Lange Gesichter bei den Passau Black Hawks um Kapitän René Röthke (43): Die Zukunft des Süd-Oberligisten ist mehr als ungewiss.
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Ohne Anzeichen und Vorankündigung haben die Passau Black Hawks am Gründonnerstag eine kurze Pressemitteilung verschickt, die Sportfans in der Dreiflüssestadt schockiert und die Oberliga Süd erschüttert. Die Habichte werden nach aktuellem Stand in der Saison 2026/2027 nicht mehr am Spielbetrieb der Dritten Liga teilnehmen.
Diese weitreichende Entscheidung haben die fünf Gesellschafter der 2024 gegründeten Spielbetriebs GmbH am Donnerstag „aus wirtschaftlichen Gründen“ getroffen, weil sie sich „aktuell nicht in der Lage“ sehen, „auch vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Situation, eine tragfähige Basis für einen Oberliga-Spielbetrieb mit einer soliden finanziellen Grundlage zu schaffen“. Diese Erklärung ist sozusagen als letzter Hilferuf zu verstehen. Wenn sich binnen der nächsten 14 Tage „keine neuen Sponsoren und Gesellschafter finden“, gehört Oberliga-Eishockey in der Dreiflüssestadt wieder der Vergangenheit an. Mehr noch: Dann ist wohl auch die Zukunft des Passauer Eishockeys ungewiss.
Obwohl in den vergangenen Monaten rund um die Insolvenz der Heilbronner Falken und den Rückzug der Bayreuth Tigers viel über die Oberliga diskutiert wurde und hinlänglich bekannt ist, dass die Rahmenbedingungen auch an anderen Standorten für Kopfzerbrechen sorgen, kommt die nun kommunizierte Entwicklung in Passau überraschend – für Beobachter, für Zuschauer, aber auch für die Spieler, die nach Informationen dieser Redaktion aus der Pressemitteilung von den finanziellen Schwierigkeiten ihres Klubs erfuhren. Die Hintergründe sind auch für sie unklar. Vorerst wird es öffentlich keine weiteren Auskünfte geben, hieß es aus Passau auf Nachfrage.
2020 kehrten die Passau Black Hawks wieder in die Oberliga zurück, professionalisierten seither ihre Organisation und Strukturen. Mit der Gründung einer Spielbetriebs GmbH wurde der zuvor in der Szene unbekannte Kevin Dierks (23) aus Niedersachsen als erster Geschäftsführer des niederbayerischen Clubs installiert. Heuer liegt die mit Abstand sportlich erfolgreichste Saison hinter dem Club, der sich erstmals seit dem Wiederaufstieg für die Pre-Playoffs qualifizierte und sogar den Sprung ins Achtelfinale schaffte (0:3 gegen Tilburg). Diesen Partien waren die letzten von Dierks in Niederbayern. Er teilte dem Club vor geraumer Zeit mit, dass er auf eigenen Wunsch wechseln möchte und wurde vor wenigen Tagen als neuer Chef der Erding Gladiators vorgestellt.
Auch die Oberbayern haben offenbar einen weiteren Konkurrenten in der Oberliga Süd verloren. Dabei schienen Gespräche mit einem neuen Geschäftsführer in der finalen Phase angekommen und waren die Planungen für eine weitere Spielzeit in der Dritten Liga längst angelaufen. So haben Marco Eisenhut, Tom Horschel und Andrew Schembri noch Vertrag in Passau und viele ihrer Mitspieler signalisiert, dass sie gerne weiterhin in der Dreiflüssestadt spielen möchten. Das ist nun äußerst ungewiss.
Michael Duschl