Anzeige
Anzeige
Dienstag, 2. Juni 2020

Clubs contra Spieler Kommentar: Eishockey verschlechtert gerade sein Image – selbst verschuldet in einer unverschuldeten Krise

Foto: City-Press

Das deutsche Eishockey macht gerade eine sehr schwierige Zeit durch. Und das zunächst einmal ganz ohne Schuld. Denn niemand kann etwas für die wirtschaftlichen Folgen, die durch die Pandemie entstanden sind und weiter entstehen werden. Doch die Fronten sind seit einigen Wochen verhärtet. Auf der einen Seite stehen die Clubs, auf der anderen Seite die Spieler, die so verärgert sind, dass sie nun eine Gewerkschaft gründen.

Spieler, Fans, Geschäftsführer und Clubs sind sich dabei in einem Punkt sogar einig: Ohne Gehaltsverzicht bekommt die Sportart ein ganz großes Problem. Dann überleben einige Vereine die Krise nicht, wenn sie länger andauert. Viele Branchen erleben derzeit Kurzarbeit und Gehaltsverzicht zum Arbeitsplatzerhalt. Und landauf, landab akzeptiert man meist auch die Maßnahme. In den USA sind seit der Corona-Krise mehr als 40 Millionen Menschen arbeitslos geworden. Eine katastrophale Zahl! Nicht auszudenken, gäbe es die „Hire and Fire“-Personalpolitik auch hierzulande.

Das Mittel, Einsparungen im Personalsektor vorzunehmen, ist das plausibelste – und zwar am Geldbeutel jedes einzelnen Arbeitnehmers. Denn eine weitere Möglichkeit, eine Reduzierung des Kaders auf beispielsweise drei Reihen Profis und zusätzlich Nachwuchsakteure wurde bisher nicht diskutiert. Zumindest nicht öffentlich. Aufgrund der Einführung von Auf- und Abstieg zur kommenden Saison ist aber nur schwer vorstellbar, dass Clubs dies akzeptieren würden. Zu groß ist der Druck.

Es hapert wieder einmal an der Kommunikation. Die Spieler beklagen, von den Plänen zum Gehaltsverzicht aus den Medien erfahren zu haben. Die Liga sagt, die Spieler seien informiert worden. Pläne wurden aber offenbar schon vorher und ohne die Spieler geschmiedet – was auch verständlich ist, denn auch in anderen Betrieben wurde über Kurzarbeit und Ähnliches erst im Management entschieden. Doch die Weitergabe der Informationen klappte offensichtlich nicht in jedem Club gleich gut.

Doch es geht um die gegenseitige Einbeziehung und Wertschätzung. Die DEL hat sich vor der Saison ein neues Imagekonzept gegeben. #TEILDESSPIELS heißt es. Es „verkörpert eine Haltung, die all die Werte des Sports wie Fairness, Respekt, Leistung, Toleranz und Teamgeist in den Vordergrund stellt“, heißt es auf der Homepage der Liga. Arbeitnehmer, also Spieler, vor vollendete Tatsachen zu stellen und zusätzlich noch mit Konsequenzen bei Ausbleiben der Unterschrift zu drohen, kommt bei keinem Spieler gut an und hat wenig mit diesen Werten zu tun.

Medienwirksam wurde die Unterschrift von Spielern für den Gehaltsverzicht in Bremerhaven platziert. Das sollte zeigen: „Seht her! Wir haben verzichtet. Ihr solltet das besser auch tun.“

Lobenswert ist, dass nun einige Clubs bereits daran arbeiten, eine Alternative zum pauschalen Gehaltsverzicht zu kreieren. Sie sehen die Nöte ihrer Spieler, wissen, dass jede Person eine ganz eigene Lebens- und Vertragssituation hat - Acht- oder Zwölfmonatsvertrag, ledig oder Familie mit Kindern.

Erneut täte der Liga – und damit sind die Clubs gemeint – aber mehr Transparenz gut. Spieler werden teilweise angehalten, sich nicht öffentlich zu äußern. Bei solchen, die sich öffentlich äußern, hat der Club allerdings bei der Freigabe der Zitate das letzte (meist verändernde) Wort. Das ist in der Liga ein normaler Vorgang. Eine Umfrage unserer Zeitung unter allen 14 Clubs, wie es denn mit dem Gehaltsverzicht auch bei Trainern, Managern oder der Geschäftsstelle aussieht, ergab bis auf vier Clubs (Ingolstadt, Schwenningen, Augsburg und Wolfsburg) großes Schweigen. Aus Bremerhaven und Iserlohn ist noch bekannt, dass Spieler auf Gehalt verzichten und Kurzarbeit akzeptiert haben.

