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Donnerstag, 29. Dezember 2022

Interview aus der aktuellen Print-Ausgabe: „Erfolg kann man nicht kaufen“ – Torhüter Sebastian Vogl über die verpatzte erste Saisonhälfte des EV Landshut in der DEL2

Sebastian Vogl, Torhüter des EV Landshut.
Foto: Christian Fölsner

Sebastian Vogl (36) kehrte im vergangenen Sommer nach zehn Jahren in der Deutschen Eishockey Liga in seine Heimatstadt Landshut zurück. Nach gutem Saisonstart ging es für den DEL2-Club aus Niederbayern dann aber rapide bergab. Und auch der erfahrene Schlussmann selbst hinkte seinen eigenen Erwartungen hinterher. Im Interview spricht er über die defensiven Baustellen seiner Mannschaft, ein schwieriges Umfeld und den neuen Konkurrenzkampf im Tor mit dem Slowenen Luka Gracnar.

Herr Vogl, nach zehn Spieltagen stand der EV Landshut noch an der Tabellenspitze der DEL2. Was hat das Team in den ersten Wochen der Saison richtig gemacht – oder war das nur ein trügerischer Schein?
Sebastian Vogl: „Wir haben am Anfang der Saison viele Spiele gewonnen, weil viele Dinge für uns gelaufen sind. Zum Eishockey gehört einfach auch Glück oder Pech dazu, am Ende des Tages ist es ein Spiel. Wir hatten Spiele dabei, in denen es vorne nicht so gut lief, aber da haben wir hinten brutal dicht gemacht und 1:0 oder 2:1 gewonnen. Und andersherum haben wir, wenn es hinten nicht so gut lief, vorne sechs, sieben Tore geschossen und so die Spiele gewonnen. Das konnte nicht für immer so weitergehen. Um langfristig erfolgreich zu sein, braucht es eine gesamtheitliche Mannschaftsleistung. Wir sind sehr hoch geflogen am Anfang und dann tief gefallen.“

Welche Gründe sehen Sie darüber hinaus für die sportliche Misere im Oktober und vor allem November?
Vogl: „Mir fallen zwei Gründe ein: Wir hatten zum einen eine sehr harte Vorbereitung im Sommer und im August. Das war körperlich sehr anstrengend und intensiv. Das ist nichts schlechtes, ich kenne das auch von Trainern wie Hans Zach und Pavel Gross. Man erntet später auch die Früchte dieser harten Arbeit. Aber es ist auch normal, dass man irgendwann in ein kleines Tief fällt, meistens im November. Die Frage ist, wie du mit so einem Tief umgehst. Und wenn man eben viel Druck bekommt und auf der ganzen Mannschaft – und auch auf einem persönlich – viel rumgehackt wird, ist es nicht so leicht, aus so einem Tief herauszukommen.“

Wie beurteilen Sie Ihre eigene Leistung in der ersten Saisonhälfte?
Vogl: „Ich habe an mich selbst andere Erwartungen gehabt und es mir anders vorgestellt, als es nun gelaufen ist. Trotzdem sind wir hier im Sport, Erfolg kann man nicht kaufen. Es ist nicht berechenbar und man muss damit umgehen können, was passiert. Ich habe nie mit dem Finger auf jemand anderen gezeigt. Ich hätte mit dem Finger auf die Vereinsführung zeigen können und sagen, dass sie mir nie Vertrauen ausgesprochen und immer nur Druck und Kritik auf mich ausgeübt hat. Ich könnte auf den Trainer zeigen und sagen, dass auch er nicht alles richtig gemacht hat. Ich könnte auf meine Abwehr zeigen. Und ich könnte auf die Stürmer zeigen, die vielleicht mehr auf ihre eigenen Punkte geschaut haben als auf die Defensivarbeit. Aber das habe ich nie gemacht. Ich bin selbstkritisch geblieben und habe nur darauf geschaut, was ich mit meinem Spiel beeinflussen kann. Wenn man meinem Torhütertrainer Dimitri Pätzold glauben darf, dann habe ich mich technisch die ganze Zeit über verbessert und dazugelernt.“

