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Donnerstag, 24. November 2022

Interview aus unserer aktuellen Print-Ausgabe: Ex-Bundestrainer Toni Söderholm: „Das ist einfach ein Gefühl, das ich vermisst habe“

Toni Söderholm an der Bande des SC Bern bei der 1:5-Niederlage am Sonntag in Lugano.
Foto: IMAGO / Just Pictures

Nur eine Woche nach dem Turniersieg beim Deutschland Cup in Krefeld stand Ex-Bundestrainer Toni Söderholm bereits in der Schweizer National League beim SC Bern hinter der Bande. Im Interview in unserer aktuellen Print-Ausgabe blickt er auf ereignisreiche Tage und die Jahre beim Deutschen Eishockey Bund zurück und erklärt seine Entscheidung für den Wechsel.

Herr Söderholm, welche Gründe gab es für den doch plötzlichen Abschied von der Nationalmannschaft direkt nach dem Deutschland Cup und den Wechsel zum SC Bern?
Toni Söderholm: „Was ich zu hundert Prozent sagen kann, ist: Es ging nicht ums Geld. Und das ist ja etwas, das viele behaupten, was ich so mitbekommen habe. Mein Vertrag war so gestaltet, dass ich immer wieder die Möglichkeit hatte, daraus auszusteigen. Aber wir haben das nicht kommuniziert, weil nicht jeden Sommer wieder das Gerede anfangen sollte, ob ich weg bin. Ich habe nach nur einer Woche gemerkt, wie viel Spaß mir die tagtägliche Arbeit macht. Das ist einfach ein Gefühl, das ich vermisst habe – und das ich wiederhaben wollte. Das war der allergrößte Grund für den Wechsel. Und ob ich diese Chance vergangenen Sommer gehabt hätte oder dann im nächsten wieder – das ist schwierig zu sagen. Denn das kann man im Profisport nicht schon im Vorfeld wissen. Man weiß nie, wer anrufen wird.“

Wie lief der Wechsel nach Bern ab – wann kam die Anfrage?
Söderholm: „Ich habe Ende der vorvergangenen Woche über meinen Vermittler erfahren, dass Bern vielleicht Interesse hat. Und am Sonntag nach dem Deutschland Cup ist es dann offiziell losgegangen mit Verhandlungen. Ich freue mich auf die Möglichkeit, nun im Verein zu sein. Denn im August, September, Oktober, wo alle tagtäglich im Trainergeschäft tätig waren, bin ich nur im Auto gesessen und habe geredet über Eishockey – aber habe es nicht miterlebt.“

Das heißt, der Wechsel zurück ins Clubeishockey, verbunden mit der tagtäglichen Arbeit mit einem Team, war ein schon länger gehegter Wunsch, der nun immer stärker wurde?
Söderholm: „Genau, und zusammen mit allen Infos, die ich bei der Vertragsverlängerung als Bundestrainer auf dem Tisch hatte und den Infos, die ich nun vorvergangene Woche hatte, ist es zu dieser Entscheidung gekommen.“

Lassen Sie uns nochmal zurückblicken auf Ihre Zeit als Bundestrainer: Wenn Sie es in wenige Worte fassen müssten, was nehmen Sie mit aus den Jahren an der Bande der Nationalmannschaft?
Söderholm: „Mein erster Gedanke, als ich damals mit den U24-Spielern angefangen habe, war, dass die Spieler nicht wirklich wissen, wie gut sie sind. Und wie gut sie spielen können. Das war mein erster Eindruck, der mir gezeigt hat: Meine größte Aufgabe wird es sein, den Spielern mehr Selbstwertgefühl zu vermitteln und ihr Selbstvertrauen – nicht nur als Mannschaft, sondern auch als Einzelspieler – zu erhöhen. Ich hoffe, dass ich der Mannschaft diesbezüglich meinen Stempel etwas habe aufdrücken können. Das Selbstvertrauen des Teams ist nun höher, als es 2019 war.“

Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten, speziell bei den großen Turnieren?
Söderholm: „Ja und nein. Wir hatten bei Olympia einen kleinen Durchhänger. Auf der anderen Seite waren wir in Riga sehr nahe an einem WM-Finale dran. Und auch das Viertelfinale 2022 gegen Tschechien war eine verpasste Möglichkeit. Da haben wir nicht unser bestes Spiel geliefert. Natürlich hätte ich gerne eine Medaille gehabt, aber wir haben uns stetig entwickelt. Und egal, ob es gut oder schlecht gelaufen ist, wir haben immer etwas mitgenommen aus den Turnieren. Das ist das Allerwesentlichste im Trainergeschäft.“

Zum Abschluss: Gab es neben dem Wunsch, einen Club zu trainieren, auch Gründe auf Verbandsebene, die zum plötzlichen Abschied vom Deutschen Eishockey Bund geführt haben?
Söderholm: „Interne Sachen – egal, ob sie positiv oder schlecht sind – muss man als interne Sachen behandeln. Ich verstehe, dass da jetzt viel spekuliert wird und jeder eine Meinung dazu hat. Ich habe meine Entscheidung getroffen mit den Karten, die ich in der Hand hatte. Und ich fühle mich sehr gut mit dieser Entscheidung. Das ist das Einzige, was für mich zählt.“

Interview: Sebastian Groß

Das komplette Interview mit dem ehemaligen Bundestrainer und neuem Head Coach des SC Bern finden Sie in der aktuellen Print-Ausgabe der Eishockey NEWS!


Kurznachrichtenticker

  • vor 20 Stunden
  • NHL am Sonntag: Los Angeles - Ottawa 2:3 n.V. (Stützle: zwei Assists), San Jose - Vancouver 3:4 n.V. (Sharks ohne den verletzten Sturm), Anaheim - Seattle 4:5 (Grubauer bei Kraken nur Backup), Chicago - Winnipeg 2:7, Minnesota - Arizona 4:3.
  • vor 2 Tagen
  • Die Fischtown Pinguins Bremerhaven haben am Samstag den Tryout-Vertrag mit Torhüter Brandon Halverson nach eigenen Angaben beendet und wollen zeitnah eine (andere) Lösung für ihr Torhüterproblem (Stammgoalie Maxwell will den Club verlassen) vorstellen.
  • vor 2 Tagen
  • Der EHC Klostersee und Kontingenspieler Joseph Leonidas trennen sich. Weder für den Verein noch für den Offensivverteidiger (elf Spiele, sieben Punkte) habe es gepasst, teilt das Kellerkind der Oberliga Süd mit.
  • vor 2 Tagen
  • Yuma Grimm (19) von der Straubing Tigers, zuletzt für DEL2-Team EV Landshut im Einsatz, geht ab sofort per Förderlizenz für Oberligist Passau Black Hawks auf Torjagd.
  • vor 2 Tagen
  • Die Champions Hockey League hat ihren Spielkalender für das Viertelfinale bekannt gegeben. Demnach haben zuerst Rögle BK, Lulea Hockey und Skelleftea AIK (alle Schweden) am Nikolaustag und Mountfield HK (Tschechien) am 7.12. Heimrecht. In der Woche drauf steigen die Rückspiele.
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