Donnerstag, 14. September 2017

Vor dem Saisonstart in der DEL2 Zwei Ligen, (k)eine gemeinsame Zukunft?

<p>Die Geschäftsführer der DEL und der DEL2: Gernot Tripcke und René Rudorisch (v.l.).<br/>Foto: City-Press</p>

Die Geschäftsführer der DEL und der DEL2: Gernot Tripcke und René Rudorisch (v.l.).
Foto: City-Press

Es ist eine Entscheidung, die den Eishockeysport in Deutschland nachhaltig beeinflussen wird: Kommt die Verzahnung zwischen der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2) oder kommt sie nicht? Aktuell liegt der Fall beim Deutschen Sportschiedsgericht (DIS), das prüft, ob die Ende März von sechs DEL2-Standorten eingereichten Bewerbungen vertragskonform sind. Nach Ansicht der DEL2 sind sie das, nach Meinung der DEL nicht. Jetzt soll eine neutrale Instanz für Klarheit sorgen.

"Ab dem Zeitpunkt der Ablehnung hat uns dieses Thema jeden Tag beschäftigt", blickt Rudorisch auf einen schwierigen und wenig erholsamen Frühsommer zurück. "Wir haben erstmal geprüft, wieso wir abgelehnt wurden. Was waren die Gründe hierfür und wie sind unsere Auffassungen dazu", beschreibt der DEL2-Boss die anstrengenden ersten Tage und Wochen nach der erneuten Ablehnung der Unterlagen durch die Deutsche Eishockey Liga.

Erneut hatte es die DEL2 laut Ansicht der DEL nicht geschafft, die Unterlagen zur Wiedereinführung der Verzahnung beider Ligen nach der Saison 2018/19 im vertraglich vereinbarten Rahmen einzureichen. Dabei waren die Vorzeichen eigentlich klar und nicht anders als ein Jahr zuvor. Bis zum 31. März 2017 mussten wieder mindestens sechs Teams aus der DEL2 die Bürgschaft in Höhe von 816.000 Euro hinterlegen. Und die Arenen der Bewerberteams aus der DEL2 mussten die Mindeststandards für die DEL (u.a. Kapazitäten für 4.000 Zuschauer) erfüllen.

Zunächst schien wie schon 2016 auch alles seinen geregelten Gang zu nehmen. Fristgerecht reichten sechs DEL2-Clubs die Unterlagen bei der DEL ein. Neben den Kassel Huskies waren das die Bietigheim Steelers, die Löwen Frankfurt, die Dresdner Eislöwen, der SC Riessersee und die Starbulls Rosenheim. Alle waren zuversichtlich. "Insgesamt haben wir als Liga die Anforderung solider und verlässlicher gemeistert. Wir hätten die Bürgschaften nicht gemacht, wenn wir uns nicht sicher wären, dass es auch klappt diesmal", so Rudorisch zum damaligen Zeitpunkt der Abgabe der Unterlagen. Und DEB-Präsident Franz Reindl ergänzte: "Gerade auch in Verbindung mit der Heim-WM im nächsten Jahr sollten wir den Schwung nutzen und das deutsche Eishockey so wieder ein Stück nach vorn bringen."

101.000 Euro der Steelers-Bürgschaft werden beanstandet

Doch dann der Schock: Am 26. April - zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, direkt vor dem Start der Heim-WM - teilt die DEL mit, dass die eingereichten Bewerbungen der sechs DEL2-Clubs nicht alle vertragskonform sind. Konkret geht es um 101.000,00 Euro der Bürgschaft der Bietigheim Steelers. Für die DEL2 und die beteiligten Banken ist dieser Betrag dem Vertrag konform abgesichert, aus Sicht der von der DEL beauftragten Rechtsanwaltskanzlei Bird&Bird LLP nicht.

Dass die DEL2-Teams nach Auffassung der DEL die Vorgaben bei den Bewerbungen erneut nicht einhalten konnten, beschäftigte die Ligaführung sehr. "Im zweiten Anlauf sollten Fehler vom Grundsatz her nicht mehr passieren. Insofern war die erste Phase sehr intensiv und es herrschte ein reger Kontakt zu unserem Anwalt Tobias Rommelspacher", erklärt Rudorisch rückblickend. Was rauskam nach einer ersten Bestandsaufnahme, war die Entscheidung, vors Sportschiedsgericht zu ziehen. "Nach Rücksprache mit den betroffenen Banken haben wir erhebliche Zweifel an der Einschätzung der DEL", so der DEL2-Geschäftsführer im offiziellen Statement zum Zug vors Schiedsgericht.

