Essen spielte sich bisher nicht nur souverän durch die Hauptrunde, sondern auch mit zwei Sweeps ins Finale der Regionalliga West.
Foto: Dirk Unverferth
Die erste Saison der Eagles Essen-West ist auch vor dem Finale noch nicht in ruhige Fahrwasser angekommen. Kurz vor dem ersten Spiel der Serie der Regionalliga West gegen die Ratinger Ice Aliens am Freitagabend (20 Uhr, Best-of-five-Serie) gab es erneut Unruhe um die mögliche Aufstiegschance. „Wir haben den Aufstieg vom LEV zum DEB juristisch prüfen lassen. Es gibt keine Verträge oder schriftliche Absprachen in dem Punkt, uns den möglichen Aufstieg zu verwehren“, sagt Thomas Böttcher, Präsident der Eagles.
„Nachdem Ratingen jetzt im Finale steht, sind wir eigentlich bereits sportlicher Aufsteiger aber wir müssen auch erst einmal unsere wirtschaftlichen Hausaufgaben erledigen“, fährt Böttcher fort. „Bisher mussten wir nur unsere Aufstiegsambitionen bekunden und das haben wir entsprechend getan. Es war und ist noch ein schmaler Grat. Zum einen wurde noch einmal gesagt, man lässt uns nicht aus der Liga, zum anderen haben einige Vereine bekundet, bei einer weiteren Saison wie die aktuelle die Liga zu verlassen. Das Wichtigste ist für den Verband wohl, eine gute Struktur in der Liga zu haben und eine Liga präsentieren zu können, die mindestens zehn Mannschaften hat und die wird sie ohne Essen ja haben. Klar ist, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, durch den sportlichen Erfolg der Ratinger. Trotzdem sind die Finalspiele für uns sehr wichtig. Wir freuen uns auf die Spiele.“
Ein Jahr nach der Insolvenz und dem Gang von der Oberliga in die Regionalliga soll nun der Sprung zurück in die Drittklassigkeit gelingen. Doch Böttcher stellt auch klare Bedingungen: „Wir werden alles dafür tun, dass wir im Mai die Lizenzierungsunterlagen einreichen können. Wir werden das aber tatsächlich nur machen, wenn es wirtschaftlich auch passt. Ich bin zuletzt damit böse aufgelaufen und wir wollen einfach Dinge besser machen und müssen die Basis, also die Sponsoren, besser aufstellen. Trainer und Mannschaft haben die Voraussetzungen geschaffen, jetzt ist es an uns im Vorstand, alles dafür zu tun, damit die wirtschaftliche Basis geschaffen wird und wir und sicher in der Oberliga bewerben können.“
Die wirtschaftliche Lage für die Regionalliga sei sehr gut gewesen und habe sich immer weiter entwickelt. „Wenn ich mich an den Start und das erste Fan-Meeting zurück erinnere, habe ich selbst die Aussage gemacht, wir wollen uns erst einmal in der Liga etablieren, weil wir ja gar nicht wussten, wie werden wir überhaupt angenommen. Wir haben mit 500 Zuschauern geplant und dann gesehen, welche Dynamik das Ganze annimmt.“ Bei Hauptrundenende betrugt der Schnitt mehr als 1.500, auch in den Playoffs konnte dieser Schnitt knapp gehalten werden In Runde eins gegen die klar unterlegenen Wiehl Penguins (Torverhältnis 42:4) war das Interesse aber weniger stark als in Runde zwei gegen Diez-Limburg (21:5). Beide Serien gingen mit 3:0 an Essen.
Eagles-Boss Thomas Böttcher.
