Robbie Czarnik (links) und die Ravensburg Towerstars empfangen zu Spiel 7 der Playoff-Viertelfinalserie erneut die Bietigheim Steelers.
Foto: Kim Enderle
Am Dienstagabend ringen die Ravensburg Towerstars und die Bietigheim Steelers in Spiel 7 der DEL2-Viertelfinalserie um den Einzug ins Playoff-Halbfinale. Dabei gehen die Steelers, die als Aufsteiger ohnehin eine starke Saison absolvieren und dabei auch zahlreichen Widrigkeiten trotzten, mit ordentlich Rückenwind und ohne großen Druck in den Showdown in der CHG Arena. Angeführt vom Dreifachtorschützen Cole Fonstad wehrte das Team von Trainer Alexander Dück am Sonntag bereits einen Matchpuck ab – trotz 0:2-Rückstand sowie dem Ausfall von Topstürmer Brett Kemp. Und doch funktionieren die Reihenkonstellationen im Sturm. „Das erwarte ich auch mittlerweile“, so Dück, der auch betonte: „Die Jungs haben Ehrgeiz und Kampfgeist gezeigt und verdient den Sieg geholt.“ Den Grundstein legte Fonstad, der schon über die ganze Serie nicht zu stoppen ist. In sechs Partien kommt der kanadische Steelers-Stürmer auf neun Tore und 17 (!) Scorer-Punkte.
Auf Seiten der Towerstars avancierte Robbie Czarnik zuletzt zum erfolgreichsten Playoff-Scorer der DEL2-Geschichte, löste mit Matt McKnight ausgerechnet eine Steelers-Ikone ab. In seinen 94 Playoff-Einsätzen sammelte Czarnik 51 Tore und legte 53-mal auf, in der Summe also 104 Punkte. Beeindruckend dabei: 101 Zähler waren es allein für die Ravensburg Towerstars. „Ich wusste, dass ich in der DEL2-Allzeit-Statistik nicht allzu weit von Tyler McNeely weg bin, aber dass es für die Playoffs eine eigene Wertung gibt, hat mich schon überrascht und geehrt“, sagte Czarnik, der beim dramatischen 4:5 nach Verlängerung am Sonntag jedoch ohne Punkt blieb. In der Tat ist der 2008 von den LA Kings in Runde drei gedraftete Stürmer inzwischen eine Institution in der DEL2. Neben seiner Fähigkeit, die Entstehung von Torchancen förmlich zu riechen, ist Robbie Czarnik vor allem schuss- und stocktechnisch stark und unberechenbar. Spieler wie er werden nun gefragt sein, wenn die Rekordserie (sechs Spiele, fünfmal Verlängerung) am Dienstagabend gipfelt.
Während die Krefeld Pinguine, die Eisbären Regensburg und die Kassel Huskies, die ab Donnerstag gegen den Sieger der Bietigheim/Ravensburg-Serie antreten werden, auf den Halbfinal-Startschuss warten, bahnt sich auch in den Playdowns eine Entscheidung an. Der ESV Kaufbeuren liegt in Runde zwei gegen Weiden mit 0:2 zurück, ist in den Playdowns weiterhin sieglos. Den Blue Devils fehlt hingegen nur noch ein einziger Sieg zum DEL2-Klassenerhalt. Besonders die Art und Weise der 1:3-Heimniederlage am Sonntag nahm den Joker-Fans wohl die letzten Fünkchen Hoffnung. Um wenige Minuten vor halb acht endete die Partie, Kaufbeurer Fans verließen bedröppelt das Stadion. Die Stimmung: Zu vergleichen mit der auf dem Heimweg von einer Beerdigung, selbst Musik lief keine mehr im Stadion. Noch einmal einige Minuten später drückte das Medienteam auf Senden und eine Pressemitteilung ging ins Netz: Die Joker seien „endgültig an den Abgrund“ gerutscht, heißt es darin. Es hilft kein Schönreden: In Kaufbeuren wird – zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit – in den kommenden Tagen eine 17 Jahre lang andauernde Zweitliga-Ära zu Ende gehen.
Lisa Taduschewski/Frank Enderle/Manuel Weis