Würden Sie sagen, in der DEL2 ist es für einen Torhüter komplizierter als in der PENNY DEL?
Vogl: „Es ist anders. Es ist nicht schwieriger oder einfacher. In der DEL ist es mehr Tempo, die Gegner haben eine höhere Qualität und die Intensität ist eine andere. In der DEL2 ist das Spiel einfach ein anderes. Und das war eine Umstellung, für die ich einfach auch Zeit gebraucht habe. Das ging mir schon einmal so. Ich war ja einst auch nach vier, fünf Jahren in der DEL zurück nach Landshut gewechselt. Und da habe ich in den ersten zwei, drei Monaten auch Zeit gebraucht, um mich umzustellen. Das war auch nicht so einfach damals.“

Nun hat der EV Landshut kurz vor Weihnachten mit dem Slowenen Luka Gracnar eine neue nominelle Nummer eins verpflichtet. Waren Sie davon schon im Prozess informiert und was bedeutet das für Sie?
Vogl: „Für mich war das natürlich nicht angenehm, ich wurde auch nicht eingebunden in die Entscheidung. Das fällt auch ein wenig in die Kategorie Verantwortung von sich selbst wegschieben und zu jemand anderen hin. Ich denke nicht, dass man all die Niederlagen und Gegentore alleine an mir festmachen kann. Das wäre zu einfach. Jetzt ist ein neuer Torhüter da, der eine Kontingentstelle aufbraucht. Ich wünsche mir und hoffe, dass es ein offener und ehrlicher Konkurrenzkampf wird, wer im Tor steht. Ich bin kämpferisch und hatte auch in den letzten Jahren immer einen Konkurrenzkampf auf der Torhüterposition. Und ich hoffe, dass die Mannschaft davon am Ende profitiert und wir so die bisher verkorkste Saison noch erfolgreich gestalten können.“

Interview: Sebastian Groß

Das komplette ausführliche Gespräch mit dem Torhüter des EV Landshut finden Sie in unserer aktuellen Print-Ausgabe, seit Dienstag am Kiosk und hier zu bestellen.


Kurznachrichtenticker

  • vor 4 Stunden
  • Silvan Heiß bleibt beim Deggendorfer SC. Der Verteidiger verlängerte seinen Vertrag beim Süd-Oberligisten gleich um drei Jahre. In der Hauptrunde erzielte der 27-Jährige in dieser Saison ein Tor und bereitete elf Treffer vor.
  • vor 17 Stunden
  • Stürmer Elias Pettersson hat einen langfristigen Vertrag bei den Vancouver Canucks (NHL) unterschrieben. Der neue Kontrakt läuft ab der kommenden Saison und bis 2032, das Jahresgehalt liegt dann bei 11,6 Millionen US-Dollar.
  • vor 17 Stunden
  • Der Disziplinarausschuss der PENNY DEL hat gegen Nicholas B. Jensen (Bremerhaven) und Max Renner (Augsburg) Geldstrafen ausgesprochen. Beide Spieler hatten sich am Freitag nach Drittelende in bereits bestehende Auseinandersetzung eingemischt.
  • vor 17 Stunden
  • Kaufbeurens Stürmer Max Oswald wird nach seiner Spieldauer-Disziplinarstrafe beim DEL2-Spiel in Freiburg am Freitag nicht gesperrt. Der Disziplinarausschuss hat das Ermittlungsverfahren eingestellt.
  • gestern
  • Dominik Meisinger hat seinen Vertrag bei den ECDC Memmingen Indians um ein weiteres Jahr verlängert. Der 30-jährige Allrounder, der die Playoffs verletzungsbedingt verpassen wird, verzeichnete in der laufenden Saison bei 42 Einsätzen 31 Scorer-Punkte (18 Tore, 13 Assists).
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