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Mittwoch, 1. Juli 2020

DEL-Bewerber scheitert und geht vors Schiedsgericht Nur 13 Clubs bestehen das Prüfungsverfahren: Bietigheim Steelers erhalten keine DEL2-Lizenz – Rudorisch: "Alle Fristen ausgereizt"

Vor einer ungewissen Zukunft: DEL2-Club Bietigheim Steelers.
Foto: imago images / Pressefoto Baumann

UPDATE: Das Ergebnis des Lizenzprüfungsverfahrens der DEL2 steht fest: Nach Prüfung aller 14 sportlich qualifizierten Clubs aus der DEL2-Saison 2019/20 konnte im Ergebnis des Lizenzprüfungsverfahrens 13 Clubs die Lizenz für die kommende Spielzeit 2020/2021 erteilt werden. Das teilte die DEL2 am Mittwochmittag offiziell mit. Die Lizenz für die Bietigheim Steelers musste durch den Aufsichtsrat mit einstimmigem Beschluss verweigert werden. Die gemäß Lizenzordnung geforderte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit konnte bis zum Abschluss und innerhalb der vorgegeben Fristen des Lizenzprüfungsverfahrens durch den Club nicht nachgewiesen werden, heißt es von der Liga. Den Bietigheim Steelers steht wegen der Verweigerung der Lizenz der Rechtsweg vor das DEL-Schiedsgericht frei, den der Club aus Schwaben auch einschlagen wird, wie die Steelers am frühen Mittwochnachmittag mitteilten.

Für DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch war die Verweigerung der Lizenz für die Steelers am Ende unausweichlich: „Unsere Lizenzordnung gibt klare Fristen vor. Der Aufsichtsrat und ich haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft, auch wenn die Unterlagen eigentlich ja schon am 24. Mai vollständig eingereicht werden sollten. Es gibt aber Vollständigkeitsprüfungen und Nachfristen sowie eine Anhörung bei Problemfällen mit nochmaliger Nachfrist von einer Woche. Anfang dieser Woche waren allerdings alle Fristen ausgereizt und der Aufsichtsrat musste einen Beschluss fassen. Auch aus rechtlichen Gründen und mit Blick auf die Fairness gegenüber den anderen 13 Clubs gab es für ihn keine andere Möglichkeit, als so zu entscheiden.“

Dabei ist die verweigerte DEL2-Lizenz für Bietigheim nicht wirklich in der Corona-Krise begründet. „Bei den Lizenzunterlagen geht es vor allem auch um den Wirtschaftlichkeitsnachweis der letzten Spielzeit und der letzten Jahre, das hat mit der aktuellen Krise und der Situation wenig zu tun. Den Steelers waren die Anforderungen dahingehend schon bei der Abgabe der Unterlagen bekannt und sie haben sich in diesem Punkt auch zu den Vorjahren nicht geändert“, so Rudorisch. Für die DEL2 sei die notwendige Lizenz-Verweigerung „extrem bitter, da die Steelers ein zumindest sportliches Aushängeschild der letzten Jahre waren“, so der DEL2-Geschäftsführer weiter. Was sich aus der Situation ergibt, wird sich nun zeigen müssen: Die Steelers werden vor dem DEL-Schiedsgericht gegen die Lizenzverweigerung vorgehen. „Für die anderen Clubs und die Liga selbst wäre ein Teilnehmerfeld von nur 13 Clubs natürlich nicht optimal“, schließt Rudorisch.

In einer Stellungnahme, gezeichnet vom Steelers-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Kaufmann und von Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch, bestätigte der Clubs aus Bietigheim am frühen Mittwochnachmittag den Gang vor das DEL-Schiedsgericht und erklärte die unschöne Situation mit den Altlasten des Clubs. "Das Ergebnis der Lizenzprüfung hat uns hart getroffen. Unser operatives Geschäft, unser geplantes Budget für die neue Saison sowie der Jahresabschluss (+ 2600 Euro; „schwarze Null“) waren kein Thema. Es sind die Altlasten, die uns belasten. Diese stehen aktuell bei 650.000 Euro – gestartet sind wir mit 1,3 Millionen Euro; durch Verzichte und positive Ergebnisse konnten wir diesen Betrag reduzieren."

Im Zuge der Lizenzprüfung hätten die Bietigheim Steelers – neben 250.000 Euro Patronatserklärungen und 300.000 Euro Bürgschaften – den Nachweis von 200.000 Euro an neuem Kapital (oder Darlehen mit Rangrücktritt) gegenüber der Liga erbringen müssen, so der Club in seiner Stellungnahme. Letzteres wurde bis zum 30. Juni offenbar nicht geschafft. "Ein großes Bietigheimer Unternehmen hatte Unterstützung in Aussicht gestellt. Dies sollte in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des Unternehmens am 7. Juli entschieden werden. Dies haben wir dem Lizenzausschuss mitgeteilt und den kompletten Schriftverkehr mit der unterstützenden Firma inklusive der Einladung zur Sitzung übermittelt. Wir sind davon ausgegangen, dass dies ausreichend ist, um eine Fristverlängerung zu erhalten", so die Steelers zum Verstreichen-Lassen der Fristvorgaben durch die Liga. Gegen die Verweigerung der DEL2-Lizenz werden die Schwaben nun vorgehen. "Wir werden über das DEL-Schiedsgericht diese Entscheidung prüfen lassen", heißt es in der Stellungnahme. Der Club hofft auf "Verständnis für die schwierige Aufgabe der Kapitalbeschaffung in diesen schwierigen Zeiten".

Die Verweigerung der DEL2-Lizenz für die Steelers ist auch ein Schlag für die Verzahnung mit der DEL ab 2021. Immerhin war Bietigheim einer der drei Bewerber (neben Frankfurt und Kassel), die sich für den sportlichen Aufstieg nach der kommenden Spielzeit beworben haben.

Sebastian Groß


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