Leon Draisaitl und die Edmonton Oilers stehen in den NHL-Playoffs vor dem Aus.
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Ryan Poehling erinnerte sich an die älteste Weisheit im Eishockey und warf die Scheibe aus spitzem Winkel einfach mal Richtung Tor. Im Slot stand Edmontons Verteidiger Darnell Nurse und fälschte so unglücklich ab, dass die Scheibe langsam über die Linie trudelte. Oder doch nicht? Mit bloßem Auge war das unmöglich zu erkennen. Die Referees entschieden dennoch auf Tor. Das wirkte zwar befremdlich, aber die Zeitlupe zeigte, dass der Puck die Torlinie tatsächlich vollständig überquert hatte – auch wenn es sehr knapp war. Und so gewannen die Anaheim Ducks am Sonntag mit 4:3 nach Overtime und beförderten die Oilers in den NHL-Playoffs an den Rand des Abgrunds.
Mit desolaten Defensivleistungen hatten sich die Kanadier zuvor in die Bredouille gebracht, in Spiel vier zeigte ihnen nun auch noch das Glück die kalte Schulter. Dabei hatten die Oilers einen exzellenten Start hingelegt. Schon nach 38 Sekunden traf Kasperi Kapanen zur Führung, in der siebten Minute legte Ryan Nugent-Hopkins das 2:0 nach. Auch der Torwartwechsel – Tristan Jarry ersetzte den glücklosen Connor Ingram – zahlte sich für Edmonton zunächst aus. Doch die Ducks meldeten sich dank ihres starken Überzahlspiels zurück. Cutter Gauthier und Mikael Granlund egalisierten im Mitteldrittel. Zwar brachte Evan Bouchard die Oilers zu Beginn des letzten Drittels im Powerplay erneut in Front, aber auch diese Führung reichte dem Favoriten nicht, weil Jeffrey Viel sechseinhalb Minuten vor Ende im Fallen zum 3:3 einnetzte. Auf der Gegenseite entschärfte Ducks-Goalie Lukas Dostal einen Alleingang von Connor McDavid. Auch Leon Draisaitl blieb diesmal im Abschluss glücklos, beim Treffer von Bouchard markierte er aber seinen sechsten Assist in dieser Serie.
Nach dieser demoralisierenden Niederlage reisen die Oilers mit einem 1:3-Serienrückstand zurück nach Edmonton. „Dieses Team gibt niemals auf. Es ist resilient. Aber wir haben keinen Spielraum für Fehler mehr“, bekannte Oilers-Coach Kris Knoblauch.
— Chris Johnston (@reporterchris) April 27, 2026
Auch die Boston Bruins stehen vor dem Aus. Das Team von Trainer Marco Sturm kassierte in Spiel vier gegen die Buffalo Sabres eine 1:6-Abreibung vor heimischem Publikum und liegt in der Serie nun mit 1:3 zurück. Den Grundstein zum Sieg legten die Sabres mit einem furiosen ersten Drittel. Bereits nach knapp 15 Minuten führten sie mit 4:0. Die Bruins fanden kein Mittel gegen das aggressive Forechecking der wie entfesselt aufspielenden Sabres und konnten sich bei Goalie Jeremy Swaymen bedanken, dass der Rückstand nach dem ersten Drittel nicht noch höher ausfiel. Bei seinem Playoff-Debüt kam Nationalspieler Lukas Reichel knapp 14 Minuten für die Bruins zum Einsatz, konnte aber keine Akzente setzen und stand bei zwei Gegentoren auf dem Eis. Buffalo überzeugte mit einer ausgeglichenen Mannschaftsleistung, zehn der zwölf Stürmer sammelten mindestens einen Scorer-Punkt.
Das punktbeste Team der Hauptrunde, die Colorado Avalanche, machten mit einem souveränen 5:1-Erfolg bei den Los Angeles Kings den Sweep perfekt und warten nun auf ihren nächsten Gegner, der Dallas oder Minnesota lauten wird. Überragender Spieler bei den Avs war der bis dato in dieser Serie noch eher unauffällige Nathan MacKinnon mit zwei Toren und einem Assist. Im Tor brillierte erneut Scott Wedgewood mit 24 Saves. Bei den Kings ging die beeindruckende NHL-Karriere von Anze Kopitar zu Ende.
Deutlich spannender ging es in Montreal zu. Zwar fiel die Entscheidung erstmals in dieser Serie nicht in der Verlängerung, doch erneut trennte beide Teams nur ein Treffer. Dabei wandelten die Tampa Bay Lightning einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg um. Zum Matchwinner avancierte Brandon Hagel, der im letzten Drittel zunächst in Überzahl egalisierte, ehe er knapp fünf Minuten vor Schluss einen Schuss von Nikita Kucherov unhaltbar für Canadiens-Goalie Jakub Dobes abfälschte.
Siegmund Dunker