Nach dem Check mit Verletzungsfolge und Hitzigkeiten ließen die Teams aus Ingolstadt und München die verbleibende Spielzeit herunterlaufen.
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Zur Sperre der PENNY DEL für Fabio Wagner ein Kommentar von Redakteur Martin Wimösterer, der findet: Die PENNY DEL hat mit der Sperre eine neue Messlatte gesetzt. Daran muss sie sich nun messen lassen. Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder.
Der DEL-Disziplinarausschuss hat am Mittwochabend Fabio Wagner vom EHC Red Bull München gesperrt. Er muss 14 Spiele und in jedem Fall bis zum Ende dieser Playoffs zusehen. Es könnte damit theoretisch die längste Sperre in der Ligageschichte werden. Den unpopulären Rekord hält Martin Reichel, der 2005 nach einer Tätlichkeit gegen einen Schiedsrichter 15 Spiele zusehen musste.
Es war korrekt, gegen Wagner eine lange Sperre auszusprechen. Dabei durfte es auch keine Rolle spielen, dass Wagner ein verdienter DEL-Spieler ist, der auch bei der Nationalmannschaft ein Leistungsträger ist und zu WM-Silber 2023 beitrug. Es sollte einzig um das Foul gehen. Wagner hatte im vierten Viertelfinalspiel beim ERC Ingolstadt einen Check gegen den Kopf- und Nackenbereich gefahren, bei dem sich Gegenspieler Edwin Tropmann verletzte.
Wegen der Vehemenz des Checks, der Verletzungsfolge und dem Verdacht, dass hier gegen Spielende ein Zeichen gesetzt werden sollte, hatte man ein härteres Urteil als in anderen Fällen mit Checks gegen den Kopf- und Nackenbereich auch erwartet. Dennoch hat der finale Spruch dann in seiner Härte doch überrascht.
Nicht falsch verstehen: Scharfe Sperren seitens der DEL-Gremiums sind grundsätzlich durchaus zu befürworten. Schon allein wegen der Spielergesundheit. Dazu kommt: Die Liga respektive ihre Clubs hadern einerseits mit steigenden Abgaben an die Berufsgenossenschaft. Andererseits hat sie, sagen Kritiker aus dieser Ecke, wenig getan, um Kopfchecks zu mindern und verweisen auf das milde Strafmaß in vielen Fällen. Kopfverletzungen sind – und das ist im Sportartvergleich nur im deutschen Eishockey so – unter den Puckjägern die am häufigsten verletzte Körperregion. Das ist im VBG Sportreport 2025 nachzulesen. Die durchschnittliche VBG-Leistung pro erlittener Verletzung fällt im Eishockey höher aus als im Fußball, Basketball und Handball.
Die DEL hat insofern mit Wagners Sperre die Messlatte für Checks gegen den Kopf- und Nackenbereich neu gesetzt. Daran muss sie sich nun auch messen lassen. Ob die Liga die Konsequenz zeigt, muss sich erst zeigen. Denn in derselben Pressemitteilung wird auch das Urteil gegen Jeremy McKenna verkündet. Der Stürmer hatte sich ebenfalls eines Checks gegen den Kopf- und Nackenbereich schuldig gemacht. Er erhielt zwei Spiele Sperre. Das war wieder der alte Standard, wie er auch bei Morgan Ellis' Check mit Verletzungsfolge für Ryan Murphy zuvor in der Serie Anwendung gefunden hatte: ein Spiel Sperre. Und bei aller Unterschiede der Aktionen, etwa in Sachen Tempo: Die Diskrepanz der Strafmaße ist enorm. Es bleibt der Eindruck, dass die Liga – die ansonsten auch nicht mit Pressemitteilungen Sperren vermeldet – sich im Fall Wagner unter dem Druck der öffentlichen Empörung veranlasst sah, ein Signal zu setzen.
Diskussionen gab es unter den Fans auch, ob nicht auch weitere Spieler der Münchner in dem eskalierten Spiel hätten gesperrt werden müssen. Gerade das Beispiel Dillon Heatherington wird hier immer wieder genannt – er habe grundlos auf Ingolstadts Ellis, der den Kampf nicht annahm, eingeprügelt. Ellis hatte aber vorausgehend, da war die Partie wegen einer anderen Hitzigkeit bereits unterbrochen, einen Schlagschuss aufs Münchner Tor losgelassen. Insofern kann man eine Reaktion aus dem Spiel heraus vertreten.