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Donnerstag, 1. Februar 2024

106 Importspieler schon drei Jahre und länger in Deutschland Schnelle Einbürgerung: Wer infrage kommt und wer schon einen deutschen Pass hat

Wie mit dem neuem Einbürgerungsgesetz umgehen, nicht politisch gemeint, sondern rein technisch? Diese Frage treibt die Ligen, Clubs, Spieler, Ausbilder und Verbände um. Die Antwortversuche weichen bis ins Gegensätzliche voneinander ab. Künftig sollen Ausländer, vereinfacht gesagt, nach fünf statt acht Jahren in Land und Brot Staatsbürger werden können. Theoretisch könnten 41 Spieler der ersten drei Ligen schon im Sommer Deutsche werden, und so – darum die Debatte – ohne Kontingentlizenz spielen. In der Diskussion kristallisieren sich zwei Lager heraus.

Die eine Gruppe sagt, es brauche Regeländerungen, damit gesichert ein Grundstock an in Deutschland ausgebildeten Spielern pro Team aufläuft, um heimischen Talenten Perspektiven aufzuzeigen. In PENNY DEL, DEL2 und den Oberligen spielen derzeit bereits 191 Spieler, die nicht in Deutschland geboren und eishockeyausgebildet wurden, mit deutschem Pass. Dazu kommen noch die Importstellen.

Die andere Gruppe lehnt diese Forderung ab mit der Begründung, man solle niemand zum Deutschen zweiter Klasse machen. Zudem halte der Gesetzgeber Gentlemen's Agreements, die EU-Bürger begrenzen, für sittenwidrig. Während dies die unternehmerisch betriebenen Top-Ligen weniger kümmert, ist die Sache für verbandsbetriebene Ligen (Oberligen und abwärts) verzwickter.

Aktuell gibt es in der PENNY DEL 31 eingebürgerte Spieler, es kommen 55 Kandidaten hinzu. In der DEL gibt es 66 eingebürgerte Spieler (26 Kandidaten). Groß ist der Unterschied in den beiden Oberligen. Während im Süden 68 Spieler eingebürgert sind (15 sind Kandidaten auf einen Pass), sind es im Norden 26 (zehn Kandidaten).

PENNY DEL (14 Einträge)

 

In Wolfsburg verfolgen die Verantwortlichen genau die anstehende Reform des Staatsangehörigkeitsrechts. „Wir haben im Februar die nächste Sitzung der Sportlichen Leiter. Dort wird es sicher ein größeres Thema sein, um die Meinungen auszuloten", sagt Grizzlys-Manager Karl-Heinz Fliegauf, der sich sicher ist: „Es wird eine Änderung der Struktur im deutschen Eishockey bringen." Klar sei jedenfalls, dass es den einen oder anderen Spieler gäbe, der überlegt, sich für die deutsche Staatsbürgerschaft zu bewerben. Die Liga sei zudem dabei, anhand des Gesetzesentwurfs ein paar Dinge vorzubereiten und die Auswirkungen zu eruieren. Der nächste Schritt sei es dann, im Februar zu besprechen, wie sich der Gesetzesentwurf in die Praxis umsetzen lässt.

Klaus Hille – seit über 30 Jahren als Gründer der Sports Consulting Group als Spielerberater tätig – sieht die vorzeitige Einbürgerung allerdings kritisch: „Ich mache mir Sorgen um die Nachwuchsspieler. Denn wenn diese einmal Profi werden oder ihre ersten Verträge unterschreiben und dann mit einem Kanadier konkurrieren müssen, der schon sechs, sieben Jahre Erfahrung hat, wird es für sie schwierig. Die Clubs setzen dann vielleicht lieber auf den fertigen Spieler. Die deutschen Nachwuchsspieler müssen in jedem Fall geschützt werden“. Hille sieht gravierende Auswirkungen für den deutschen Eishockey, vor allem weil die doppelte Staatsbürgerschaft nun möglich ist, welche die Einbürgerung erleichtere.

DEL2 (14 Einträge)

 

Den Sprachtest sieht der Wolfsburger Manager weiter als eine der höchsten Hürden an. „Einige sprechen schon sehr gut Deutsch. Andere noch nicht so, die sich nun aber reinknien könnten.“ Deshalb erwartet Fliegauf „vielleicht noch nicht für die nächste, aber die übernächste Saison“ eine Einbürgerungswelle.

Zum neuen Einbürgerungsgesetz bleiben Fragen offen – auch nach einer Anfrage an das Bundesinnenministerium (BMI). Etwa, wie schnell die Umsetzung kommt – seitens der PENNY DEL ist mit Blick auf die Folgesaison nicht mit Anpassungen zu rechnen – oder auch, was unter einer besonderen Integrationsleistung zu verstehen ist, nach der die Einbürgerung nach drei Jahren möglich wird. Zumindest das kommt hervor: Das Staatsangehörigkeitsgesetz ist weiterhin Ländersache. Ein Punkt, der in den Vorjahren schon für Unruhe sorgte, sei, so der Vorwurf, an manchen Standorten das Einbürgern doch leichter als anderswo.

Martin Wimösterer, Torsten Weiß, Michael Bauer, Wolfgang Karl, Christian Buchler

Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe

Oberliga Nord (11 Einträge)

 

Oberliga Süd (13 Einträge)

 

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Notizen

  • vor einer Stunde
  • Die Verteidiger Bastian Cramer (sechs Assists bei 41 Einsätzen) und Paul Wallek (eine Vorlagen in 14 Matches) spielen auch in der kommenden Saison 2026/27 für den Süd-Oberligisten Erding Gladiators. Angreifer Björn Salhi (drei Scorer-Punkte in 34 Partien) verlässt das Liga-Schlusslicht dagegen.
  • vor 3 Stunden
  • Die Champions Hockey League hat den Rahmenterminplan der Saison 2026/27 veröffentlicht. Sie beginnt demnach am Donnerstag, den 3. September 2026 und endet mit dem Finale am Dienstag, den 23. Februar 2027. Aus Deutschland sind bereits die Kölner Haie als DEL-Hauptrundensieger qualifiziert.
  • vor 23 Stunden
  • Die deutsche Nationalmannschaft hat bei den Paralympics auch das letzte Gruppenspiel verloren. Gegen Italien gab es am Dienstag ein 1:2. Die Auswahl erzielte dabei ihr erstes Tor seit den Spielen 2006. Weiter geht es am Donnerstag mit dem ersten Platzierungsspiel um Platz fünf.
  • gestern
  • Mit Mark Waldhausen (36) verlässt die Erding Gladiators. Seit 2019 stand der Deutsch-Kanadier im Team. In der vergangenen Saison kam er in 52 Spielen auf zwei Tore und elf Vorlagen. Er soll noch einen „gebührenden Abschied“ erhalten, heißt es von Seiten des Clubs.
  • gestern
  • Im ersten Playoff-Spiel gegen die Lindau Islanders zog sich Klavs Planics von den Füchsen Duisburg, der erst kürzlich sein Comeback gefeiert hatte, nach einem Zweikampf an der Bande eine schwere Verletzung zu. Für ihn ist die Saison damit vorzeitig beendet.
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