Torquotientenmedaille berichtend), tief in die Emotionskiste gegriffen. Zur Eröffnung gibt es Live-Fanfaren, Videobilder erinnern an die 2023 verstorbene Rosi Mittermaier (es gibt großen Applaus im Publikum), die ebenfalls fester Bestandteil des Eishockey-Skifahrer-Bundes war. Auch der nicht mehr lebenden Eishockey-Kollegen von damals – Trainer Xaver Unsinn, Kehle, Funk, Rudi Thanner und Ferenc Vozar – wird gedacht.

Und dann kommen die Tore aus dem USA-Spiel und die gesamte Siegerehrung, die den 76ern beim Anblick ihres 50 Jahre jüngeren Ichs so manchen Jubel, hier und da ein Raunen und viele liebevolle Blick entlocken. Moderator Tom Meiler scherzt mit Kühnhackl, weil er damals Kaugummi kauend aufs Podest gestiegen war – und findet die Brücke zu 2018. Damals ehrt er mit Schloder die Silberhelden von Pyeongchang als Mannschaft des Jahres, begrüßt zunächst galant Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und hält sich dann bei der Rede gekonnt zurück. Kühnhackl schmunzelt auf seinem Platz.

Bilder von der Gala in Landshut (4 Einträge)

 

76er-Laudator Hold, der sich selbst als den „wohl schlechtesten Mitspieler“, den Schloder jemals hatte, bezeichnet (beide spielten schon mehrfach bei Einladungsspielen zusammen), meint nur: „Ihr habt Geschichte geschrieben. Die Bronzemedaille ist ein Symbol, dass Leidenschaft  Grenzen überwinden kann, dass harte Arbeit am Ende belohnt wird und dass man mit Herz und Charakter mehr erreichen kann als manche einem zutrauen.“ Dabei spielt er darauf an, dass NOK-Chef Willi Daume dem Team damals geraten hatte, doch zuhause zu bleiben. Das spornte aber damals erst so richtig an. Ex-DEB-Präsident Reindl spricht von unbändigem Teamgeist und Zusammenhalt. Den man auch 50 Jahre später am 76er-Tisch sieht, hört und spürt.

Bei alldem kommen sich Patrick Reimer und Co. „fast wie Zaungäste“ vor, sagt der DEL-Rekordspieler. Auch Köpf meint, alles sei an diesem Abend fast nur auf 1976 ausgelegt. „Dabei ist Silber doch auch der Wahnsinn!“ Doch auch für Reimer, Marcel Goc und Christian Ehrhoff hat Schloder nicht nur die emotionalen Bilder vom verlorenen Finale gegen Russland dabei, sondern auch Partybilder aus dem deutschen Haus mit der damals als DJane agierenden Lindsey Vonn. Wie 1976 also: Eishockey und Skifahrer. Vom damaligen Bundestrainer Marco Sturm wird ein Videogruß eingespielt. „Ihr wart der Wahnsinn, ich bin einfach nur stolz, Teil der Mannschaft gewesen zu sein“, strahlt er.

Organisator Schloder, der die Veranstaltung über ein Jahr geplant hatte, strahlt ebenfalls den ganzen Abend über. Jemand legt ihm nahe, doch als Nächstes nach den beiden erfolgreichen Landshut-Chroniken unbedingt auch eine der Nationalmannschaften machen. Mindestens 5.000 Seiten lang. „Wenn man sieht, welche Gaudi die heute haben und welches Teamgefühl nach so langer Zeit vorhanden ist, hoffe ich wirklich, dass auch wir in 42 Jahren da zusammen stehen“, meint Reimer. Goc, 2018 Kapitän, sagt, er wisse noch nicht, wer für das zehnjährige Jubiläum in zwei Jahren zuständig sein wird. „Aber ich habe da ja meine Assistenten.“

Ein anderer sagt, man werde dank Schloder noch weitere solcher Jubiläumsfeste erleben. Viele Eishockeyhelden würde das so glücklich machen, wie Ernst Köpf am Samstag.

Michael Bauer


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Notizen

  • vor 11 Stunden
  • Im Spiel um Platz 3 beim Turnier in Pardubice gewann am Sonntag Köln gegen Straubing mit 5:1. Gregor MacLeod, Louis-Marc Aubry, Veli-Matti Vittasmäki, Nate Schnarr und Jan Luca Sennhenn trafen für die Haie. Marcel Brandt erzielte das Tor der Tigers.
  • vor 2 Tagen
  • Die Dresdner Eislöwen haben ihr Testspiel am Samstag im tschechischen Litvinov mit 4:2 gewonnen. Die Tore für den abstiegsgefährdeten DEL-Club erzielten Travis Turnbull, Tomas Sykora, Rourke Chartier und Tomas Andres.
  • vor 2 Tagen
  • Die Kölner Haie (1:2 n.V. gegen den SC Bern) und die Straubing Tigers (2:3 gegen Dynamo Pardubice) haben ihre Halbfinals beim Hockeytown Cup im tschechischen Pardubice verloren und treffen am Sonntag (14 Uhr, kostenpflichtiger Livestream unter hockeytowncup.cz) im Spiel um Platz drei aufeinander.
  • vor 4 Tagen
  • Weißwassers Stürmer Nikita Knaus verletzte sich bei seinem Einsatz für die U19-Nationalmannschaft und wird den Rest der Saison ausfallen.
  • vor 6 Tagen
  • Julian Wäser wird den Hannover Indians am Freitag im Oberliga-Nord-Spiel gegen die Füchse Duisburg fehlen. Der Verteidiger ist nach seiner zweiten Fünf-Minuten-Strafe wegen Fighting in dieser Saison automatisch gesperrt.
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