Justin Polok fehlt dem EHC Neuwied am Freitag bei den Mechelen Golden Sharks.
Foto: René Weiss
Eine der wüstesten Massenschlägereien der vergangenen Jahre am vergangenen Sonntag beim CEHL-Spiel der Neuwieder Bären gegen Herentals YC wirkte angesichts des Spielabbruchs durch den Schiedsrichter Marcus Eberl und die anschließenden Diskussionen in den sozialen Netzwerken noch einige Tage nach. Direkt nach dem Jahreswechsel entschied nun die Disziplinarkommission der CEHL über die vom Schiedsrichter verhängten großen Strafen. Über die Spielwertung wird erst in der kommenden Woche entschieden.
Es gab 226 Strafminuten, vier große Strafen gegen Neuwied, fünf gegen Herentals. „Das ist ein unverhältnismäßiges, den Belgiern schmeichelndes Verhältnis“, bewertete Bären-Pressesprecher René Weiss den Umgang des Unparteiischen mit der Keilerei nach dem Spiel. „Unsere Spieler haben sich schützen wollen, weshalb die Strafen so, wie sie ausgesprochen wurden, schwer nachvollziehbar sind“, meinte Manager Carsten Billigmann.
Die Stimmungslage der Bären-Verantwortlichen hellte sich dann am Donnerstag auch nicht wirklich auf. Denn: Justin Polok und Marcel Marten, die aus Sicht der Bären-Verantwortlichen in keinen Fight involviert waren, blieben für das Freitagsspiel in Mechelen gesperrt. Bei Maximilian Wasser wurde die Strafe auf ein zweites Spiel erweitert, bei Kirill Litvinov sogar auf vier.
Auf Seiten von Herentals‘ kam Kevin Kallonen, der sich mit Litvinov prügelte (Stand Freitag) ohne Sperre davon. Rik Cuylen, mit dessen Schlag in Wassers Richtung alles begann, erhielt drei Spiele Sperre. Dries Schoovaerts muss einmal pausieren. Hart griff die Liga bei Daan Vermeulen, der Linienrichter Ralf Weber schubste, und Kevin Vangenechten durch. Vangenechten fehlt seinem Team sieben Mal, Vermeulen wurde sogar komplett bis zum 1. September gesperrt. Auf Neuwieder Seite berät man nun mögliche Einsprüche zu den eigenen Sperren.
6:1 lagen die Bären nach 26 Minuten in Führung, als die Dinge nach einem Abseitspfiff ihren unsportlichen Lauf nahmen und anschließend nach 20-minütiger Beratung zum Spielabbruch durch den Schiedsrichter führten. Nachdem Bären-Spieler Maximilian Wasser an Herentals‘ Rik Cuylen vorbeigefahren war, zog Cuylen den rechten Handschuh aus und wollte einen Faustschlag in Richtung von Wasser platzieren. Der duckte sich weg und doch entwickelte sich dadurch eine Massenschlägerei, die über mehrere Minuten ging, weil sich immer neue Faustkampf-Duos fanden. Viele der knapp 1.500 Zuschauer hatten da längst die Handys gezückt, filmten das Geschehen und posteten direkt in sozialen Netzwerken. Herentals-Coach Nils Vroemans fühlte sich für einen Moment als Trainer in Nordamerika und öffnete die Tür der Spielerbank der Gäste. Dem Vernehmen nach soll er später im Kabinengang eher nicht zur Beruhigung der Situation beigetragen haben und erhielt daher auch eine große Strafe.
Die Bären stellen sich derweil weiterhin die Frage, wie die Liga mit der Wertung umgeht. „Die EHC-Funktionäre sind nach Sichtung vieler Videos aus unterschiedlichen Perspektiven weiterhin davon überzeugt, dass nur eine Wertung für die Bären herauskommen kann, weil man mit 6:1 deutlich in Führung lag, die Belgier die Prügeleien anzettelten und sogar das Schiedsrichtergespann attackierten“, hieß es in der Pressemitteilung des Clubs.
Markus Terbach