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Samstag, 17. September 2022

Umstrittene Strategie „Empty Net“ in der Verlängerung: Neuer Trend erreicht das deutsche Eishockey

Die Krefeld Pinguine bejubeln den 6:5-Erfolg in Bad Nauheim.
Foto: Andreas Chuc

Am Freitagabend gewannen die Krefeld Pinguine ihr erstes DEL2-Spiel auf eine kuriose Art. Beim Stand von 5:5 zog Bad Nauheims Trainer Harry Lange in der Verlängerung Torhüter Felix Bick, um einen vierten Feldspieler zu bringen. Empty Net in der Overtime: Ein großes Risiko, das sich in diesem Fall nicht auszahlte. Denn Marcel Müller eroberte die Scheibe hinter dem eigenen Tor und traf ins verwaiste Gehäuse der Roten Teufel. Lange erklärte seine Entscheidung auf Nachfrage von Eishockey NEWS mit drei Gründen. „Erstens: Wir haben in der Vorbereitung nur einen von sechs Penaltys verwandelt. Zweitens: Ich verlange von meiner Mannschaft, dass sie mutig nach vorne spielt und Gas gibt. Also kann sie nicht mit einem Trainer arbeiten, der nicht mutig ist. Drittens: Wenn ich das Bully gewinne und gegen die drei offensivstärksten Krefelder ein vier-gegen-drei haben kann, dann mag ich meine Chancen“, so der gebürtige Österreicher, der anschließend ankündigte, dass er es wieder machen wird.

Nur wenige Minuten zuvor gewann die Düsseldorfer EG ihr Heimspiel gegen den ERC Ingolstadt in der PENNY DEL mit 4:3 nach Verlängerung, nachdem die Schanzer auch mit einem „Extra-Angreifer“ agierten. Doch während Bad Nauheims Head Coach Lange seinen Goalie erst bei Puckbesitz vom Eis nahm, schickte Ingolstadts Head Coach Mark French vier Skater zu einem Bully in der offensiven Zone. Doch das Anspiel ging an die Gastgeber, die anschließend Brendan O’Donnell freispielten und so den zweiten Zähler eintüteten. „In der KHL haben das in der Vorsaison schon einige Teams, besonders CSKA Moskau, gemacht und ihre Bilanz war damit ziemlich gut. Wir hatten uns diesen Plan für den Fall der Fälle zurechtgelegt und das in dieser Woche auch extra trainiert.Vor allem auswärts sahen wir es heute als gute Chance, um für den zweiten Punkt zu gehen. Offensichtlich hat es diesmal nicht funktioniert“, sagte French nach dem Duell am Freitagabend. Dabei erwähnte er auch, dass mehrere DEL-Clubs in der Vorbereitung mit diesem Risiko agierten.

Ein eminent wichtiger Aspekt: Im deutschen Eishockey behalten die Teams – wie auch in der KHL – einen Punkt, wenn Sie bei leerem Gehäuse in der Overtime ein Gegentor kassieren. In der NHL besagt eine Regel, dass man in diesem Szenario den Punkt verliert. Daher ist der Trend, den Sergei Fedorov in der KHL etablierte, nun auch in Deutschland angekommen. Und spätestens sobald das Manöver, das nach Informationen von Eishockey NEWS einige Krefelder Akteure zunächst als „respektlos“ empfanden, für die ersten Erfolge sorgt, könnte das Empty Net in der Verlängerung den Status als „etwas Besonderes“ verlieren.

Tim Heß


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Notizen

  • vor 2 Stunden
  • Die Rostock Piranhas haben den Vertrag mit ihrem bereits seit Anfang Februar beurlaubten Ex-Coach Lenny Soccio (58) nun „im gegenseitigen Einvernehmen" aufgelöst. Der deutsche Ex-Nationalstürmer hatte den Nord-Oberligisten mehr als drei Jahre lang trainiert.
  • vor 8 Stunden
  • Tom Geischeimer von den Hammer Eisbären wurde für sechs Spiele gesperrt und erhält zudem eine Geldstrafe. Geischeimer hatte im ersten Playoff-Spiel der Eisbären gegen die Tölzer Löwen am vergangenen Sonntag seinen Gegenspieler mit einem harten Check gegen den Kopf- und Nackenbereich getroffen.
  • gestern
  • Die Grizzlys Wolfsburg haben den Vertrag mit Co-Trainer Heiko Vogler um zwei Jahre bis 2028 verlängert.
  • gestern
  • Tim Stützle hat auch im 14. Spiel in Folge gepunktet und in dieser Zeit acht Tore und elf Vorlagen erzielt. In der Nacht auf Donnerstag verlor er mit Ottawa mit 2:3 gegen Montreal. Er steuerte zwei Vorlagen bei und erreichte die Marke von 70 Punkten.
  • vor 2 Tagen
  • Die Verteidiger Bastian Cramer (sechs Assists bei 41 Einsätzen) und Paul Wallek (eine Vorlagen in 14 Matches) spielen auch in der kommenden Saison 2026/27 für den Süd-Oberligisten Erding Gladiators. Angreifer Björn Salhi (drei Scorer-Punkte in 34 Partien) verlässt das Liga-Schlusslicht dagegen.
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