Foto: Dirk Unverferth
Man habe die Planung im Laufe der Saison immer wieder anpassen können. „80 Prozent der Partner sind uns treu geblieben. In der Regionalliga natürlich zu reduzierten Bezügen, aber ein Überschuss durch die Zuschauerzahlen ließen Änderungen zu“, erklärt Böttcher. Schatzmeister Julian Goßen ergänzt: „Mit 500 Zuschauern im Schnitt haben wir geplant und nicht mit mehr, um am Ende auf mehr zu hoffen, was fahrlässig wäre. Somit hatten wir mehr Einnahmen durch Zuschauer und etwas weniger durch Sponsoren.“
Jetzt steht man im Finale und hat die sportliche Qualifikation für einen Aufstieg bereits erreicht, da Ratingen keinen Aufstieg in die Oberliga wagen wird: „Für die Finalspiele erwarten wir doch 2800 oder vielleicht auch mehr Zuschauer pro Spiel. Natürlich ist auch das Geld noch nicht verplant. Zu den Finalspielen haben wir die Essener Politik eingeladen, damit sie auch sehen, wie wir uns entwickelt haben und wie die Stimmung in der Eishalle aktuell ist und sie sehen, dass es sich lohnt, die Eagles zu unterstützen“, sagt Böttcher
Sportlich wird das Finale Spannung bieten und der Respekt vor Coach Frank Gentges als Vater des Ratinger Erfolges ist, ist groß. Zweimal in Folge gewannen die Ice Aliens zuletzt den Titel. „Ratingen ist der Titelverteidiger und Frank Gentges ist ein Trainerfuchs“, sagt Böttcher. „Sie werden uns das Leben nicht leicht machen und es ist der Gegner, gegen den wir die einzigen zwei Punkte abgegeben haben und die uns bisher geschlagen haben. Trainer und Mannschaft wissen, dass es eine Herausforderung wird.“
Die finanzielle Unterdeckung in der Nachwuchsabteilung haben man inzwischen auch im Griff, sagt Böttcher: „Der Etat der Jugend war immer ausgeglichen, das war aber nur durch die Zuwendung von Team Talente Essen e.V. so.“ Seit Oktober sei klar, dass das Geld (rund 50.000 Euro) zunächst nicht kommen wird. „Durch die Mehreinnahmen bei den Zuschauern hatten wir natürlich die Möglichkeit, den Nachwuchs finanziell zu unterstützen. Das finanzielle Loch von den fehlenden Zuwendungen TeamTalente konnte durch die Einnahmen der 1. Mannschaft aufgefangen werden. Leider bin ich davon ausgegangen, dass TeamTalente mit Unterstützung von Oberbürgermeister Thomas Kufen unkompliziert läuft, aber es legt eben nicht Thomas Kufen die Vorgänge fest, sondern es ist ein eingetragener Verein und da regelt es der Vorstand im Sinne der Satzung das Vorgehen.“ Ab April werde man aber wieder mit Fördergeldern unterstützt. „Die Gelder, die im letzten Jahr im Winter einplant waren, sind bei TeamTalente zunächst eingefroren, da haben wir keinen Zugriff drauf.
Für die Zukunft sei mehr Eis, also Eisflächen für die Trainingseinheiten nötig. Nur dann kann eine weitere Entwicklung stattfinden. Derzeit ist man an der Grenze. „Wir haben ausreichend Kids im Nachwuchs, aber mehr ist kaum möglich.“
„Der letzte Sommer war eine Herausforderung für alle. Die bist quasi mit einem neuen Produkt von 0 auf 100 gestartet. Unser primäres Ziel war es, den ganzen Nachwuchs zu platzieren, dafür haben wir eine Menge getan. Es war ein großer Aufwand über viele Wochen. Jetzt müssen wir weiter an den Strukturen im Verein arbeiten. Es gibt einige Dinge die man effizienter und besser machen kann, denn noch sind weiterhin ein Ehrenamt geführter Verein. Nach dem doch chaotischen Sommer haben wir jetzt auch Zeit um Dinge von außen zu bewegen, sie nach vorne zu bringen und auf Politik und Wirtschaft zu zu gehen.“
Die Klage von Juris Kruminsch bleibt weiter offen und wird aktuell von den Eagles geprüft. Dabei geht es um ausstehende Gelder aus dem Jahr 2010. „Die Moskitos Essen, in der Verantwortung vom damaligen Jugendwart und dem damaligen Vorstand, an dem ich damals nicht beteiligt war, stehen in der Haftung. Die Jugendabteilung hat sich damals eigenständig verwaltet.“ Drei Termine haben bereits im Beisein von Böttcher stattgefunden unter anderem wurde die Klageschrift auf die Eagles erweitert. Beim vierten Termin ging dann keine Vorladung an die richtigen Adressen, bzw. gingen erst gar nicht im Falle der Eagles raus. Im Nachhinein stellte sich auch heraus, dass die Eagles Essen-West noch gar nicht alle Eintragungen vom Amtsgericht für die juristischen Personen im Vorstand bestätigt bekommen hatten. Jetzt werde geprüft, ob man ein Wiederaufnahmeverfahren anstreben kann.
Dirk Unverferth