Was folgte, ist bekannt: Die DEL2 musste zweimal einen möglichen Vertreter ihrer Interessen benennen, nachdem Rechtsanwalt Jürgen Scholz aus Hannover von der DEL abgelehnt worden war. Für viele Fans erweckte es den Eindruck, als würde die Deutsche Eishockey Liga die Entscheidung in dieser Sache hinauszögern wollen. Da stellt sich die Frage, was das bringen würde? Rudorisch dazu: "Ich glaube nicht, dass die DEL taktiert." Der DEL2-Geschäftsführer hat einen anderen Ansatz: "Das zeigt, dass man das Thema in der DEL auch sehr ernst nimmt." Und weiter meint er: "Unabhängig davon spielt es keine Rolle, wann am Ende eine Entscheidung fällt. Schließlich reden wir über die übernächste Saison. Bis dahin ist dann immer noch ausreichend Zeit sich vorzubereiten."

Inzwischen ist das Schiedsgericht besetzt

Inzwischen steht die Besetzung des Schiedsgerichts, und damit ist auch in der DEL2-Schaltzentrale die Ruhe vor dem Sturm eingekehrt. "Das Ganze läuft nun autark im Schiedsgericht. Beide Seiten, DEL und DEL2, haben inzwischen ihren Schiedsrichter benannt", gibt Rudorisch einen Einblick in die aktuellen Prozesse Ende August. Also heißt es nun abwarten und bangen - bei Fans ebenso wie bei Ligaführung: "Wir haben unsere Klage eingereicht, mit all den Punkten, bei denen wir glauben, im Recht zu sein. Jetzt läuft der Prozess am Schiedsgericht und wir warten auf die Stellungnahme der DEL."

Auch wenn der DEL2-Geschäftsführer und die Clubs nun nicht mehr tagtäglich aktiv um die Wiedereinführung der Verzahnung zwischen DEL und DEL2 kämpfen müssen, ist eines ganz deutlich: "Es belastet uns natürlich sehr. Ich habe immer gesagt: Wir kämpfen dafür, dass diese Liga eine Perspektive hat - und darum dreht sich momentan alles", so Rudorisch. Es steht viel auf dem Spiel, wenn nicht sogar alles.

Was passiert, sollte das Schiedsgericht zu der Entscheidung kommen, die Ablehnung der Unterlagen durch die DEL ist rechtens? "Also erstmal gehen wir davon aus, dass wir gute Karten haben. Deshalb sind wir diesen Weg gegangen", lenkt Rudorisch ein. Spielt man das Spiel dennoch weiter, dann wäre der nächste vertraglich zwischen DEL und DEL2 festgesetzte Bewerbungsstichtag für eine Umsetzung der Verzahnung ab der Saison 2019/20 der 31. März 2018.

Ob es jedoch realistisch ist, dass die DEL2 nach zwei erfolglosen Anläufen erneut sechs Clubs samt Sponsoren dafür gewinnen kann, eine Bewerbung abzugeben, ist nicht zuletzt nach dem Abstieg der Starbulls Rosenheim und dem Abschied von Ralph Bader in Garmisch-Partenkirchen - beides Triebfedern des Anlaufs von 2017 - mehr als fraglich. "Ob diese nächste Chance realistisch ist, nachdem man zwei Anläufe genommen und viel Kraft investiert hat in der Überzeugungsarbeit bei den Clubs und deren Unterstützer - das ist die große Frage", bestätigt auch Rudorisch. Und so steht fest: Sollte es zu einer Ablehnung der Unterlagen vor dem Schiedsgericht kommen, ist der zukünftige Weg der DEL2 ungewisser als je zuvor und die Verzahnung mit der DEL wieder in weite Ferne gerückt.

Sebastian Groß



Kurznachrichtenticker

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  • Der Vertrag von Angreifer Adam Penc (18) bei den Lausitzer Füchsen (DEL2) wurde aufgelöst. Das Talent kam in dieser Saison lediglich sechsmal für Selb in der Oberliga zum Einsatz.
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  • Der ehemalige NHL-Spieler Zarley Zalapski, 2000/01 auch in München unter Vertrag, ist im Alter von 49 Jahren aus bisher unbekanntem Grund verstorben.
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  • vor 2 Tagen
  • Keine Punkte für Tobias Rieder und Leon Draisaitl am Sonntag in der NHL: Die beiden deutschen Top-Stürmer verlieren jeweils ihre Partien. Arizona unterliegt in Chicago mit 1:3, Edmonton in Toronto mit 0:1.

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