Torschützen unter sich: Bremerhavens Colt Conrad im Zweikampf mit dem Mannheimer Justin Schütz.
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Die Kölner Haie haben als erstes Team das Halbfinale in der PENNY DEL erreicht. Der Hauptrunden-Meister mühte sich in Spiel 4 zu einem 2:1 in der dritten Verlängerung gegen die Schwenninger Wild Wings. Verteidiger Jan Luca Sennhenn erzielte in 104. Minute das goldene Tor für die Gastgeber. Die Adler Mannheim haben hingegen durch eine überraschend deutliche 1:6-Niederlage bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven den vorzeitigen Halbfinaleinzug verpasst. Die Eisbären Berlin bauten ihre Serienführung gegen die Straubing Tigers dank eines 2:1-Heimsieges auf 3:1 aus. Mit einem furiosen ersten Drittel legte der ERC Ingolstadt den Grundstein zum 7:2-Heimsieg gegen den EHC Red Bull München. Der Ingolstädter Serienausgleich wurde aber überschattet von üblen Szenen. Insgesamt verteilten die Referees 155 Strafminuten, davon 125 gegen München.
Um 23:38 Uhr erlöste Jan Luca Sennhenn mit einem verdeckten Schuss von der blauen Linie die Fans der Kölner Haie und machte den Sweep seines Teams gegen die Schwenninger Wild Wings perfekt. Es war ein hartes Stück Arbeit für die Kölner, denn die Gäste zeigten eindrucksvoll, dass die knappen Niederlagen in den ersten drei Spielen keine demoralisierende Wirkung gehabt hatten. Will Weber lieferte sich in der Anfangsphase einen beherzten Faustkampf mit Kevin Niedenz, und auch an der Scheibe machten die Gäste zunächst den griffigeren Eindruck. Allerdings kamen sie nicht an Haie-Torwart Janne Juvonen vorbei. Im Mitteldrittel zogen die Kölner die Zügel spürbar an und gingen in Überzahl durch Patrick Russell in Führung. Bei fünf gegen fünf blieb es allerdings ein zähes Spiel. Im Schlussabschnitt wurden die Haie immer passiver, und das sollte spät doch noch bestraft werden. Mit einem Schuss aus der Drehung erzielte Mirko Höfflin den hochverdienten Ausgleich für Schwenningen und schickte das Spiel in die Verlängerung. Dort zeigten die Gastgeber ein völlig anderes Gesicht und setzten Schwenningen zunächst mächtig unter Druck. Wild-Wings-Goalie Joacim Eriksson hielt jedoch stark. Ab der zweiten Verlängerung war es nur noch ein Abnutzungskampf – mit dem glücklicheren Ende für Köln.
50 Sekunden genügten dem ERC Ingolstadt am Dienstagabend in der elften Spielminute, um die heimische Saturn Arena in ein Tollhaus zu verwandeln und der Geschichte dieser Serie einen neuen Dreh zu verpassen. Erst traf Torjäger Riley Barber kaltschnäuzig ins kurze Eck, dann krönte Top-Verteidiger Alex Breton ein Solo über das ganze Eis, ehe erneut Barber eine Traumkombination abschloss. Mit drei Überzahltoren machten die Ingolstädter in der elften Minute so aus einem 1:0 ein 4:0, das vor allem einen Münchner konsterniert zurückließ. Taro Hirose hatte die Gegentorflut von der Strafbank aus mitverfolgt. Mit einer Fünf-Minuten-Strafe nach einem späten Check gegen Edwin Tropmann hatte der Stürmer sein Team entscheidend geschwächt. Noch vor der ersten Pause legte Myles Powell das 5:0 für euphorisierte Gastgeber nach, die durch Philipp Krauß früh in Führung gegangen waren. Ab dem Mitteldrittel ersetzte Antoine Bibeau den bedauernswerten Simon Wolf im Münchner Tor, doch spannend wurde es nicht mehr. Der überragende Breton traf noch zweimal für Ingolstadt, Chris DeSousa und Veit Oswald brachten München auf die Anzeigetafel. Am Ende geriet der klare Sieg der Ingolstädter fast schon zur Randnotiz, denn zahlreiche Scharmützel und Unterbrechungen prägten die zweite Hälfte dieser Partie. Die Gäste schossen dabei immer wieder übers Ziel hinaus. Trauriger Höhepunkt war ein Open-Ice-Check von Verteidiger Fabio Wagner gegen den Kopf von Tropmann, der daraufhin auf einer Trage vom Eis gebracht wurde. Die Referees entschieden deshalb, die letzten 100 Sekunden des Spiels einfach herunterlaufen zu lassen. Am Ende gingen die Münchner mit 125 (!) Strafminuten vom Eis.
In Bremerhaven standen die Gastgeber mit dem Rücken zur Wand. Trainer Alexander Sulzer nahm vor Spiel 4 einen Wechsel im Tor vor und brachte Leon Hungerecker für den in dieser Serie bisher glücklosen Kristers Gudlevskis. Dieser Schachzug sollte sich auszahlen. Hungerecker war gegen aktive Adler sofort auf der Höhe und verhinderte einen frühen Rückstand seines Teams. Doch die Pinguins versteckten sich nicht und setzten immer wieder Nadelstiche. Einen dieser Konter veredelte C.J. Smith im Slot mit dem 1:0. Mannheim ließ sich aber nicht beeindrucken und kam zu Beginn des Mitteldrittels zum Ausgleich. Vom Schlittschuh des Nationalstürmers Justin Schütz prallte die Scheibe über die Linie. Der Treffer hielt auch dem Videobeweis Stand, eine Kickbewegung lag nicht vor. Wer nun dachte, dass das Spiel in Richtung des Favoriten kippt, sah sich getäuscht. Bremerhaven hielt leidenschaftlich dagegen und ging nach einer langen Druckphase durch Akito Hirose erneut in Führung. Die Adler verloren nun ihre Struktur, was die Gastgeber durch Matthew Abt und Colt Conrad eiskalt bestraften. Auch die vagen Hoffnungen des Favoriten auf eine Aufholjagd verpufften schnell. Schon nach 21 Sekunden im letzten Drittel erhöhte Nicolas Krämmer auf 5:1, mit einem Empty-Net-Goal markierte Philipp Bruggisser den Endstand.
Eisbären-Star Ty Ronning entwickelt sich für die Straubing Tigers immer mehr zum personifizierten Albtraum. Der Berliner Stürmer bereitete im ersten Drittel nicht nur das 1:0 durch Marcel Noebels mustergültig vor, sondern traf nur wenig später nach glänzendem Pass von Liam Kirk selbst. In beiden Fällen profitierten die Gastgeber aber auch vom schwachen Defensivverhalten der Niederbayern im Slot. Im Mitteldrittel trat Straubing energischer auf, ließ aber erneut die Cleverness im Abschluss vermissen. Auch das Powerplay blieb stumpf. Die Straubinger zeigten aber Moral und rannten unaufhörlich an. Bereits viereinhalb Minuten vor Schluss ging Torwart Henrik Haukeland vom Eis. 59 Sekunden vor Schluss belohnte Tyler Madden die Bemühungen der Tigers mit dem Anschlusstor und verdarb damit das Shutout für den starken Jonas Stettmer (37 Saves). Mehr ließ Berlin aber nicht zu.
Siegmund Dunker