Eishockey NEWS hat aber erfahren, dass noch bei weiteren Clubs zumindest Teile der Geschäftsstelle in Kurzarbeit versetzt wurden. Eine pauschale und nichts sagende Antwort auf unsere vier Fragen wie „Red Bull München hat die Lizenzunterlagen für die Saison 2020/21 fristgerecht bei der DEL eingereicht“ muss dann jedoch schon fast als Spott gegenüber den Fans aufgefasst werden.

Wenn von den Spielern Gehaltsverzicht gefordert wird, umgekehrt aber dazu geschwiegen wird (auch wenn vielleicht tatsächlich in der Führungsetage auf Geld verzichtet wird und die Geschäftsstellenmitarbeiter bereits verzichten müssen), macht dies ein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit. Fans können so etwas nicht verstehen. Mit der allseits in der Pandemie propagierten Solidarität hat das nichts zu tun. Und sollten rechtliche Gründe eine Aussage nicht möglich machen, ließe sich auch das begründen. Offener und transparenter.

Das deutsche Spitzeneishockey hat zuletzt sein Image enorm verbessert – durch Olympiasilber und die WM-Ergebnisse des Nationalteams, durch die Leistungen der jungen Stars (erst Seider, nun Stützle, Peterka und Reichel) in der Liga, durch vermeintlich kleine Clubs, die in der Tabelle vorne mitspielen (Bremerhaven seit dem Aufstieg und Straubing letzte Saison), durch den CHL-Finaleinzug Münchens und natürlich auch durch Leon Draisaitls Leistungen in der NHL. Doch Draisaitl stand nur zwei Tage im Fokus der landesweiten Medien. Nun sind es wieder die verhärteten Fronten. Durch diesen Streit zwischen Clubs und Spielern sowie die schwache Außendarstellung verschlechtert Eishockey sein Image aber gerade wieder – selbst verschuldet in einer unverschuldeten Krise. Dabei wäre es wichtiger, an einem Strang zu ziehen, um Clubs und Arbeitsplätze zu retten.

Michael Bauer

 


Kurznachrichtenticker

  • vor 14 Stunden
  • Der SC Riessersee hat den Vertrag mit Philipp Wachter verlängert. In der Spielzeit 2019/20 bestritt der 25-jährige Verteidiger 49 Partien für den Süd-Oberligisten, in denen er zehn Treffer erzielte und 20 Assists sammelte.
  • vor 17 Stunden
  • Trade in der NHL: Angreifer Patric Hörnqvist wechselt von den Pittsburgh Penguins zu den Florida Panthers. Den umgekehrten Weg nehmen Verteidiger Mike Matheson und Angreifer Colton Sceviour.
  • vor 17 Stunden
  • Angreifer Jared Gomes, der in der vergangenen Saison für den EC Bad Nauheim und die Ravensburg Towerstars in der DEL2 aktiv war, kehrt in seine kanadische Heimat zurück und wird künftig für Brampton Beast in der ECHL auf dem Eis stehen.
  • vor 2 Tagen
  • Goalie Craig Anderson (39) erhält keinen neuen Vertrag bei den Ottawa Senators mehr. Dies bestätigte General Manager Pierre Dorion am Mittwoch. Anderson war 2011 via Trade aus Colorado nach Ottawa gekommen und dort seitdem über weite Strecken die Nummer eins, etwa beim Conference-Finaleinzug 2017.
  • vor 2 Tagen
  • Die Krefeld Pinguine haben den Verbleib von Goalie Nils Kapteinat bestätigt. Der 20-Jährige spielte schon in der vergangenen Spielzeit für das Oberliga- sowie das DNL-Team des KEV und kam auch in der laufenden Saisonvorbereitung bereits für die Krefelder U23 zum Einsatz.
Anzeige

Die Eishockey NEWS-App

Lesen Sie jetzt alles über die schnellste Mannschaftssportart der Welt auf Ihrem Tablet oder Smartphone. Alle deutschen Ligen, die NHL und die europäischen Clubs finden Sie auf einen Klick. Mit allen Artikeln und Bildern.
Anzeige