Tim Stützle (24; links) und die Ottawa Senators haben zum zweiten Mal in Folge die NHL-Playoffs erreicht. Dort wartet in Runde eins mit Carolina allerdings das Top-Team der Eastern Conference.
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Auf eine extrem umkämpfte Regular Season in der Eastern Conference folgt nun ab Samstag eine erste Playoff-Runde, in der Favoritenrollen längst nicht so eindeutig auszumachen sind wie in vergangenen Jahren. Eine Vorschau auf die vier Serien im Osten der NHL.
Carolina Hurricanes - Ottawa Senators: Zumindest auf dem Papier ist es die im Osten einseitigste Serie der ersten Playoff-Runde. Hier der Hauptrunden-Erste der Eastern Conference aus Raleigh, North Carolina, dort die Senators aus Kanadas Hauptstadt, die in der Setzliste auf dem zweiten Wild-Card-Spot – als Fünfter der Atlantic Divison – landeten. Kurios: Ihre 99 Punkte hätten in der Metropolitan Division sogar für Rang zwei gelangt. Ein starker Schlussspurt mit sechs Siegen aus den letzten acht Spielen war es, der Ottawa letztlich die Playoffs bescherte.
Auch Carolina geht formstark in die Playoffs, verlor nur eines der letzten neun Spiele nach regulärer Spielzeit – dieses allerdings Anfang April ausgerechnet gegen die Senators (3:6), inklusive Traumtor von Tim Stützle. Es ist kein Zufall, dass der Deutsche von beiden Teams der Spieler mit den meisten Scorer-Punkten in der Hauptrunde war (83 in 80 Spielen). Der Deutsche hat das Potenzial, für die Senators auch in einer Playoff-Serie zum Zünglein an der Waage zu werden. Denn Carolina ist zweifellos stark und ausgeglichen besetzt, hat aber auch – ähnlich wie Ottawa – Schwächen auf der Torhüterposition.
Beide Teams gehen ohne größere Verletzungssorgen in die Playoffs, einzig Nick Jensen bei Ottawa fehlt nach Knie-OP sicher. Die Stimmung im Umfeld der Senators war zuletzt dennoch ein Problem, gerade durch Diskussionen um die Zukunft von Kapitän Brady Tkachuk. Heilen die Playoffs nun alle Wunden?
Pittsburgh Penguins - Philadelphia Flyers: Erstmals seit 2018 gibt es die „Battle of Pennsylvania" wieder in den Playoffs. Insgesamt siebenmal schon duellierten sich die beiden Erzrivalen in der Endrunde. Nach drei Seriensiegen in den ersten drei Aufeinandertreffen für Philadelphia gewann Pittsburgh drei der jüngsten vier Vergleich – auch jenen vor acht Jahren in der ersten Runde.
Das Heimrecht zwischen beiden Teams entschied sich bei Punktgleichheit (jeweils 98) lediglich aufgrund der mehr erzielten Siege nach regulärer Spielzeit zugunsten der Penguins, beide Mannschaften stehen zudem durchaus überraschend in den Playoffs. Während die Flyers dabei ein im Kern noch junges Team um Rookie Porter Martone (19), Tyson Foerster (24) oder Trevor Zegras und Cam York (beide 25) stellen, könnte es für Pittsburgh der letzte gemeinsame Auftritt von Sidney Crosby (38) und Evgeni Malkin (40) sein.
Beide Mannschaften gehen weitgehend fit an den Start. Eine klare Favoritenrolle ist nicht auszumachen. Für Pittsburgh spricht die Erfahrung von Crosby, Malkin oder den Starverteidigern Erik Karlsson und Kris Letang, für die Flyers die Unbekümmertheit der Jugend, insbesondere mit starken Flügelstürmern und dem besseren Goalie in dem Tschechen Dan Vladar.
Buffalo Sabres - Boston Bruins: Selbst Marco Sturm glaubte vor der Saison nicht wirklich an den Playoff-Einzug, den seine Boston Bruins sich mit viel harter Arbeit, aber auch dank aufstrebender junger Akteure um Center Fraser Minten, redlich verdienten. Gegner allerdings ist nun das Powerhouse der zweiten Saisonhälfte in der NHL, die Buffalo Sabres, die ihren Playoff-Fluch nach 15 Jahren ohne Teilnahme beendeten und am Ende sogar die Atlantic Division gewannen.
Die Sabres müssen auf den vor der Deadline geholten Zwei-Wege-Stürmer Sam Carrick verzichten, die Bruins sind rechtzeitig zum Start fit. Beide Teams verfügen in US-Olympiasieger Tage Thompson (41 Tore; Buffalo) beziehungsweise David Pastrnak (100 Punkte; Boston) über je einen Superstar im Angriff. Insgesamt aber sind die Sabres in Defensive wie Offensive breiter aufgestellt. Die Bruins wiederum haben mit Jeremy Swayman einen der konstantesten Goalie der Hauptrunde als Schlüsselspieler im Tor.
Auch eine exzellente, von Marco Sturm implementierte Struktur, dadurch Disziplin und viel Leidenschaft machten es möglich, dass Boston als krasser Außenseiter in die Playoffs einzog und dabei satte 24 Punkte mehr holte als noch 2024/25 (Buffalo sogar 30). Favorit sind auch jetzt die aufstrebenden Sabres, die qualitativ – außer im Tor – ein wenig besser und quantitativ tiefer besetzt sind.
Tampa Bay Lightning - Montréal Canadiens: Es ist die Neuauflage des Stanley-Cup-Finales von 2021, als die beiden Teams aus der Eastern Conference durch den pandemiebedingt veränderten Modus ausnahmsweise auch in den Endspielen aufeinandertreffen konnten. Wie im Duell zwischen Pittsburgh und Philadelphia entschied sich erst in den letzten Tagen der Hauptrunde das Heimrecht zugunsten des damaligen Champions aus Westflorida – ebenfalls aufgrund der mehr erzielten Siege nach regulärer Spielzeit.
Beide Teams mussten zuletzt auf wichtige Verteidiger verzichten. Bei den Canadiens dürfte zum Start der zuletzt verletzte Alexandre Carrier zwar wieder mitwirken, zumindest die erste Runde verpassen wird allerdings Noah Dobson, der neben Lane Hutson und Mike Matheson wichtigster Abwehrspieler. Bei Tampa wiederum spielte Kapitän Victor Hedman aus persönlichen Gründen zuletzt nicht. „Auch er selbst weiß nicht genau, wann der Zeitpunkt für eine Rückkehr gekommen ist", meinte General Manager Julien BriseBois jüngst. Zuletzt mehrten sich aber die Hinweise darauf, dass der Routinier in Kürze wieder spielen wird.
Die Serie verspricht nicht nur spannend, sondern auch auch spektakulär zu werden, da beide Teams über viel offensive Qualität verfügen. Bei Montreal knackte Cole Caufield die 50-Tore-, Kapitän Nick Suzuki die 100-Punkte Marke. Tampas Superstar Nikita Kucherov spielte mit 130 Zählern eine weitere herausragende Saison. Die Playoff-Erfahrung, insbesondere auf der Torhüterposition mit dem russischen Starkeeper Andrei Vasilevskiy, könnte zum Schlüsselfaktor für den Lightning werden.
Joachim Meyer