Nur selten hatten die DEB-Frauen vor Frankreichs Gehäuse so viel Platz wie in dieser Szene Julie Schiefer, die das Spiel letztlich vorzeitig beenden musste.
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Der zweite Sieg in Serie, fünf Punkte aus drei Spielen, das Viertelfinale zum Greifen nahe: Natürlich waren die deutschen Frauen nach dem hart erkämpften 2:1-Overtime-Sieg am Montagnachmittag gegen Frankreich in erster Linie glücklich. Doch zeigte sich die Auswahl nach der verpassten Chance, die Qualifikation fürs Viertelfinale mit einem Dreier bereits klarzumachen, auch erfrischend selbstkritisch, wie zum Beispiel Laura Kluge: „Wir haben uns das ein bisschen leichter vorgestellt. Ich glaube, dass wir im Kopf nicht ganz so bereit waren.“ Das äußerte sich nach Ansicht der PWHL-Angreiferin vor allem in den Zweikämpfen: „Wir haben nicht schlecht gespielt, aber wir waren nicht bereit, Zweikämpfe zu spielen. Wir waren einfach viel zu soft, wenn ich das so sagen kann.“ Und so merkten auch die deutschen Spielerinnen, dass in der Endphase der über weite Strecken einseitigen Partie der Einsatz der Französinnen durchaus das Remis noch verdient machte. „Wir waren im letzten Drittel einfach nicht konsequent genug. Ich glaube, der Ausgleich geht dementsprechend auch ein bisschen in Ordnung“, bestätigte Kluge.
So blieb ein Sieg für den Kopf, wenn auch rechnerisch noch nicht die Qualifikation für die Runde der besten Acht, für die es drei Zähler bedurft hätte. „Die zwei Punkte tun uns natürlich super gut, aber drei Punkte wären schöner gewesen“, stellte auch Kluges Sturmkollegin Nicola Hadraschek-Eisenschmid klar, die beim 1:0 mit ihrem unermüdlichen Einsatz die Scheibe im Powerplay noch einmal zurückeroberte. „Man soll grundsätzlich jeder Scheibe hinterhergehen, gerade wenn der Gegner sie nicht sicher hat“, so die Angreiferin zu ihrer Einstellung – und über das 1:0 schmunzelnd: „Ich habe tatsächlich das Tor gar nicht gesehen, weil ich immer noch mit dem Rücken zum Spiel war.“ Möglich wurde Kluges schöner Überzahltreffer aber nur durch ihr vehementes Nachsetzen. Sehenswert war dann letztlich auch der Gamewinner bei drei gegen drei in der 62. Minute: Die mit aufgerückte Verteidigerin Nina Jobst-Smith setzte den Puck nach schöner Vorarbeit gekonnt direkt neben den Pfosten ins Gehäuse. „Ich hatte einen perfekten Blick darauf“, so Kluge, „und habe das lange Eck gesehen – Nina hat es perfekt umgesetzt.“
Verbesserungsmöglichkeiten für das abschließende Gruppenspiel gegen Frankreich sah neben Kluge auch Hadraschek-Eisenschmid viele. „Definitiv die Chancenverwertung, präzisere Schüsse abgeben und auch nicht ganz so viele Turnover in der neutralen Zone produzieren“, zählte die Mittelstürmerin auf. „Bei 46 Schüssen ist ein Tor einfach zu wenig“, machte sie zusätzlich klar. Teamkollegin Kluge präzisierte: „Wir sind nicht da hingegangen, wo es dann auch mal weh tut oder wo es dreckig wird. Die Rebounds waren fast alle bei den Französinnen.“ Insgesamt leistete Frankreichs Auswahl der deutschen Mannschaft physisch deutlich mehr Widerstand als die kleingewachsenen Japanerinnen am Samstag. Bitter aus deutscher Sicht war auch das frühzeitige Spielende für Jule Schiefer, die bis zu diesem Zeitpunkt sehr auffällig agiert hatte, und dann im letzten Abschnitt mit größeren Schmerzen verfrüht in die Kabine ging. Eine Diagnose steht noch aus, teilte der DEB nach Spielende mit.
Am Dienstagnachmittag (16:40 Uhr, live im ZDF und bei Eurosport) gilt es, gegen Gastgeber Italien, der seit dem Montag (3:2-Sieg über Japan) nun einen Punkt vor der deutschen Mannschaft platziert ist und bereits sicher im Viertelfinale steht, diese Dinge wieder besser zu machen – und dem Hexenkessel in Mailand nicht hochkochen zu lassen. „Das wird eine super Stimmung. Tatsächlich würde ich aber sagen, ist es unser Ziel, die Halle leise zu halten. Das bedeutet dann wahrscheinlich, dass wir gut sind“, gab Torhüterin Sandra Abstreiter vor dem abschließenden Gruppenspiel die Richtung vor. Auch die im Vergleich mit Alice Philbert bei weitem nicht so häufig geforderte Schlussfrau der DEB-Auswahl („Für mich war es tatsächlich nicht so ein hartes Stück Arbeit, für die gegnerische Torhüterin wahrscheinlich schon.“) sieht vor allem in einer wieder – wie beim 5:2 gegen Japan – wieder zwingenderen Offensive den Schlüssel zum Erfolg am Dienstag gegen den Turniergastgeber: „Die Schüsse von außen sind nicht immer gefährlich. Deswegen müssen wir auf jeden Fall gegen Italien nochmal eine Schippe drauflegen.“
Aus Mailand von den Olympischen Winterspielen berichtet Sebastian Groß